Mit Döner und Dienstausweis

Die nächtliche Ausgangssperre gilt – unterwegs mit der Polizei

Eine Polizeistreife geht durch die festlich beleuchtete, menschenleere Fußgängerzone von Bad Hersfeld.
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Nächtliche Ausgangssperre gilt: Kira Wegner (links) und Heiko Hummel sind auf Streife in der Bad Hersfelder Innenstadt.

Seit Mittwoch gilt im Landkreis Hersfeld-Rotenburg wegen der hohen Corona-Zahlen eine nächtliche Ausgangssperre von 21 bis 5 Uhr. Die Polizei kontrolliert, ob sie eingehalten wird.

Bad Hersfeld – Schon um kurz vor 21 Uhr ist es in der Bad Hersfelder Innenstadt still. Ob das nun am Wochentag und am Wetter liegt, oder an der gleich in Kraft tretenden Ausgangssperre bis 5 Uhr – unklar. Vereinzelt sind auch noch Leute unterwegs, Autos sowieso. Dann bimmeln die Glocken der Stadtkirche, und ab jetzt gilt: Nur wer einen triftigen Grund hat, darf sein Zuhause noch verlassen.

Dazu zählen zum Beispiel die Ausübung beruflicher oder dienstlicher Tätigkeiten, ehrenamtliche Einsätze der Feuerwehr, die Inanspruchnahme von medizinischen Versorgungsleistungen sowie das Ausführen des Hundes.

Kurz nach 21 Uhr beginnen Polizeioberkommissarin Kira Wegner und Hauptkommissar Heiko Hummel ihren Kontrollgang auf dem Bad Hersfelder Marktplatz. Die beiden haben Nachtdienst und sind auf Streife. „Das ist auch für uns eine Premiere“, sagt Hummel, der gespannt ist, wie mögliche Nachtschwärmer reagieren, wenn sie von ihm und der Kollegin angesprochen werden.

Es dauert nur ein paar Minuten, bis den Polizisten auf Höhe des Lullusbrunnens ein älteres Paar mit vollen Einkaufstüten entgegenkommt. „Wir kommen vom Einkaufen und mein Mann ist schlecht zu Fuß“, erklärt die Frau. Hummel bittet den Mann, für das Gespräch doch einen Mund-Nasen-Schutz aufzusetzen, und mahnt, den Aufbruch beim nächsten Einkauf besser zu takten, um rechtzeitig zu Hause zu sein. Die Senioren nicken und es gibt noch einen Hinweis für die Beamen: „Da hinten laufen auch noch ein paar Ausländer rum“.

Ein junges Pärchen, das mit dem Roller gekommen ist, möchte ebenfalls gegen 21.15 Uhr noch einkaufen, wird aber nun von Hummel und Wegner davon abgehalten. „Oh Scheiße, wir dachten, die Ausgangssperre beginnt erst um 22 Uhr“, entfährt es der Frau. Andere geben später an, davon ausgegangen zu sein, die Allgemeinverfügung des Landkreises tritt erst ab Freitag in Kraft. Zweifel sind wohl angebracht, schließlich sei das Thema in allen Medien kommuniziert worden, meint Hummel. Er und seine Kollegin belassen es am ersten Abend trotzdem bei freundlichen Hinweisen und Belehrungen. Dazu nickt auch ein junger Mann, der in seinen frischen Döner beißt.

Einen triftigen Grund, noch unterwegs zu sein, hat hingegen ein anderer Passant, der sogleich seinen Dienstausweis aus der Tasche holt. „Ich arbeite in der Altenpflege und mein Dienst geht bis 21 Uhr“, erklärt er. „Man muss mit Fingerspitzengefühl an die Sache rangehen“, sagt Hummel mit Blick auf die diversen Ansprachen. Über zehn Leute sprechen die Polizisten in einer Stunde an.

Sie sind an diesem Abend übrigens nicht die Einzigen auf Kontrollgang. Gleich vier Kollegen in Zivil treffen sie in der zumindest fast menschenleeren Fußgängerzone.

Ein Radfahrer, der singend seine Runden dreht, scheint die Polizisten veräppeln zu wollen. Per Funk bitten sie weitere Kollegen, die im Auto unterwegs sind, den inzwischen davongeradelten Mann zu kontrollieren, sollte er ihnen begegnen. Auf dem Linggplatz und im Stiftsbezirk sind mehrere Gassigänger unterwegs. Drei Frauen scheint die Begegnung fast peinlich, nur der kleine Hund kläfft Hummel lautstark an.

„Die meisten waren heute einsichtig“, bilanziert der Hauptkommissar. „Ist das anders, fangen für uns die Probleme an.“ Den Jogger, der schwitzend und japsend an einem Haus am Marktplatz klingelt, überlässt die Streife seinem Schicksal. (Nadine Maaz)

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