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Dunkle Zeiten, faire Gesten und ein Ärztestreik

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Kai A. Struthoff
Kai A. Struthoff © LUDGER KONOPKA

Die Lichter des Lullusfests sind verloschen, die Karussells sind abgebaut, die Schausteller sind weitergezogen in andere Städte. Aber sie lassen uns mit einem Lächeln im Gesicht zurück.

Bad Hersfeld - Das sollten wir gut festhalten, denn jetzt beginnen die in vieler Hinsicht dunklen Monate. Immerhin werden wir in der Adventszeit nicht ganz auf vorweihnachtlichen Lichterglanz verzichten müssen. Ich finde es richtig, dass die Verantwortlichen in den Rathäusern hier Maß und Mitte wahren und die Weihnachtsbeleuchtung zwar reduzieren, aber nicht ganz abstellen.

Für Bad Hersfelds künftige Bürgermeisterin Anke Hofmann gab es auch zu Lolls kaum eine Verschnaufpause, denn als Kämmerin muss sie jetzt noch den Haushalt aufstellen, der dann auch ihre Arbeit als Rathauschefin bestimmen wird. „Nebenbei“ laufen aber bereits die Vorbereitungen für die Amtsübergabe – und zwar offenbar kollegial und reibungslos. Der scheidende Bürgermeister beteiligt seine Nachfolgerin an wichtigen Entscheidungsprozessen und will sich auch bei der Haushaltseinbringung im November mit programmatischen Aussagen zurückhalten, so hören wir.

Das ist fair, gehört sich eigentlich auch so und ist dennoch längst nicht bei allen Amtsübergaben so.

Als ehemalige „Mrs. Hessentag“ ist Anke Hofmann übrigens auch noch als Beraterin gefragt. Deshalb wird Bad Hersfeld im kommenden Jahr mit einer Delegation in Pfungstadt vertreten sein – wenn Corona oder andere Krisen nicht wieder zur Absage des Landesfests führen. Auch wenn es irgendwie schon lange her zu sein scheint, so war doch Bad Hersfeld die letzte Stadt, in der ein Hessentag stattfinden konnte – in jener rückblickend unbeschwerten Zeit vor Krieg und Corona.

In Bad Hersfeld und dem gesamten Kreisgebiet wollen am kommenden Mittwoch die Hausärzte streiken und damit gegen die mangelnde Wertschätzung ihrer Arbeit durch die Politik protestieren. Vermutlich werden in der Region an diesem Tag mindestens 20 Arztpraxen geschlossen bleiben. Die niedergelassenen Hausärzte kritisieren die ihnen gegenüber „feindliche“ Politik der Ampel-Koalition in Berlin.

Denn auch die Ärzte leiden unter der hohen Inflation und den steigenden Energiepreisen und fühlen sich zudem durch gesetzliche Vorgaben gegängelt. Während man die Krankenhäuser für ihr „Nichtstun“ in der Corona-Pandemie „üppigst alimentiere“, werde den niedergelassenen Hausärzten ein angemessener Inflationsausgleich vorenthalten. Stattdessen werde der Sozialneid auf die angeblich so üppig verdienenden Mediziner geschürt, heißt es in dem Streikaufruf der Kassenärztlichen Vereinigung. Wie immer, wenn wichtige Berufsgruppen streiken, leiden darunter natürlich auch viele Menschen, die gar nicht schuld an der Misere sind. „Klar, es soll ja auch wehtun“, sagte mir ein Arzt aus Bad Hersfeld. Wer also demnächst zum Doktor will, sollte das nicht gerade am Mittwoch tun.

Von Kai A. Struthoff

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