Diskretion und Diamanten

Juwelier und Goldschmied Laufer besteht seit 125 Jahren

Auf dem Bild ist ein Mann zu sehen, der ein großes Buch in der Hand hält.
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Die Tradition in den Händen: Juwelier Matthias Laufer-Klitsch mit einem Bestandsbuch aus den 1920er-Jahren. Das Foto rechts im Bild zeigt seinen im vergangenen Jahr gestorbenen Vater Gunther Laufer-Klitsch.

Über ein Jahrhundert besteht Juwelier und Goldschmied Laufer schon in Bad Hersfeld und zählt heute zu den ältesten Einzelhandelsunternehmen in Bad Hersfeld, die noch in Familienbesitz sind.

Bad Hersfeld – Gab es einst auch Brillen und Tafelsilber zu kaufen, stehen heute beim Juwelier und Goldschmied Laufer hochwertige Anfertigungen aus dem eigenen Atelier, besondere Edelsteine und Diamanten im Fokus. Das Traditionsgeschäft, das heute in vierter Generation von Matthias Laufer-Klitsch geführt wird, feiert in diesem Jahr 125-jähriges Bestehen, und zählt damit zu den ältesten Einzelhandelsunternehmen in Bad Hersfeld, die noch in Familienbesitz sind.

Angebot und Anspruch haben sich im Laufe der Jahre verändert und wurden dem Zeitgeist angepasst, zwei wesentliche Dinge sind jedoch immer gleich geblieben: Der Standort am Linggplatz 4 und der Name. Auch arbeite man sogar immer noch mit einigen Lieferanten zusammen, die schon 1925 in den Unterlagen auftauchten. Dabei hat das Geschäft, das im November 1895 vom damals 26 Jahre alten Goldschmiedemeister Heinrich Laufer im Hause seines Vaters eröffnet wurde, eine mitunter bewegte Historie. 1943 musste das Geschäft auf behördliche Anweisung hin schließen, 1945 wurde es von Soldaten geplündert und verwüstet.

Eröffnungsanzeige: So warb Gründer Heinrich Laufer im November 1895 in der Hersfelder Zeitung.

Im Laufer-Atelier wird heute sowohl an eigenen Kollektionen gearbeitet als auch nach individuellem Kundenwunsch. Reparaturen und Umarbeitungen gehören ebenso dazu. Nicht wenige Kunden lassen zum Beispiel Erbstücke umarbeiten. „Geht nicht, gibt’s nicht“, sagt Matthias Laufer-Klitsch, der als gelernter Goldschmied und Betriebswirt zwar nicht mehr an der Werkbank sitzt, aber alle Entwürfe macht. Der teuerste Stein, das ausgefallenste Schmuckstück? Mehr Details wird man von Laufer-Klitsch indes nicht erfahren, denn eines sei in seiner Branche neben Qualität und Kreativität ganz besonders wichtig: die Diskretion. Zudem habe auch jeder Kunde den gleichen Wert, betont der Inhaber, egal in welcher Preis- oder Karatklasse er sich bewegt. Das eigene Atelier sei gerade in der hochwertigen Ausrichtung ein Alleinstellungsmerkmal, in den vergangenen Jahren habe sich tatsächlich immer mehr ein Trend zum Besondern entwickelt. „Das findet mehr Anklang als Standard“, so Laufer-Klitsch. Zumal in diesem Segment keine Internet-Konkurrenz drohe, wie es zum Beispiel bei den gängigen Fashionmarken der Fall sei.

Stammplatz: Am heute autofreien Linggplatz 4 ist das Juweliergeschäft Laufer seit jeher zu finden.

Die Kunden kommen entsprechend nicht nur aus der Region, sondern aus ganz Deutschland, wozu auch die Bad Hersfelder Festspiele beigetragen hätten. Seit 1995 ist man an der Gestaltung und Verleihung des Festspiel-Rings, dem von Ex-Intendant Volker Lechtenbrink initiierten Zuschauerpreis der Festspiele, beteiligt.

Acht Leute gehören aktuell zum Team. Neben den Mitarbeiterinnen im Laden gibt es noch vier Goldschmiede und einen Edelsteinfasser, die teils in Heimarbeit tätig sind. Eine Kollegin ist schon seit 55 Jahren dabei: Doris Kurz. Welche Fähigkeiten man als Goldschmied mitbringen sollte? „Ein gutes Auge, den Blick für Proportionen, eine ruhige Hand, Geduld und Ruhe“ , erklärt Laufer-Klitsch. Ein Reiz seines Berufs sei die Möglichkeit, kreativ zu sein. „Und es wird nie langweilig.“

Stolz ist Laufer-Klitsch daruf, seit 2001 in den Bestenlisten einschlägiger Fachmagazine vertreten zu sein – auch ein Grund, voller Optimismus in die Zukunft zu blicken. Eine angemessene Feier soll, wenn möglich, im nächsten Jahr nachgeholt werden, dann eben unter dem Motto 125 + 1.

Von Nadine Maaz

Kurz und knapp

1895: Goldschmiedemeister Heinrich Laufer eröffnet mit 26 Jahren das „Gold- und Silberschmiedegeschäft“ im Haus seines Vaters am Linggplatz 4 in Bad Hersfeld.

1935-1948: Seine Frau Käthe Laufer (geborene Hucke aus Rotenburg/F.) führt nach dem frühen Tod Heinrichs das Geschäft mit Tochter Charlotte (Lotte) allein weiter. Ende der 40er-Jahre halten sie es mit dem Verkauf unechter Metallwaren am Leben. Mit der Währungsreform kommt der Aufschwung, man konzentriert sich auf Echtschmuck und Tafelsilber.

1964: Die beiden Frauen stellen den damals 29-jährigen Goldschmiedemeister Gunter Klitsch ein.

1969/70: Gunter Klitsch heiratet die Bankangestellte Emilie Nierula. Kurz darauf wird er von Lotte Laufer adoptiert, wodurch es zum Doppelnamen Laufer-Klitsch kommt. Matthias Laufer-Klitsch wird geboren.

1978: Das Hinterhaus wird abgerissen und wegen der steigenden Nachfrage nach individuellen Arbeiten durch einen Neubau mit erheblich größerem Atelier ersetzt.

2000: Mit Matthias Laufer-Klitsch tritt in vierter Generation ins Unternehmen ein.

2016: Ein aufwändiger Umbau leitet die grundlegende Neuausrichtung ein.

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