Schwimmausbildung hat im Corona-Jahr nicht stattgefunden

DLRG warnt: Vorsicht beim Baden in Seen und Flüssen

Das Bild zeigt Matthias Orth und Jerome Sauer von der DLRG-Ortsgruppe Bad Hersfeld.
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Matthias Orth und Jerome Sauer von der DLRG-Ortsgruppe Bad Hersfeld sind froh darüber, dass die Ausbildung von Nichtschwimmern schon bald wieder anlaufen kann. Aktuell liegen ihnen 70 Anmeldungen vor.

Sommerzeit ist Badezeit. Doch gerade beim Baden in Seen und Flüssen ist in diesem Jahr erhöhte Vorsicht geboten, warnt die DLRG. Es gab bereits viele Badunfälle.

Hersfeld-Rotenburg – Weil Freibäder im vergangenen Jahr wegen der Corona-Pandemie fast nirgendwo offen hatten und weil sie in diesem Sommer die Besucherzahlen herunterschrauben müssen, zieht es viele an Seen und Flüsse. Und dort lauern Gefahren. Durch die steigende Zahl der Schwimmer in Freigewässern rechnen die Mitglieder der Deutschen Lebensrettungsgesellschaft (DLRG) mit mehr Badeunfällen.

Für Matthias Orth, Vorsitzender der DLRG-Ortsgruppe Bad Hersfeld gibt es zwei Hauptgründe, warum Menschen im Wasser in Gefahr geraten: Selbstüberschätzung und fehlende körperliche Fitness. Viele hätten in der Corona-Zeit kaum Sport getrieben, weil Vereinsheime und Fitness-Studios geschlossen waren. „Wir haben seit Herbst selbst nur dreimal im Wasser trainiert. Normal ist ein bis zweimal pro Woche. Ganz zu schweigen von der fehlenden theoretischen Ausbildung“, erklärt Orth.

Wer sich einfach in die Fluten stürzt, müsse die Wassertemperaturen bedenken. Denn anders als im Freibad herrschten in Flüssen und Seen Temperaturschwankungen von bis zu fünf Grad. „Da kann es schnell zu Herz-Kreislauf-Problemen oder Muskelkrämpfen kommen“, warnt Orth. Komme bei zu erwartenden Strandpartys auch noch Alkohol ins Spiel, werde es extrem gefährlich. „Alkohol weitet die Gefäße noch zusätzlich. Das ist dann extrem gefährlich“, so Orth. Und im Freien haben die Gewässer keinen Rand wie im Schwimmbad, an dem ich mich festhalten kann. „Wenn ich in einem See 50 Meter rausschwimme, muss ich diese 50 Meter auch wieder zurückschwimmen können, sonst bekomme ich Schwierigkeiten“, erklärt Orth.

Da im vergangenen Jahr auch kein Schwimmunterricht für die Kinder in Grundschulen angeboten werden konnte, erhöht sich die Zahl der Nichtschwimmer, hat Birgit Köberich, Schulsportkoordinatorin beim Staatlichen Schulamt in Bebra erkannt.

Da seien die Eltern ganz besonders gefordert, ihre Kinder am Wasser nicht aus den Augen zu lassen. „Es reicht schon ein Blick aufs Handy und alles ist zu spät“, warnt Jerome Sauer, Schwimmausbilder der DLRG in Bad Hersfeld. Denn Kinder im Wasser würden im Notfall keinen Lärm verursachen und auch nicht um Hilfe rufen. „Die haben plötzlich Angst, bekommen einen Schock und ihre Motorik setzt aus. Kinder gehen einfach lautlos unter und ertrinken“, warnt Sauer.

Dazu mahnen auch viele Lehrkräfte. Denn an fast allen Grundschulen im Landkreis Hersfeld-Rotenburg hat im jetzt zu Ende gehenden Schuljahr wegen der Corona-Pandemie kein Schwimmunterricht stattfinden können. Das heißt, im Umkehrschluss, dass viele Drittklässler noch nicht schwimmen können. Denn eigentlich steht an den Grundschulen für die Jahrgangsstufe drei das Schwimmen lernen mit auf dem Stundenplan.

Birgit Köberich vom Staatlichen Schulamt kennt diese Problematik als zuständige Schulsportkoordinatorin ganz genau. „Wir haben natürlich erkannt, dass das aktuelle Schuljahr hinsichtlich des Schwimmunterrichts ein verlorenes Jahr gewesen ist“. Auch an den Schulen sei dieses Defizit erkannt worden. „Das soll nun schnell abgearbeitet werden. Wir hoffen auf Angebote, damit wir auch nachmittags ganz besonders für die vielen Nichtschwimmer Unterricht in den Freibädern anbieten können. Wir stehen da in Kontakt mit den Betreibern“, führt Köberich weiter aus.

Es sollen also so viele Kinder wie möglich zum Schwimmen gebracht werden. „Wir stützen daher alle dahingehenden Angebote“, merkt Köberich an.

Und auch bei der DLRG-Ortgruppe Bad Hersfeld ist die Schwimmausbildung derzeit besonders nachgefragt. „Wir mussten wegen Corona im März des vergangenen Jahres die Schwimmkurse für 20 Kinder abrupt abbrechen“, erinnert sich Jerome Sauer, Schwimmausbilder bei der DLRG-Ortsgruppe in Bad Hersfeld.

Das Schwimmtraining für Nichtschwimmer – mit dem Ziel Seepferdchen – soll schon bald wieder starten. Der Betreiber des Geistalbads in Bad Hersfeld habe bereits seine Zusage gegeben. „Wir müssen jetzt schauen, wie wir das in Kleingruppen an mehreren Tagen hinbekommen, denn wir sind ja auch alle berufstätig. Auf jeden Fall liegen uns bereits 70 Voranmeldungen vor“, teilt Sauer mit.

Weil in die Freibäder wegen einzuhaltender Corona-Regeln in diesem Sommer immer nur eine bestimmte Zahl an Besuchern hineingelassen werden darf, werden sich viele zum Abkühlen in Badeseen stürzen. Dabei ist aber wegen vieler Gefahren Vorsicht geboten. So steht am Breitenbacher See bei Bebra eine Notrufsäule, über die im Notfall Hilfe gerufen werden kann. „Die ist bei der Rettungsleitstelle in Bad Hersfeld aufgeschaltet und die Mitarbeiter dort wissen dann ganz genau, wohin die Hilfskräfte entsendet werden müssen“, erklärt Matthias Orth, Vorsitzender der DLRG-Ortsgruppe Bad Hersfeld.

Ob in einem offenen Gewässer das Baden erlaubt ist, darauf weisen nicht immer Schilder hin. Nur über die Seite der DLRG oder über einen Anruf bei der Gemeinde lasse sich herausfinden, ob ein Gewässer zum Baden freigegeben sei, erklärt Sauer. (Mario Reymond)

Schon viele Badeunfälle in diesem Jahr

Im Wasser lauern Gefahren. So sind in den vergangenen beiden Wochen nach einer Auflistung von Spiegel-Online insgesamt elf Menschen vor allem in Seen und Flüssen gestorben, weitere Personen werden vermisst. Im Werratalsee bei Eschwege ertrank am 1. Juni ein 33-Jähriger. Alleine in den Monaten Juni, Juli und August 2020 hat es 234 Badetote in Deutschland gegeben. Das ist sicher auch darauf zurückzuführen, dass wegen Corona Freibäder geschlossen waren.

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