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Nach versuchter Entführung: Drei Jahre Haft für Stalker

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Von: Christine Zacharias

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Zu einer Haftstrafe von drei Jahren hat die dritte kleine Strafkammer am Landgericht Fulda unter Vorsitz von Landgerichtsdirektor Dr. Jochen Müller jetzt den Stalker von Rotenburg verurteilt.
Zu einer Haftstrafe von drei Jahren hat die dritte kleine Strafkammer am Landgericht Fulda unter Vorsitz von Landgerichtsdirektor Dr. Jochen Müller jetzt den Stalker von Rotenburg verurteilt. © Arne Dedert/dpa

Zu einer Haftstrafe von drei Jahren hat die dritte kleine Strafkammer am Landgericht Fulda unter Vorsitz von Landgerichtsdirektor Dr. Jochen Müller jetzt den Stalker von Rotenburg verurteilt.

Fulda/Rotenburg –Die Strafe ist höher ausgefallen als die des Amtsgerichts Bad Hersfeld vom Dezember 2021. Das Schöffengericht unter Vorsitz von Richterin Christina Dern hatte den inzwischen 53-Jährigen, der seiner Ex-Freundin seit dreieinhalb Jahren nachstellt und sie vor einem Jahr sogar entführen wollte, zu einer Strafe von zwei Jahren und neun Monaten verurteilt. Gegen dieses Urteil hatten Staatsanwaltschaft, Verteidigung und Nebenklage Berufung eingelegt.

Staatsanwältin Heike Meeuw-Wilken hatte ihre Forderung nach einer vierjährigen Haft erneuert, Verteidiger Sascha Marks dagegen eine Bewährungsstrafe, also eine Haft von unter zwei Jahren beantragt.

Einen Ansatz für eine Bewährungsstrafe konnte die Berufungskammer jedoch nicht sehen. Der Angeklagte habe aus seinen bisherigen Erfahrungen, unter anderem einer vierjährigen Haftstrafe für die Vergewaltigung seiner früheren Ehefrau vor mehr als 20 Jahren, nichts gelernt, stellte Richter Müller fest, der beim Lesen des damaligen Urteils ein Deja-Vu-Gefühl hatte. Auch seine Ex-Frau hatte der Angeklagte, nachdem sie sich von ihm getrennt hatte, hartnäckig verfolgt und bedroht. Stalking war damals allerdings noch kein Straftatbestand.

Müller erkannte im Verhalten des Angeklagten zwei Tatkomplexe. In den ersten Monaten nach der Trennung im August 2018 sei es ihm vor allem darum gegangen, die Partnerin, eine 43-jährige Rotenburgerin, zurückzugewinnen, später dann vor allem um Rache. Das im Wohnwagen, mit dem er mit der Entführten in Bulgarien untertauchen wollte, gefundene Sexspielzeug wertete das Gericht als einen Hinweis darauf, dass auch sie vergewaltigt werden sollte.

Die Behauptung des Angeklagten, die Entführung sei nur ein Gedankenspiel gewesen, um mit der Beziehung endgültig abschließen zu können, glaubte Müller ihm nicht. Dazu sei sie zu detailliert vorbereitet und mit zu vielen Straftaten (unter anderem Urkundenfälschung und Diebstahl von Medikamenten) vorbereitet gewesen. Er wies aber auch darauf hin, dass alleine die Vorbereitung nicht strafbar sei. „Grundlage für die Strafzumessung ist die Schuld, nicht die Gefahr“, sagte Müller. (Christine Zacharias)

Berufung und Revision

Ist ein Prozessbeteiligter – in diesem Fall alle Beteiligten – mit einem Urteil der ersten Instanz, also eines Amtsgerichts, nicht einverstanden, kann er oder sie Berufung einlegen. Dann wird der Prozess von der nächsthöheren Instanz, dem Landgericht, noch einmal komplett neu aufgerollt. Gegen das Urteil der zweiten Instanz ist dann nur noch das Rechtsmittel der Revision möglich. Dabei wird das Urteil nur auf Verfahrens- und Rechtsfehler hin überprüft.  Quelle: juraforum.de

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