Wassermassen und die Festspiele

Zwischen den Zeilen: Ein alter Vertrag und große Bögen

In der Kolumne Zwischen den Zeilen beschäftigt sich Christine Zacharias mit Wassermassen und den Bad Hersfelder Festspielen.

Christine Zacharias, Redakteurin Hersfelder Zeitung

Fassungslos werden wir zurzeit Zeuge der Flutkatastrophen in Rheinland-Pfalz und Nordrhein-Westfalen. Die Wassermassen reißen Menschen in den Tod, zerstören Städte und Dörfer und lassen die Überlebenden oft wohnungs- und mittellos zurück. Im Landkreis Hersfeld-Rotenburg gab es zum Glück schon lange kein dramatisches Hochwasser mehr. Das liegt ganz wesentlich an den Hochwasserschutz- und Renaturierungsmaßnahmen an der Fulda.

die dem Wasser Ausbreitungsmöglichkeiten geben, wo es wenig Schaden anrichten kann.

Allerdings gibt es neben der Fulda auch noch andere Flüsse, die normalerweise harmlos daherplätschern, aber durchaus gefährlich werden können. Die Geis zum Beispiel. Vor elf Jahren, 2009, haben die Gemeinde Neuenstein und die Stadt Bad Hersfeld eine Vertrag über Hochwasserschutzmaßnahmen geschlossen. Passiert ist bisher noch nichts. „Wir kämpfen uns von Gutachten zu Gutachten“, teilte Glänzer jetzt dem Neuensteiner Parlament mit. Und er gab offen zu, dass das kein gutes Gefühl sei. Anfang 1995 war es neben der Fulda auch die Geis, die Teile der Stadt überschwemmte.

Spielt die Ruine mit? Das ist für viele Festspielfreunde ein entscheidendes Kriterium bei der Beurteilung der Stücke. Sie lieben es, wenn die großartigen romanischen Bögen möglichst unverstellt zur Geltung kommen und kunstvoll ausgeleuchtet werden. Dieses Vergnügen gibt es 2021 nur eingeschränkt. Die Bühne ist kürzer als in den Vorjahren und nicht bis in die Apsis gezogen, der Blick teilweise durch große Einbauten eingeschränkt. Begründet wird das mit künstlerischen Entscheidungen bei den Bühnenbildern. Allerdings sei die kurze Bühne in diesem nassen Sommer aus Gründen des Denkmalschutzes vorteilhaft, erklärt Ina Rumpf, die Pressesprecherin der Festspiele. Denn so könne das historische Mauerwerk besser abtrocknen.

Nachdem die Hersfeldpreise alle an eine Produktion, den „Club der toten Dichter“ vergeben worden sind, stellt sich nun die Frage, wer den Zuschauerpreis erhält. Diese Entscheidung liegt nicht in den Händen der Jury, sondern, wie der Name schon sagt, bei den Zuschauern. Die erhalten nach den Vorstellungen einen Stimmzettel in Scheckkartenformat, den sie ausfüllen können. Sie haben aber auch die Möglichkeit zum Online-Voting und können auf bad-hersfelder-festspiele.de/zuschauerpreis ihrem Lieblingsstar die Stimme geben. Die Auswahl fantastischer Darstellerinnen und Darsteller ist groß.

Und nochmal Festspiele: Wenn die Schauspieler, Sänger, Tänzer und all die anderen, die das Theater in der Ruine ermöglichen, in der Stadt sind, sind Kontakte mit den Einheimischen von beiden Seiten normalerweise durchaus erwünscht. Man wohnt in der Nachbarschaft, trifft sich beim Einkaufen, im Café, beim Sport oder eben auch mal beim Arzt oder Physiotherapeuten. Meistens schätzen auch die prominenten Festspieler den herzlichen Umgang und anerkennende Worte, solange das nicht penetrant und aufdringlich wird. Es gibt aber auch andere. Von einer schillernden Boulevardgröße mit Dschungelcamperfahrung wird kolportiert, dass sie die freundliche Frage ihres Physiotherapeuten, wie es ihr denn in Bad Hersfeld gefalle rüde mit „Labern Sie mich nicht voll und machen Sie ihre Arbeit“, kommentierte. Aber das ist zum Glück zu Ausnahme. Hersfeldpreisträger Götz Schubert jedenfalls lobte seine Physiotherapeutin und seinen Arzt ausdrücklich in seiner Dankesrede. (Christine Zacharias)

Rubriklistenbild: © Maaz, Nadine

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