AOK würdigt Pflegeberufe

Altenpflegerin Nuran Akbahar wurde mit Empathie-Preis ausgezeichnet

Drei Personen, links und rechts Frauen mit einem Blumenstrauß, in der Mitte ein Mann. Die Presträgerin Nuran Akbaha steht rechts.
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Ausgezeichnete Altenpflegerin: Nuran Akbahar (rechts) hat den AOK-Empathiepreis erhalten.

Die Pflegerinnen und Pfleger in Altenheimen und Krankenhäusern sind Helden der Pandemie. Nuran Akbahar aus Bad Hersfeld ist deshalb jetzt mit dem AOK-Empathie-Preis ausgezeichnet worden.

Bad Hersfeld – Nuran Akbahar wurde 1961 in der Türkei geboren. Das genaue Geburtsdatum wurde damals nicht registriert. Aber dass die Aprikosen schon reif waren, als sie das Licht der Welt erblickte, daran erinnert sich ihre Mutter noch. Als sie ungefähr elf Jahre alt war, holte ihr Vater die Familie nach Deutschland.

Es ist gerade um Weihnachten, und weil Nuran dieses Fest aus der Türkei nicht kennt, hält sie den Schokoladenweihnachtsmann, den die neue Nachbarin ihr schenkt, für ein Spielzeug. Zu diesem Zeitpunkt spricht sie kein Wort Deutsch. Aber drei Jahre später dolmetscht sie bereits für türkische Landsleute beim Sozialamt.

Die Hilfsbereitschaft ist Nuran Akbahar wohl in die Wiege gelegt worden. „Ich war schon immer so“, sagt sie nachdenklich. Auch ihr Vater habe in Kinderheimen Süßigkeiten verteilt und armen Leuten geholfen, ihre Schulden zu bezahlen. Ihr Traum sei es gewesen, Friseuse oder Krankenschwester zu werden. Als sie dann nach ihrer Heirat und der Geburt dreier Söhne nach einem mit der Familie zu vereinbarenden Beruf gesucht habe, sei Altenpflegerin aber genau das Richtige für sie gewesen.

Im Jahr 1999 beginnt sie in Niederaula mit der dreijährigen Ausbildung. Es ist eine schwere Zeit zumal sie nach ihrer Scheidung alleinerziehende Mutter ist. Nach zwölf Jahren in Niederaula kündigt sie und findet eine neue Arbeit in einer Bad Hersfelder Seniorenresidenz im Demenzbereich. Einfach hat sie es hier trotz ihres akzentfreien Deutsches nicht. „Es ist schwer, ein Standbein zu finden bei den Deutschen“, berichtet sie von Bewohnern und Angehörigen, die nicht wollen, dass eine Ausländerin ihr Zimmer betritt.

Nuran Akbaha ist an Long-Covid erkrankt

Trotz allem ist Akbahars Erfolgsrezept in der Pflege: „Nicht mit dem Kopf, sondern mit dem Herzen auf die Arbeit gehen.“ Und die Senioren im Heim nicht als Demente zu sehen, sondern als Menschen, die noch mehr könnten, als man denke.

Noch einmal richtig durchstarten vor der Rente – das ist die Motivation der mittlerweile erfahrenen Altenpflegerin, als sie 2020 erneut den Arbeitsplatz wechselt, um im Evangelischen Altenzentrum Hospital einen Wohnbereich mit 47 Senioren zu betreuen. In dieser Einrichtung habe sie sich zum ersten Mal in ihrem Leben wirklich angenommen gefühlt. Die Bewohner seien für sie wie die Großeltern gewesen, die sie nie gehabt habe und jeder von ihnen wurde zu Weihnachten mit einem persönlichen Geschenk bedacht.

Im Januar 2021 infiziert sich Nuran Akbahar mit Corona. Sie bekommt eine Lungenentzündung, muss ins Krankenhaus und hat sich trotz mehrmonatiger Behandlung, in der sie ihre Familie nicht sehen darf, bis heute nicht von der Erkrankung erholt. Die Post-Covid-Fatigue äußert sich darin, dass sie ohne Rollator nicht gehen kann. Schon der Weg ins Bad verursacht Erschöpfung und beim Autofahren kann sie die Arme nicht am Lenkrad halten. „Ich wurde aus dem Leben gerissen“, bedauert sie den schweren Verlauf ihrer Long-Covid-Erkrankung.

Der Empathie-Award Pflege der AOK wurde bereits zum vierten Mal vergeben

Umso überraschter sei sie gewesen, als ihre Kollegen ihr am Telefon für den Gewinn des von der AOK ausgeschriebenen Empathie-Preises gratulierten. Heimlich hatte ihre Kollegin Karin Ubl sie als besonders zugewandte Pflegerin vorgeschlagen. Jetzt wurde ihre Arbeit mit einem 1000-Euro-Einkaufsgutschein honoriert. „Ich habe noch nie etwas gewonnen“, lacht die Gewinnerin, „obwohl ich mit meinen Kindern unzählige Lose auf Lolls gekauft habe“. Mehr noch, als den gewonnenen Gutschein einzulösen, wünscht die bald 61-Jährige sich aber, wieder arbeiten gehen zu können.

„Es ist so viel schöner, zufrieden von der Arbeit zu kommen, als zu Hause zu sitzen und nichts zu tun.“ Obwohl das mit dem Nichtstun nicht ganz stimmt. Nuran Akbahar bildet sich nämlich vom Sofa aus weiter, um den Anschluss nicht zu verpassen, falls es nach der nächsten Reha mit dem Arbeitengehen wieder klappen sollte.

Der Empathie-Award Pflege der AOK Hessen wurde bereits zum vierten Mal vergeben. Ausgezeichnet werden Pflegekräfte, die besonders zugewandt sind und ihren Beruf mit großer Freude ausführen. Überreicht wurde der Preis von Michael Killmer, dem Leiter des AOK-Beratungscenters in Bad Hersfeld.  (Tabea Pausch)

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