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Ein Architekt als Kino-Betreiber in Bad Hersfeld

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Von: Nadine Meier-Maaz

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Architekt und Kino-Betreiber: Matthias Hansske – hier mit einem Minions-Popcornbecher zum Filmstart – hat nicht nur das Bad Hersfelder Kino übernommen, sondern noch sechs weitere.
Architekt und Kino-Betreiber: Matthias Hansske – hier mit einem Minions-Popcornbecher zum Filmstart – hat nicht nur das Bad Hersfelder Kino übernommen, sondern noch sechs weitere. Als Architekt hat er zudem zahlreiche Kinos in Deutschland geplant. Die Bad Hersfelder Stadtbibliothek und die Jugendherberge stammen ebenfalls aus seinem Büro. © Nadine Meier-Maaz

Der Architekt Matthias Hansske betreibt mehrere Kinos in der Region, darunter auch das Lichtspielhaus in Bad Hersfeld mit fünf Sälen.

Bad Hersfeld – In jungen Jahren hat Matthias Hansske im damals erst aus zwei Sälen bestehenden Bad Hersfelder Kino für 1 DM die Filme im Schülerkino angeschaut, und auch als Student waren regelmäßige Kinobesuche angesagt. Heute betreibt er selbst mehrere Kinos, darunter das in der Kreisstadt mit inzwischen fünf Sälen.

Dabei ist der 65-Jährige eigentlich Architekt. Aus seinem Büro, das er zu dieser Zeit gemeinsam mit einem Partner betrieb, stammen beispielsweise die Bad Hersfelder Jugendherberge und die Stadtbibliothek, zwei durchaus markante und bekannte Gebäude im Stadtbild. Reiner Zufall ist die Kino-Karriere trotzdem nicht.

Zum Einen ist Hansskes Frau Cornelia Braun-Martin die Adoptivtochter von Kino-Unternehmer Horst Martin, dem langjährigen „Gesicht“ des Bad Hersfelder Kinos. Zum Anderen habe er sich in der Kino-Branche auch als Architekt einen Namen gemacht. „Ich habe wohl die meisten Kinos in Deutschland gebaut und bin in der Branche gut vernetzt“, berichtet Hansske, der 1992 gemeinsam mit Martin den ersten Umbau in Suhl machte, später folgten viele weitere. Auch das erste Passivhaus-Kino in Heidelberg hat er realisiert. „Es hat sich irgendwann verselbstständigt und eine gewisse Eigendynamik entwickelt“, so Hansske.

Denn ursprünglich sei er Architekt geworden, um Altbauten zu sanieren. Hansske selbst ist in einem Fachwerkhaus am Markt in Bad Hersfeld aufgewachsen und hat aktuell immer noch ein Büro in Kassel und ein Projekt in Berlin. 2019, just vor Beginn der Corona-Pandemie, übernahm er schließlich das zur Cineplex-Gruppe gehörende Bad Hersfelder Kino ebenso wie weitere Kinos der Gruppe, als Martin seinen Rückzug ankündigte. Gemeinsam mit seiner Frau betreibt er nun insgesamt sieben Kinos – außer in Bad Hersfeld noch in Eschwege, Eisenach, Gotha, Limburg, Suhl und Naumburg mit insgesamt 80 bis 100 Mitarbeitern samt Aushilfen.

Lange überlegt, diesen Schritt zu wagen, habe er übrigens nicht – zumindest nicht länger als ein Wochenende, wie er lachend sagt. Ein ausschlaggebender Grund sei dabei gewesen, dass das Unternehmen auf gesunden Beinen stehe und sich alle Immobilien in Eigenbesitz befänden. Ein Vorteil, der sich vor allem auch während der Lockdowns auszahlte, als Kinos zeitweise geschlossen bleiben mussten.

Ein Anliegen ist es ihm, die Kinos weiterhin zu pflegen und auf Vordermann zu bringen, denn trotz Pandemie, Internet und Streamingdiensten glaubt Hansske an die Zukunft des Kinos, das für ihn Kulturgut und Gemeinschaftserlebnis zugleich ist. Festhalten will er deshalb, wenn wirtschaftlich möglich, auch an Sonderprogrammen und -aktionen wie Kirche im Kino, „Der besondere Film“ oder den Opernübertragungen. Auch Schulen und Kitas will er verstärkt ansprechen – und eine alte Tradition wieder aufleben lassen: die kostenfreie Sondervorstellung für das Festspiel-Ensemble während der Theatersaison.

„Das Publikum ist älter und anspruchsvoller geworden, und Kunden, die nur zwei Mal im Jahr ins Kino gehen, erwarten dann auch etwas. Das ist wie der Besuch im Sterne-Restaurant“, meint Hansske. Selbst schaut der 65-Jährige ebenfalls gerne Arthouse-Filme, also Filme, die anders als Blockbuster mit geringem Budget und ohne große Spezialeffekte gedreht werden. Sein aktueller Tipp: Elvis.

Und wenn Hansske weder Gebäude plant noch die Kino-Geschäfte führt? Ist er begeisterter Ausdauersportler, der unter anderem gern wandert und Rennrad fährt. Sein liebstes Reiseziel ist Südtirol und „irgendwann möchte ich noch zu Fuß die Alpen überqueren.“ Seinen Wohnsitz hat der Filmfan mittlerweile in Kassel, in Kürze wird er aber auch noch ein Quartier direkt im Kino haben. An die Rente denkt er mit 65 und trotz seiner vieler Baustellen noch nicht, wenngleich auch er eine mögliche Nachfolgeregelung schon im Blick hat. „Für die nächsten Jahre stelle ich mir mein Leben so vor.“

Säle und Foyer werden umgebaut

Geschäftiges Treiben herrscht in den Sälen des Bad Hersfelder Kinos seit Kurzem auch tagsüber. Denn alle Säle – die großen ebenso wie die kleinen – werden umgebaut und modernisiert. Oder wie Kino-Betreiber Matthias Hansske sagt: „Sie werden peu á peu durchrenoviert.“

In der zweiten Juli-Hälfte, innerhalb von vier Wochen, soll alles fertig sein. „Dafür bin ich Architekt“, sagt der 65-Jährige und lacht ob des sehr ambitioniert klingenden Zeitplans. Unter anderem bekommen die Kinosäle eine komplett neue Bestuhlung, mit größerem Abstand und besserer Sicht, wo nötig, eine neue Wandgestaltung, neue Beleuchtung sowie teilweise größere Leinwände.

Wie im eigenen Wohnzimmer fühlen sollen sich die Besucher dank Sofas und „Bücherschränken“ künftig im Luxor, dem kleinsten Saal. Rein technisch gesehen sei das Kino bereits auf aktuellem Stand, sagt Hansske. „Mehr geht an einem Standort wie Bad Hersfeld nicht. Und statt synchron zum Leinwandgeschehen wackelnder Stühle haben wir hier ja das Lullusfest.“

Ebenfalls ein neues Gesicht bekommen soll im Herbst das Foyer. Neue Sessel wird es laut Hansske schon vorher geben, der Rest wird dann einige Wochen später in Angriff genommen. Nicht mehr geben wird es nach dem Umbau etwa das „Kassenhäuschen“ im Eingangsbereich. Tickets, Getränke, Popcorn: Künftig soll alles an einer moderneren Theke möglich sein. Ein Dorn im Auge ist Hansske auch der ungenutzte Raum rechts des Eingangs.

Genug Ideen hat der Architekt jedenfalls – das gilt auch für kreative Lösungen, um die Einschränkungen für die Besucher so gering wie möglich zu halten, denn alle Umbauten finden bei laufendem Betrieb statt. Moderat ausfallen sollen laut Hansske dann auch möglicherweise notwendige Preiserhöhungen.

Insgesamt werde ein mittlerer fünfstelliger Betrag investiert, wobei ein Großteil aus unterschiedlichen Fördertöpfen von Bund und Filmförderung stamme, für die der 65-Jährige sehr dankbar ist .(Nadine Meier-Maaz)

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