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Die Tafeln schlagen Alarm: Mehr Hilfsbedürftige und weniger Spenden

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Nachschub für die Tafel in Bad Hersfeld: Unser Archivbild zeigt von links Silvia Hemel, Edeltraud Iwan und Arno Biens beim Entladen der Hilfsgüter. In letzter Zeit werden die Lebensmittelspenden aber knapp.
Nachschub für die Tafel in Bad Hersfeld: Unser Archivbild zeigt von links Silvia Hemel, Edeltraud Iwan und Arno Biens beim Entladen der Hilfsgüter. In letzter Zeit werden die Lebensmittelspenden aber knapp. © Nadine Meier-Maaz/Archiv

Die stark gestiegenen Preise für Energie und Lebensmittel machen auch den Tafeln im Kreis zu schaffen. Mehr Menschen sind auf Hilfe angewiesen, gleichzeitig fehlt es an Spenden.

Bad Hersfeld/Bebra – Immer mehr Menschen brauchen jetzt Unterstützung, hinzukommen auch noch zahlreiche Geflüchtete aus der Ukraine. Die stark gestiegenen Preise für Energie und Lebensmittel machen auch den Tafeln im Kreis zu schaffen. Immer mehr Menschen brauchen jetzt Unterstützung, hinzukommen auch noch zahlreiche Geflüchtete aus der Ukraine.

„Uns fehlt einfach der Nachschub“, sagt Silvia Hemel, Koordinatorin bei der Bad Hersfelder Tafel. „Wir können nur das weitergeben, was wir morgens in den Supermärkten abholen“, erklärt ihre Kollegin Jutta Schreiber. Und Dagmar George, Leiterin der Tafel in Bebra, verdeutlicht: „Was in den Supermärkten fehlt, das fehlt auch uns.“

Es sind vor allem haltbare Lebensmittel wie Mehl, Reis, Nudeln und Öl, aber auch Wurst-, Fleisch und Fischkonserven, die jetzt knapp werden. Neben der verstärkten Nachfrage dürften wohl auch die Hamsterkäufe dazu beitragen, dass die Tafeln weniger Lebensmittel zum Verteilen bekommen. Selbst im Zentrallager der hessischen Tafeln in Wetzlar werden die Lebensmittelspenden inzwischen weniger.

Die Tafel in Bad Hersfeld betreut inzwischen zusätzlich zu den bisherigen Kunden auch rund 60 bis 80 Geflüchtete aus der Ukraine. „Diese Menschen brauchen alles“, sagt Silvia Hemel, denn viele sind nur mit dem Allernötigsten vor dem Krieg in ihrer Heimat geflohen. Dazu gehöre auch Kleidung – vor allem für Kinder und Jugendliche – sowie Bettwäsche, die in der Kleiderkammer der Bad Hersfelder Tafel langsam ausgehen.

Die Kleiderkammer in Bebra sei noch gut gefüllt, berichtet Dagmar George, doch auch in Bebra werden seit einiger Zeit bis zu 25 zusätzliche Haushalte von Menschen aus der Ukraine versorgt. „Bei der Tafel kann man nur schwer kalkulieren“, erklärt Dagmar George, die nie genau weiß, wie viele Kunden am nächsten Tag vor der Tür stehen.

Noch ist die Kleiderkammer in Bebra gut gefüllt: Aber wie lange noch? Unser Archivbild zeigt die Leiterin der Tafel in Bebra, Dagmar George (links) mit Silvia Stenchly.
Noch ist die Kleiderkammer in Bebra gut gefüllt: Aber wie lange noch? Unser Archivbild zeigt die Leiterin der Tafel in Bebra, Dagmar George (links) mit Silvia Stenchly. © Clemens Herwig/Archiv

Immerhin, einen Konkurrenzkampf der Bedürftigen um die knapper werdenden Lebensmittel gebe es nicht. „Die Solidarität ist groß“, bestätigen übereinstimmend die Helferinnen der Tafeln und Pfarrer Alexander Ulrich von der Diakonie, die Träger der beiden Tafeln im Landkreis ist. „Mir bereitet die Lage bei den Tafeln aber große Sorge“, sagt Pfarrer Ulrich.

„Immer mehr Menschen sind in der gegenwärtigen Situation auf die Hilfe der Tafeln angewiesen“, sagt er. Deshalb seien die Tafeln im Kreis mehr als sonst auf Spenden angewiesen.

„Wir freuen uns, wenn Menschen für uns einkaufen gehen“, sagt auch Silvia Hemel – wohlwissend, dass es gar nicht so leicht ist, derzeit größere Mengen an haltbaren Lebensmitteln zu kaufen. „Tütensuppen, Tee, Nutella, Kakao – es wird eigentlich alles gebraucht“, sagt Jutta Schreiber.

Wichtig sei, dass alle Waren aus Hygienegründen noch original verpackt sind und das Haltbarkeitsdatum noch nicht abgelaufen ist. „Wir freuen uns über alle Spenden“, sagt auch Diakonie-Pfarrer Ulrich. Er bittet aber darum, etwaige Spenden vorher telefonisch anzukündigen und – auch aus Corona-Gründen – keine Waren spontan vorbeizubringen. Ohnehin findet wegen der Pandemie die Verteilung der Lebensmittel seit geraumer Zeit nur draußen statt.

Mit Blick auf das bevorstehende Osterfest hoffen die Tafeln auch auf Schokolade und andere Kleinigkeiten speziell für die Kinder – denn den Jüngsten wolle man zu Ostern auf jeden Fall etwas Besonderes anbieten können, sind sich die ehrenamtlichen Tafel-Helferinnen und -helfer einig.

Hier kann gespendet werden

Kunden, aber auch Spender für die Tafeln in Bad Hersfeld und Bebra sind willkommen, sollten sich aber, vor allem für die Kleiderkammern, anmelden. Die Bad Hersfelder Tafel ist in der Heinrich-Börner-Straße 10, Telefon 0 66 21 / 79 55 79. Die Lebensmittelausgabe findet Montag, Mittwoch, Donnerstag von 11.30 bis 13 Uhr statt. Die Kleiderkammer in der Bahnhofsmission immer donnerstags von 10 bis 14 Uhr geöffnet. Für Notfälle bitte vorherige telefonische Absprache.

Die Tafel in Bebra ist Im Bilder 28, Telefon, Telefon: 06622 3548. Ausgabezeiten sind jeden Dienstag und jeden 2. Freitag in der geraden Kalenderwoche. Ausgabetag in Rotenburg im Bonhoeffer Haus, Kirchplatz 3, Kellereingang links, ist jeder Freitag in der ungeraden Kalenderwoche.

(Kai A. Struthoff)

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