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Diebstahl trotz Bewährung: Letzte Chance für 19-jährigen Straftäter aus Bad Hersfeld

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Von: Nadine Meier-Maaz

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Eine Statue der Justitia hält eine Waage in ihrer Hand.
Symbolbild Gericht © David-Wolfgang Ebener/dpa

Kein Unbekannter war ein 19 Jahre alter Bad Hersfelder für Richterin Michaela Kilian-Bock, der ihr jetzt auf der Anklagebank im Jugendschöffengericht gegenüber saß.

Bad Hersfeld – Es ist die wohl letzte Chance für einen gerichtsbekannten 19-Jährigen, der sich nun trotz laufender Bewährung erneut vor dem Jugendschöffengericht am Amtsgericht in Bad Hersfeld verantworten musste. Der Heranwachsende wurde wegen Diebstahls zu einer Jugendstrafe in Höhe von neun Monaten verurteilt, die abermals zur Bewährung ausgesetzt wurde. Er muss außerdem diverse Auflagen erfüllen.

Ein weiteres Verfahren wegen gefährlicher Körperverletzung musste zunächst abgetrennt werden, da sich die Aufklärung vor Gericht äußerst schwierig gestaltete.

Den Diebstahl hatte der 19-Jährige indes gleich eingeräumt, ebenso wie den gescheiterten Versuch, selbigen mit einer falschen Spur zu vertuschen. Am 16. Februar 2022 hatte er aus einem Mehrfamilienhaus einen Bautrockner im Wert von 600 Euro gestohlen, um diesen zu verkaufen.

Die Polizei hatte das Diebesgut jedoch wenig später bei ihm entdeckt und sichergestellt. „Ich war knapp bei Kasse und brauchte Geld“, erklärte und entschuldigte er die Tat nun vor Richterin Michaela Kilian-Bock und den beiden Schöffen.

Bisher war der 19-Jährige, der noch zu Hause lebt und bereits zwei Ausbildungen abgebrochen hat, vor allem mit aggressivem Verhalten und Körperverletzungen aufgefallen. Erst im Februar 2021 war er ebenfalls am Jugendschöffengericht in Bad Hersfeld wegen einfacher Körperverletzung in vier Fällen zu einer sechsmonatigen Jugendstrafe verurteilt worden, ausgesetzt zur Bewährung für die Dauer von zwei Jahren. Zudem musste er in der zentralen Jugendarrestanstalt für Hessen in Gelnhausen einen Warnschussarrest absitzen.

Bereits davor, nämlich am 24. Oktober 2020, ereignet haben sollte sich die gefährliche Körperverletzung, wegen der sich der 19-Jährige jetzt eigentlich ebenfalls verantworten sollte, die ohne weitere Zeugen jedoch weder aufzuklären noch nachzuweisen war.

Denn der Angeklagte selbst bestritt, im Schilde-Park einen heute 23-Jährigen aus Rotenburg mehrfach geschlagen und am Boden liegend getreten zu haben, der dadurch unter anderem Prellungen am Kopf beziehungsweise im Gesicht erlitt.

Und im Gerichtssaal konnte auch der 23-Jährige jetzt nicht mehr eindeutig bezeugen, dass es tatsächlich der Angeklagte war, der ihn damals zunächst von hinten attackierte. Die Aussage eines Polizisten, der später lediglich mit der Sachbearbeitung befasst war, half ebenfalls nicht weiter.

Nun soll ein möglicher weiterer Zeuge ausfindig gemacht werden, von dem bisher nur der Vorname bekannt ist – zumal derzeit noch in einem weiteren Fall von Körperverletzung ermittelt wird, bei dem ebenfalls der 19-Jährige Täter sein soll.

Mit dem jetzigen und laut Kilian-Bock „mildem“ Urteil, in das die Strafe von 2021 einbezogen wurde, folgte das Gericht auch den Anträgen von Staatsanwältin Lambiel und Pflichtverteidiger Gunter Müller. Der Bewährungszeitraum beträgt erneut zwei Jahre.

Zudem muss der junge Mann, der bislang nur Veränderungs- und Mitwirkungsbereitschaft gezeigt habe, wenn es wirklich brenzlig wurde, alle zwei Wochen Kontakt zur Bewährungshilfe aufnehmen, Gespräche bei der Diakonie führen, am Programm „Erlebte Gewalt“ teilnehmen und er darf seinen neuen Arbeitsplatz nicht von sich aus aufgeben.

Weil alle Parteien zustimmten, wurde das Urteil sofort rechtskräftig. (Nadine Meier-Maaz)

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