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Steffen Oelschläger schaut die Fußball-Bundesliga zum Frühstück

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Am Meer: Steffen Oelschläger, ehemaliger Fußballtrainer aus Bad Hersfeld, lebt jetzt vorwiegend in New Haven im US-Bundesstaat Connecticut.
Am Meer: Steffen Oelschläger, ehemaliger Fußballtrainer aus Bad Hersfeld, lebt jetzt vorwiegend in New Haven im US-Bundesstaat Connecticut. © privat

Seit 2018 pendelt der ehemalige Fußballtrainer Steffen Oelschläger zwischen Bad Hersfeld und den USA. Kürzlich ist „Oeli“, wie ihn alle nennen, 60 Jahre alt geworden.

New Haven – Es rauscht im Hintergrund deutlich hörbar, als das Telefonat mit Steffen Oelschläger beginnt. „Hier hat es gestern angefangen zu regnen und seitdem nicht mehr aufgehört. Es sind aber trotzdem um die 25 Grad“, berichtet Oelschläger.

Wir erreichen den langjährigen Fußballtrainer, der seine erfolgreichste Zeit beim SVA Bad Hersfeld und Borussia Fulda hatte, in New Haven im US-amerikanischen Bundesstaat Connecticut. An der Ostküste ist es morgens, halb Zehn. Oelschläger hat es sich mit einem Kaffee auf der Terrasse bequem gemacht. Und freut sich auf ein Telefonat mit seiner Heimatzeitung, das früher mehrmals in der Woche auf der Tagesordnung stand.

Seit 2018 pendelt „Oeli“, wie Gott und die Welt ihn nennen, zwischen Deutschland und den USA. Seit einem guten halben Jahr ist Oelschläger dort mit einer Deutschen verheiratet, die schon länger in den USA lebt. Er wartet derzeit auf seine dauerhafte Aufenthalts- und Arbeitserlaubnis. Oelschläger hat sich für die USA und den „American Way of Life“ entschieden. Und es scheint so, als habe er damit nicht allzu viel falsch gemacht. Oelschläger klingt entspannt und sagt: „Hier sind alle irgendwie genügsamer und schauen nicht so sehr auf den anderen. Die Menschen hetzen auch nicht von Termin zu Termin wie in Deutschland. Das gefällt mir.“

Am vergangenen Sonntag ist Steffen Oelschläger 60 Jahre alt geworden. Das hat ihn dann doch ein wenig aus der Ruhe gebracht. „60 ist schon eine gewaltige Zahl. Du weißt, dass das letzte Viertel deines Lebens beginnt. Auch wenn ich mich nicht so alt fühle, habe ich schon Respekt davor“, gibt „Oeli“ zu bedenken.

Höchste Zeit, um über Fußball zu sprechen. Fußball, das war für Steffen Oelschläger sein Leben. 1991 sammelt er als Jugendtrainer beim FV Friedlos erste Erfahrungen. Dann geht’s für einige Jahre zum SV Asbach als Co-Trainer. 2000 als A-Junioren-Coach zu Borussia Fulda in die Hessenliga.

„Das war vielleicht die schönste Zeit“, erinnert er sich. „Damals haben die jungen Burschen hinten im Auto gesessen und für die Schule gelernt, wenn es nach Frankfurt oder Darmstadt ging“, berichtet Oelschläger stolz. Diese jungen Burschen waren unter anderem Christian Kirbus, Christopher Krause, Christian Winter oder Kevin Steudter.

Winter und Steudter betrachtet Oelschläger rückblickend als die beiden besten Spieler, mit denen er zusammengearbeitet habe. „Christian Winter ist ein begnadeter Vollblutstürmer, aber immer sehr zurückhaltend als Typ gewesen. Er hat nie Wirbel gemacht, obwohl er so erfolgreich war. Ein echtes Vorbild“, schwärmt der ehemalige Coach. Kevin Steudter sei für ihn ein Ausnahmespieler gewesen. „Tolle Ausstrahlung, ein absoluter Leader. Und fußballerisch ein top Allrounder.“ Für Oelschläger folgen Jahre als Coach der Borussia-Reserve in der Verbandsliga. 2006 geht’s zurück nach Bad Hersfeld, zum SVA. 2009 steigt er mit den Asbachern sensationell über die Relegation in die Hessenliga auf. Den direkt folgenden Abstieg nach einer Katastrophen-Saison erlebt Oelschläger als Trainer schon nicht mehr mit. „Der Hessenliga-Aufstieg mit dem SVA war die Krönung meiner Laufbahn. Was danach kam und der sukzessive Verfall des Vereins taten mir schon sehr weh“, gibt Oelschläger zu. 2018 beendet der gebürtige Sachse seine Trainer-Karriere.

„Fußball ist und bleibt mein Lieblings-Hobby. Das tägliche Geschäft fehlt mir aber absolut nicht“, stellt der Wahl-Amerikaner klar. Samstags wird nach wie vor Bundesliga geschaut. Morgens zum Frühstück. „Das ist schon etwas gewöhnungsbedürftig, weil wir ja sechs Stunden Zeitverschiebung gegenüber Deutschland haben. Aber das passt schon“, erzählt Oelschläger lachend.

Fünf Minuten braucht Steffen Oelschläger mit dem Auto bis ans Meer. Die Natur rund um New Haven sei schön und er gehe gern spazieren. Aber auch in den eigenen vier Wänden fühle er sich mit seiner neuen Ehefrau wohl. „My home is my castle“ – das wird hier wirklich gelebt“, sagt Oelschläger.

Es scheint, als sei er längst in seiner neuen Heimat angekommen. Ein runder Geburtstag oder Dauerregen bringen den einst so impulsiven Steffen Oelschläger nicht mehr so leicht aus der Ruhe.

Natürlich verfolgt Steffen Oelschläger den Fußball in der Region und insbesondere im Kreis Hersfeld-Rotenburg noch regelmäßig. In erster Linie natürlich die Schritte seines Sohnes Dominik, der zurzeit mit der SG Neuenstein durch die Kreisoberliga pflügt, als gäbe es kein Morgen mehr.

Schon 14 Treffer sind dem 31-jährigen Angreifer bislang gelungen. Seine Mannschaft hat alle sieben Saisonspiele gewonnen und führt die Liga souverän an. „Ja, es läuft wirklich gut für uns. Wir haben einen starken Kader, aber das allein reicht nicht aus, wenn die Einstellung nicht stimmt“, sagt Dominik Oelschläger. In Neuenstein sei das gesamte Team „geil auf Fußball“. Das mache den Unterschied.

Von seinem Vater Steffen bekommt Dominik nach jedem Spiel eine WhatsApp mit Glückwünschen. Manchmal schreibt er sogar vor den Partien. „Er gibt mir dann Infos zu den jeweiligen Gegnern“, sagt Oelschläger junior – und irgendwie kann man sein Schmunzeln durchs Telefon spüren. Einmal Trainer – immer Trainer. Für wen mag das wohl mehr gelten als für Steffen Oelschläger?

Stolz ist der Vater auf seinen Sohn. „Er nimmt gerade eine tolle Entwicklung. Er spielt überragend und hat auch seine Trainer-Lizenz gemacht. Das freut mich sehr“, sagt Oelschläger senior. Er würde sich wünschen, dass Dominik als Trainer irgendwann vielleicht in seine Fußstapfen tritt.

Das scheint durchaus möglich, denn „Oeli junior“ möchte auf alle Fälle nach seiner aktiven Laufbahn am Ball bleiben. Als Trainer. „Stand jetzt ist das zu 100 Prozent so. Ich habe ja meine B-Lizenz und den Athletiktrainer für Fußball auch deshalb gemacht“, erzählt der Finanzbeamte, der in Alsfeld arbeitet.

Dass er nicht mehr beruflich nach Frankfurt pendeln müsse, sowie intensives Fitnesstraining seit zwei Jahren, hätten dazu geführt, dass Oelschläger fitter denn je sei. „Körperlich war ich wohl noch nie in besserer Verfassung. Ich bin jetzt wieder voll auf Fußball fokussiert“, sagt er. So sind sie, die „Oelis“.

(Sascha Herrmann)

An der Seitenlinie: 2009 führte Steffen Oelschläger den SVA in die Hessenliga.
An der Seitenlinie: 2009 führte Steffen Oelschläger den SVA in die Hessenliga. © Friedhelm Eyert

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