Bundespräsident unterschreibt Gesetz

Ehe für alle: Bisher nur wenige Anfragen im Landkreis

Hersfeld-Rotenburg. Schon bevor der Bundestag die Ehe für alle beschloss, riet die Grünen-Politikerin Renate Künast „allen Standesämtern in der Bundesrepublik, ihr Personal aufzustocken“. Dazu besteht im Landkreis Hersfeld-Rotenburg kein Anlass.

Das sagt Matthias Heyer, Leiter des Standesamtes in Bad Hersfeld. Drei Anfragen von gleichgeschlechtlichen Paaren sind dort bislang eingegangen.

„Die erste davon kam zwar schon in der Nacht nach dem Bundestagsbeschluss per E-Mail, aber einen Ansturm gibt es auf keinen Fall“, sagt Heyer. Termine für Hochzeiten konnten bisher auch noch nicht vergeben werden. Der Bundesrat hat zwar bereits zugestimmt und Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier das Gesetz gestern unterzeichnet, doch es ist noch nicht im Bundesgesetzblatt erschienen. Wenn das noch im Juli geschieht, womit zu rechnen ist, können gleichgeschlechtliche Paare ab Oktober heiraten. Heyer: „Wenn das Datum feststeht, können wir Termine vergeben.“ Neben den rechtlichen Voraussetzungen müsse auch das elektronische Verfahren angepasst werden. Der Standesamtschef rechnet allerdings damit, dass das rechtzeitig klappt.

Keine einzige Anfrage gab es bisher bei den Standesämtern in Bebra und Heringen. Rotenburg hat eine zu verzeichnen. „Gleichgeschlechtliche Paare leben ja eher in Großstädten“, sagt Birgit Utermöhlen, die Leiterin des Standesamtes in Rotenburg.

Auch eingetragene Lebenspartnerschaften sind eine Seltenheit im Landkreis: Jeweils fünf bis sechs solcher Partnerschaften wurden in Bebra und Heringen nach Angaben der Standesbeamten seit der Einführung 2001 insgesamt registriert. In Rotenburg ist es durchschnittlich eine pro Jahr, in Bad Hersfeld sind es drei bis fünf. Zum Vergleich: In Kassel wurden im vergangenen Jahr 22 Lebenspartnerschaften gegründet, in Frankfurt 156. 

Kommentar: Das war lange überfällig

Wenn zwei sich lieben, dann können sie heiraten, wenn sie denn wollen. In Zukunft gilt das endlich auch für gleichgeschlechtliche Paare.

Rechtlich sind Homosexuelle in eingetragenen Lebenspartnerschaften schon jetzt weitestgehend gleichgestellt mit Ehepaaren. Die endgültige Gleichstellung und den Begriff Ehe hat die Politik gleichgeschlechtlichen Paaren bisher aber verwehrt, obwohl es in der Bevölkerung schon lange eine breite Mehrheit für die Ehe für alle gibt. Die Gleichstellung war, nicht nur deswegen, lange überfällig: Ein demokratischer Rechtsstaat darf im 21. Jahrhundert niemanden mehr wegen etwas diskriminieren, für das er oder sie nichts kann. 

Den „Schutz der Familie“ führen viele CDU-Politiker als Gegenargument ins Feld. Zu einer Familie gehören allerdings Kinder. Schon seit 2001 gibt es in Deutschland mehr kinderlose Ehepaare als solche mit Kindern. Eltern, egal ob verheiratet oder nicht, sollte der Staat noch weitaus mehr unterstützen, wenn er die Familie wirklich schützen will.

Rubriklistenbild: © dpa

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