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Mathe-Genie aus Bad Hersfeld: AbdulRahman Arafat ist Feuer und Flamme für Formeln

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Von: Nadine Meier-Maaz

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Das Foto zeigt den 16-jährigen AbdulRahman Arafat, Schüler der Modellschule Obersberg (MSO) in Bad Hersfeld. Die Formel, die er hier an die Tafel geschrieben hat, nennt sich „Eulers Identität“.
„Die schönste Gleichung der Mathematik“: Der 16 Jahre alte AbdulRahman Arafat, Schüler der Modellschule Obersberg (MSO), löst in seiner Freizeit Matheaufgaben von Universitäten und hat schon einige Preise gewonnen. Die Formel, die er hier an die Tafel geschrieben hat, nennt sich „Eulers Identität“. © Nadine Meier-Maaz

Der 16-jährige AbdulRahman Arafat ist ein Mathe-Genie: Er liebt Zahlen und Formeln und bringt selbst seine Lehrer an der Modellschule Obersberg in Bad Hersfeld zum Stauen.

Bad Hersfeld – Er bringt selbst die Lehrer zum Staunen: Wo andere kaum folgen können, ist AbdulRahman Arafat voll in seinem Element. Der 16 Jahre alte Schüler aus Bad Hersfeld ist ein echtes Mathe-Genie und absolut fasziniert von Formeln und Co. – je komplexer, desto besser.

Zahlreiche Preise hat er schon gewonnen. Aktuelles Ziel ist eine Medaille bei der Mathematikolympiade. Die Qualifikation für die Landesrunde am 25. Februar hat er mit 39,5 von 40 Punkten als Landeszweiter erreicht. Die Chancen, sich dort für den Bundeswettbewerb im Mai zu qualifizieren, stehen gut. Danach könnte die internationale Runde in Oslo folgen. Vier Aufgaben aus den Bereichen Kombinatorik, Zahlentheorie, Ungleichungen und Geometrie galt es zu lösen. Warum es dabei „nur“ für 39,5 Punkte gereicht hat? „Ich habe an einer Stelle addiert statt multipliziert, sehr ärgerlich“, sagt Arafat und lacht. Selbst sein graues T-Shirt ziert eine mathematische Formel.

Schon in der Grundschule habe ihn Mathe besonders interessiert, und wenn er mit den üblichen Aufgaben viel zu schnell fertig war, gab es noch welche dazu. Arafat ist in Niedersachsen geboren worden, aber schon im Kindesalter mit der Familie nach Bad Hersfeld gekommen, wo er zunächst die Linggschule besuchte. Ab der achten Klasse sei er schließlich richtig Feuer und Flamme gewesen und in die Uni-Mathematik eingestiegen. „Zahlentheorie, Mengenlehre, Analysis und lineare Algebra auf Uni-Niveau habe ich mir selbst beigebracht“, erzählt der 16-Jährige, der sich selbst als sehr ehrgeizig beschreibt. „Ich verfolge ein Ziel bis zum Ende.“ Wohl deshalb ist er auch immer auf der Suche nach neuen Möglichkeiten, sich auszuprobieren und zu beweisen. Sogar an einem Wettbewerb der bekannten US-amerikanischen Harvard-Universität habe er schon teilgenommen.

Im September ist Arafat von der Gesamtschule Obersberg an die Modellschule Obersberg gewechselt, wo er die elfte Jahrgangsstufe besucht und ab Montag Mathe und Physik als Leistungskurse hat. Schulleiter Karsten Backhaus nennt ihn einen „Ausnahmeathleten“ und gibt staunend zu: „So einen habe ich noch nie kennengelernt.“ Arafats Nachname kommt aus dem Arabischen, seine Eltern stammen aus dem Gazastreifen in Palästina, kamen aber schon in jungen Jahren nach Deutschland. „Mein Vater hat mit 17 Jahren sein Medizin-Studium begonnen“, berichtet der 16-Jährige, die Leidenschaft und die Begabung für Mathematik habe ihm aber wohl eher sein Opa vererbt. „Mein Vater hasst Mathe, aber mein Großvater hat Mathe über alles geliebt.“

Zu Hause in seinem Zimmer hat Arafat eine eigene Tafel, und natürlich kommt auch mal ein Taschenrechner zum Einsatz. Eigentlich bräuchten Mathematiker aber nur Papier und Stift, sagt er, und selbst arbeite er auch am liebsten so. Was ihn an der Mathematik so begeistert? „Mich fasziniert die Rationalität dahinter. Mathe ist viel mehr als rechnen. Mathematik ist alles, es gibt nichts, was sie nicht beschreiben kann. Sie ist die klarste alle Wissenschaften.“ Alles sei klar definiert, es gebe keine Kompromisse, was irgendwie beruhigend sei. „Die Mathematik hat immer recht, mit einem Mathematiker kann man nicht streiten“, sagt der Schüler schmunzelnd. „Natürlich vorausgesetzt, die Rechnung ist richtig.“

Ein nur einseitig begabter, sozial inkompetenter und schlecht integrierter Nerd ist Arafat übrigens nicht, betont sein Lehrer Sebastian Leubecher. Der 16-Jährige sei stets hilfsbereit und müsse sich auch im Sportunterricht nicht verstecken. Anderen helfen und ihnen etwas erklären zu können, mache ihm Freude. Für seinen Einsatz als Schülersprecher an der GSO gab es ebenfalls schon einen Preis. Und wenn Arafat in seiner Freizeit keine Matheaufgaben löst, spielt er Tischtennis beim TV Hersfeld.

Später mal in die Forschung gehen zu können, davon und von einer Mathe-Professur träumt der 16-Jährige. Auch wenn seine Eltern ihn gerne als Medizinstudenten sähen. (Nadine Meier-Maaz)

AbdulRahman Arafats Erfolge im Überblick:

Naturwissenschaftliche sowie mathematische Leistungen:

. Qualifikation für Landesrunde der Matheolypmiade 2021/2022, 39,5/40 Punkten

. Teilnahme an jedem Känguruwettbewerb der Klassen 3-10, beste Punktzahlen: 95,25 in Stufe 9 und 3. Platz in Klasse 7 mit 92,25 Punkten

. 1. Platz in erster Ausscheidungsrunde Gruppe A des Schulentscheids des Mathematikwettbewerbs 2018/2019 der Landesregierung

Drei Siege bei Jugend forscht:

. „Der Blindenleser“, 1. Preis, ein Gerät, das Blinden das Lesen ermöglicht, indem es Buchstaben einscannt, sie in Wörter umformt und vorliest.

. „Der Blindenleser 2.0“, 2. Preis, dabei wurde „Der Blindenleser“ so erweitert, dass er als tragbares Gerät eingesetzt werden kann, dass zudem mehr Buchstaben und Wörter erkennen kann.

. CHIS (Computer Humanoid Intelligence System), 3. Preis, mathematische Interpretation des Gehirns, mit dem Ziel, sie als Programm zu implementieren, sodass es dieselbe Leistung beim Lernen erlangt, wie sie der Mensch besitzt, quasi ein mechanisch menschliches Gehirn.

Leistungen im sprachlichen Bereich:

. Sieg bei „The Big Challenge“ in Klasse 5 mit 332,5/350 Punkten

. Schulbester DELF (Französisch) mit 91,5/100 Punkten

. 1. Platz der 9. Klassen beim Vorlesewettbewerb französischer Sprache

. 1. Platz der E-Phase Vorlesewettbewerb Französisch

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