Waldkindergarten, Shuttle und Smart City

Zwischen den Zeilen: Die Hürden der Bürokratie und die Kinder

Um Waldkindergarten, Shuttle und Smart City geht es in der Kolumne Zwischen den Zeilen von Christine Zacharias.

Christine Zacharias, Redakteurin Hersfelder Zeitung

Die Idee ist gut. Die Stadt Bad Hersfeld will ihr Kinderbetreuungsangebot erweitern und dafür einen Waldkindergarten einrichten. Es gibt einen Verein, der sich darum kümmert und auch ein geeigneter Platz wurde ausgesucht, ein Waldstück in der Nähe des Schützenhauses in Kathus. Auch einen Vertrag mit Hessen Forst gab es bereits. Im Ausschuss für Soziales und Sport musste jetzt allerdings Horst Gerlich (Fachbereich Generationen) die Vorfreude bremsen.

Problem 1: Der Trägerverein hat seinen Sitz in Schenklengsfeld. Problem 2: Das Waldstück liegt in der Gemarkung Ludwigsau. Während sich Problem 1 relativ leicht lösen lässt – der Sitz wird nach Bad Hersfeld verlegt – ist das bei Problem 2 schon etwas kniffliger. Grundsätzlich sei das bereits auf dem kleinen Dienstweg mit dem Ludwigsauer Bürgermeister Hagemann geklärt worden, der die Nutzung für den Hersfelder Waldkindergarten genehmigt habe, berichtete Bürgermeister Thomas Fehling. Aber ein Standort außerhalb der eigenen Gemarkungsgrenzen könnte Probleme bereiten, wenn es um Zuschüsse und Finanzen geht. Also wird jetzt nach einem neuen Grundstück gesucht.

Ziemlich groß war das öffentliche Interesse an der Infoveranstaltung zum Neubau der Hochbrücke. Kein Wunder, schließlich wird die mehrjährige Mega-Baustelle viele betreffen. Was bei der Vorstellung der Pläne ebenfalls deutlich wurde: Bürgermeister Thomas Fehlings Idee, in der Unterführung autonome Shuttle fahren zu lassen, scheint noch nicht ganz vom Tisch zu sein. Immerhin wurden sie als Eventualität von den Planern berücksichtigt. Beworben hatte Fehling die Hybridfahrzeuge des Start-Ups Dromos –- eine Mischung aus autonomen Fahrzeugen und Schienenfahrzeugen – im Zusammenhang mit den gescheiterten Kaufland-Plänen für das Schlachthofgelände. Die „selbstfahrenden Geräte“, wie ein Zuhörer sie jetzt nannte, sollten das neue Kaufland-Areal mit der Innenstadt verbinden. Ein Vorzeige-Projekt wären die Shuttles für die Stadt sicher, allerdings würden sie in der Unterführung weniger Platz für Fußgänger und Radfahrer bedeuten. Und die fühlen sich im Stadtverkehr ohnehin oft „ausgebremst“ und unwichtig.

Bad Hersfeld arbeitet ja seit Jahren mit Hochdruck daran, immer mehr zur Smart City zu werden und möglichst viele Vorgänge zu digitalisieren. Davon sollen auch Übernachtungsgäste profitieren, die sich online vorab anmelden können. Pre-Check-In nennt sich das. Doch damit ist dann auch Schluss mit der Digitalisierung. Die Kurkarte muss immer noch per Einzelblatteinzug ausgedruckt und aus einem größeren Bogen herausgetrennt werden. Und eine Übernahme der Daten in das Formular, das Gäste ausfüllen müssen, die beruflich in der Stadt zu tun haben und deshalb keinen Kurbeitrag zahlen, ist ebenfalls nicht möglich. Aber man muss ja immer noch Verbesserungspotenzial übrig haben. Perfektion ist langweilig.

Und noch eine gute Nachricht zum Schluss: Im Bad Hersfelder Bahnhof gibt es endlich wieder einen Kiosk. Bleibt nur zu hoffen, dass der von Bahnreisenden auch frequentiert wird. Denn wer seine Fahrkarte schon hat, vermeidet es normalerweise, die ungemütliche, müffelnde Bahnhofshalle zu betreten, und kriegt folglich gar nicht mit, dass man sich da jetzt wieder mit Proviant und Lektüre versorgen kann. Dem Pächter viel Erfolg! (Christine Zacharias)

Rubriklistenbild: © Maaz, Nadine

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