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Vergessene Orte: Die verlassenen Courts von Kathus

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Das Netz hängt durch: Auf den beiden Courts des SV Kathus schwingen die Tennis-Cracks heute keine Schläger mehr.
Das Netz hängt durch: Auf den beiden Courts des SV Kathus schwingen die Tennis-Cracks heute keine Schläger mehr. © Hartmut Wenzel/Rolf Roth

Als „Lost places“, als vergessene oder verlorene Orte, bezeichnet man alte Gebäude, Ruinen, verlassene Häuser. In unser Serie besuchen wir heute die Tenniscourts des SV Kathus.

Kathus – An den beiden Plätzen hinter dem Sportlerheim des SV Kathus wird das Ende des Tennis-Booms der 80er-Jahre sichtbar. Das Netz hängt in der Mitte schlaff über dem Boden. An der Grundlinie wächst das Gras fast einen halben Meter hoch durch das Ziegelmehl. Die angerostete Walze zur Platzpflege steht neben dem Pfosten, so als wäre sie gestern erst das letzte Mal benutzt worden.

Neue Markierungen: Bevor der Spielbetrieb eingestellt wurde, sind die Linien neu eingelassen worden.
Neue Markierungen: Bevor der Spielbetrieb eingestellt wurde, sind die Linien neu eingelassen worden. © Hartmut Wenzel/Rolf Roth

Der Schein trügt. Die Oberfläche ist aufgeplatzt, überall wächst Moos. Ein paar Pflastersteine liegen umher. An den grünen Sichtblenden kann man die schwarze Aufschrift noch erkennen. Allerdings erscheinen die Linien des Spielfeldes noch neu. So als ob sie am letzten Tag noch eingezogen worden sind.

Aushang: Vergilbte Fotos von 2002 zeugen von noch besseren Zeiten.
Aushang: Vergilbte Fotos von 2002 zeugen von noch besseren Zeiten. © Hartmut Wenzel/Rolf Roth

Im Kasten vor dem verschlossenen Haupteingang hängt noch ein vergilbtes Foto von den B-Ligameistern 2002. So lange sind die Plätze aber nicht verwaist. 2018 haben noch Spiele der Bezirksliga hier stattgefunden. Danach gab es noch Trainingseinheiten – das war’s. Kein Nachwuchs, keine Trainer – seitdem dämmern die Courts im Schatten der Bäume vor sich hin.

Da war sie das erste Mal in Betrieb: Kurz vor der Einweihung walzt der Vorsitzende Rolf Roth das Ziegelmehl fest.
Da war sie das erste Mal in Betrieb: Kurz vor der Einweihung walzt der Vorsitzende Rolf Roth das Ziegelmehl fest. © Hartmut Wenzel/Rolf Roth

Dabei war die von 29 Mitgliedern 1980 in der Gaststätte Koch gegründete Tennisabteilung jahrelang ein Aushängeschild des Vereins. Die Aktiven kamen nicht nur aus Kathus, sondern auch aus Bad Hersfeld, Hauneck und Ludwigsau. Damals gab es in Bad Hersfeld nur einen Platz – und zwar den von Blau-Weiß. Die Lokalpolitiker mussten erst von der Notwendigkeit einer zweiten Anlage überzeugt werden. Erst nach zähen Verhandlungen gab auch das Wasserwirtschaftsamt endlich grünes Licht für den Platzbau. Eine Wiese musste erworben, ein Wassergraben verlegt werden. Die Mitglieder packten in Kathus mit an. Fast alles geschah in Eigenleistung.

Die Walze für die Platzpflege steht heute einsam neben dem Netz.
Die Walze für die Platzpflege steht heute einsam neben dem Netz. © Hartmut Wenzel/Rolf Roth

Die erste Abteilungsleitung übernahm der Erste Vorsitzende Rolf Roth. Zahlreiche Trainer wie Karl-Heinz Schäfer, Hans-Jürgen Schülbe, Peter Daschke, Jan und Anja Hasper, Michael Bose, Günther Skroch, Rudi Kiel und auch Roth selbst mit seinem Sohn Bernd brachten den Aktiven die ersten Tennisschläge bei.

Weil die Abteilung und der Verein stetig wuchsen – es wurden unter anderem eine Damen- und zwei Herrenmannschaften zum Spielbetrieb gemeldet – wurde 1988 das Vereinsheim des SV Kathus ausgebaut. Die Tennissparte erhielt eigene Umkleide- und Duschräume. Steffi Graf und Boris Becker waren die Vorbilder – die Jugendlichen hielten beim SV Kathus schon früh den Schläger in der Hand. Zahlreiche Bilder zeugen von vielen Turnieren, wie zum Beispiel den Kreispokalendspielen. Anfang der 90er-Jahre war die Abteilung so groß, dass sogar die Tartan-Tennisplätze an der Modellschule Obersberg mitgenutzt werden mussten.

Bilder aus den Anfangszeiten: Der SV Kathus war eine gute Adresse bei den Jugendlichen. Zahlreiche Turniere waren Beleg dafür.
Bilder aus den Anfangszeiten: Der SV Kathus war eine gute Adresse bei den Jugendlichen. Zahlreiche Turniere waren Beleg dafür. © Hartmut Wenzel/Rolf Roth

Einen ersten Einbruch bei den Mitliederzahlen erlebte der Verein gegen Ende der 90er-Jahre, als der Tennis-Boom, der mit dem Sieg Beckers in Wimbledon begann, abebbte. Doch in Kathus hielt das Damenteam die Fahnen hoch, feierte sogar noch einige Titel in der A-Liga. Noch besteht die Tennisabteilung des SVK aus einigen wenigen, allerdings nur passiven Mitgliedern. Ob die Plätze jemals als solche wieder genutzt werden können, scheint fraglich. Die Idee, dort Basketballkörbe aufzustellen, ist nicht unrealistisch. (Hartmut Wenzel)

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