1. Startseite
  2. Lokales
  3. Rotenburg / Bebra
  4. Bad Hersfeld

„Dieter Wedel hat die Festspiele nach vorn gebracht“

Erstellt: Aktualisiert:

Von: Christine Zacharias

Kommentare

Luther – der Anschlag war eines der zentralen Projekte von Intendant Dieter Wedel in Bad Hersfeld. In der Hand hält er eine  Luther-Figur von Playmobil.
Luther – der Anschlag war eines der zentralen Projekte von Intendant Dieter Wedel (mit Luther-Figur von Playmobil) in Bad Hersfeld. © Thomas Landsiedel

Dieter Wedel, bekannter Regisseur und Filmemacher und von 2015 bis 2018 Intendant der Bad Hersfelder Festspiele ist gestorben.

Bad Hersfeld – Mit großer Bestürzung hat Intendant Joern Hinkel auf die Nachricht vom Tod seines Vorgängers und langjährigen Wegbegleiters Dieter Wedel reagiert. „Die Bad Hersfelder Festspiele haben seinem leidenschaftlichen Einsatz und Mut sehr viel zu verdanken. Ihr Ansehen in der Theater- und Festspiellandschaft ist auf sein Ringen um künstlerische Qualität, zeitgemäße Themen verbunden mit hohem Unterhaltungswert zurückzuführen.

Er hat durch aufsehenerregende Inszenierungen, neue Stückentwicklungen, die Erschließung des Stiftsparks als Foyer im Grünen, die neue Bestuhlung im Zuschauerraum und prominent besetzte Schauspielensembles bundesweit für Aufmerksamkeit gesorgt. Seiner Familie gilt unser tiefstes Mitgefühl“, heißt es in einer Stellungnahme der Bad Hersfelder Festspiele.

Hinkel war 2015 als künstlerischer Leiter mit Wedel nach Bad Hersfeld gekommen. Die beiden hatten vorher eng bei den Nibelungen-Festspielen in Worms, bei denen Wedel zuvor Intendant war, zusammengearbeitet.

Traurig und betroffen ist auch Bürgermeister Thomas Fehling, der Dieter Wedel als Intendant für die Bad Hersfelder Festspiele nach Bad Hersfeld geholt hatte. „Ich habe Dieter Wedel immer als sehr verlässlichen, offenen und verbindlichen Menschen kennengelernt“, betont Fehling. Die Zusammenarbeit sei immer respektvoll und zuverlässig gewesen. „Wedel hat mit seinem Wirken die Festspiele ordentlich nach vorne gebracht“, ist der Bürgermeister überzeugt und verweist auf zahlreiche Neuerungen wie das Catering vor der Ruine, die neue Tribünenanlage, oder technische Veränderungen wie den Einsatz von Microports, also kleinen Mikrofonen, mit denen nun auch das Sprechtheater übertragen wird und so selbst in den hinteren Reihen der Ruine gut verständlich wird.

Wedel habe zudem die Art und Weise, wie die Festspiele zelebriert würden, in eine andere Liga gehoben, zum Beispiel durch die Einführung des roten Teppichs zur Eröffnung oder die Verpflichtung bekannter Schauspielerinnen und Schauspieler. Er habe auch nach dessen Rücktritt noch Kontakt mit Wedel gehabt und könne die Vorwürfe wegen sexualisierter Gewalt, die im Zuge der #MeToo-Debatte erhoben wurden, nicht nachvollziehen und auch nicht beurteilen, sagt Fehling. „Ich behalte ihn sehr positiv in Erinnerung und bin traurig“, erklärt er.

Dieter Wedel hat während seiner Intendanz in Bad Hersfeld eine Reihe von bemerkenswerten Stücken auf die Bühne gebracht. Nach Shakespeares „Komödie der Irrungen“ im Jahr 2015 mit Darstellern wie Sonja Kirchberger, Heinz Hoenig, Cosma Shiva Hagen und Franziska Reichenbacher, folgte 2016 Arthur Millers Hexenjagd. Dabei setzte er erstmals Filmsequenzen ein. Zum Ensemble gehörten unter anderem Elisabeth Lanz, Richy Müller und Motsi Mabuse.

2017 beeindruckte das von Wedel selbst geschriebene Stück „Martin Luther – der Anschlag“. Für Aufsehen sorgte die Kündigung des Hauptdarsteller Paulus Manker einen Tag vor der Premiere.

Nachdem ihm mehrere Schauspielerinnen im Zuge der #MeToo-Debatte sexualisierte Gewalt vorgeworfen hatten, trat Wedel 2018 zurück. Die Vorwürfe hat er bis zuletzt bestritten, bedauerte aber, als Produzent und Regisseur Schauspieler „manchmal überharter, wohl auch verletzender Kritik ausgesetzt“ zu haben. (Christine Zacharias)

Auch interessant

Kommentare