Leasen statt kaufen

E-Bikes voll im Trend: Händler freuen sich über zweistellige Zuwachsraten

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Angelika Riebold (links) mit einem Bike, das sie selbst für die Firma Corratec entworfen hat, Eva Teinzert und Erik Lauth. 

Die Verkaufszahlen von E-Bikes und Pedelecs sind 2018 deutschlandweit erneut angestiegen. Auch die Händler im Kreis Hersfeld-Rotenburg profitieren von der Entwicklung.

„Die Hälfte aller Räder, die wir verkaufen, sind E-Bikes“, sagt Peter Raab aus Bad Hersfeld. Im Jahr davor seien es noch 35 Prozent gewesen. 2018 wurden laut Zweirad-Industrie-Verband in Deutschland 980 000 E-Bikes verkauft. das entspreche einem Plus von 36 Prozent. „Der Verkauf läuft gut“, bestätigt auch Wolfgang Jost aus Eiterfeld. Etwa 70 Prozent der verkauften Räder seien bei ihm E-Bikes. 

„Die Hersteller wissen gar nicht, wie sie schnell genug produzieren können“, sagt Michael Langheld von der Fahrradwelt in Bebra. Zudem entwickele sich die Technik rasant weiter. Die Akkus würden stärker, die Reichweiten größer, oft sei schon ein Navigationssystem integriert. Allerdings sei auch der Preis deutlich in die Höhe gegangen. Die neuesten Bikes mit viel Komfort lägen bei etwa 6000 Euro. Waren die Käufer von Rädern mit Elektrounterstützung früher vor allem aus der Generation 50 +, kaufen inzwischen auch verstärkt junge Leute E-Bikes. Dementsprechend groß ist auch die Vielfalt an Rädern, die es auch als Mountain-Bike, Trekkingrad, Cross-Rad und zunehmend auch als Kinderrad gibt. 

E-Bike statt Dienstwagen 

„Wenn beide Eltern E-Bikes haben, wird für das Kind oft auch eines gekauft“, hat Angelika Riebold aus Bad Hersfeld festgestellt. Kinderräder seien aber abgeriegelt und könnten maximal ein Tempo von 20 Stundenkilometern erreichen. Angeheizt wird der E-Bike-Boom zusätzlich dadurch, dass immer mehr Firmen ihren Mitarbeitern statt Dienstwagen Bike-Leasing anbieten, berichtet Ralf Pfetzing aus Alheim-Heinebach. Die können dann für drei Jahre kostengünstig mit dem Fahrrad nicht nur zur Arbeit fahren. Die Raten werden über die monatliche Gehaltsabrechnung abgewickelt

Die Verkaufszahlen von Elektro-Fahrrädern (E-Bikes) sind 2018 weiter angestiegen. Wir klären Fragen zu den elektrisch unterstützten Fahrrädern und deren Zukunft.

Wenn der Verkauf von E-Bikes so stark ansteigt, heißt das dann, dass es bald keine normalen Fahrräder mehr geben wird?

Bei dieser Frage sind die Händler unterschiedlicher Meinung. „Das wird wahrscheinlich so kommen“, meint Peter Raab aus Bad Hersfeld. Wolfgang Jost aus Eiterfeld geht jedoch davon aus, dass Radsportbegeisterte auch in Zukunft noch normale Räder kaufen werden. Auch Ralf Pfetzing aus Heinebach glaubt nicht an die Verdrängung mechanischer Räder. Das sei alleine schon eine Preisfrage. E-Bikes könnten sich viele nicht leisten.

Sind E-Bikes überhaupt alltagstauglich?

„E-Bikes sind richtige Fahrzeuge, mit denen man überall hinkommt“, sagt Angelika Riebold aus Bad Hersfeld. Das bestätigt auch Peter Raab. Mit der Unterstützung durch den Elektromotor könne man zum Beispiel ganz entspannt vom Johannesberg zur Arbeit ins Klinikum und wieder nach Hause fahren, ohne danach völlig erschöpft und verschwitzt zu sein, erklärt er.

Welche Personengruppe kauft bevorzugt E-Bikes?

Während früher vor allem Leute aus der Generation 50+ Elektrofahrräder gekauft haben und alle anderen meinten, sie bräuchten das noch nicht, haben inzwischen auch jüngere die Vorteile der Motorunterstützung entdeckt. Entsprechend groß ist auch die Vielfalt an Rädern, berichtet der Inhaber der Fahrradscheune Riebold in Bad Hersfeld.

E-Bikes sind nicht nur für Faule“, widerspricht Michael Langheld einem oft gehörten Vorurteil. „Damit könne man sehr schön Sport machen.“

Überwiegend positiv sei die Resonanz seiner Kunden, hat Peter Raab festgestellt. Viele bedauerten nur, dass sie nicht schon früher ein E-Bike gekauft hätten.

Was ist mit Elektro-Scootern, Tretrollern mit Motor, über die gerade diskutiert wird?

Das sei eher etwas für Großstädte und mache auf dem Land keinen Sinn, erklärt Ralf Pfetzing und seine Händlerkollegen sehen das genauso. Die Roller würden vereinzelt gekauft, seien aber nicht sehr gefragt.

Immer mehr Firmen bieten ihren Mitarbeitern das Leasing von E-Bikes an. Wie sieht es damit aus?

Das Leasing ist stark gefragt. In der Regel läuft ein Leasing-Vertrag über 36 Monate. Neben dem Fahrrad muss meist auch eine entsprechende Versicherung abgeschlossen und eine Schutzausrüstung (hochwertige Schlösser) gekauft werden. Sparen kann der Kunde, wenn der Arbeitgeber das Leasing unterstützt, bei den Steuern, weil die Leasingrate aus dem Bruttoverdienst gezahlt wird. Etwa 20 bis 30 Firmen böten das E-Bike-Leasing in Bad Hersfeld bereits an, sagt Angelika Riebold. 

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