Die Proben laufen

Karneval steht noch auf der Kippe: Vereine planen dennoch Veranstaltungen

Schunkelrunden und bunte Kostüme: So geht es üblicherweise beim Karneval zu. Ob und wie 2022 wieder gefeiert werden kann, ist derzeit noch offen. Unser Bild ist von der vorerst letzten Weiberfastnacht in Sorga 2020. Archiv
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Schunkelrunden und bunte Kostüme: So geht es üblicherweise beim Karneval zu. Ob und wie 2022 wieder gefeiert werden kann, ist derzeit noch offen. Unser Bild ist von der vorerst letzten Weiberfastnacht in Sorga 2020. Archiv

Auch wenn unklar ist, ob und unter welchen Bedingungen tatsächlich gefeiert werden kann, blicken die Karneval-Veranstalter im Kreis Hersfeld-Rotenburg optimistisch aufs nächste Jahr.

Kann 2022 wieder geschunkelt werden? Nachdem in diesem Jahr sämtliche Karnevalsveranstaltungen der Corona-Pandemie zum Opfer gefallen waren, blicken die Vereine in der Region nun optimistisch und motiviert aufs nächste Jahr. Vielerorts wird schon geprobt – auch wenn unklar ist, ob und unter welchen Bedingungen im Februar tatsächlich gefeiert werden kann. 

Für gleich vier Feiern – zwei Prunksitzungen, Weiberfastnacht und Kinderkarneval – hat der Obersuhler Carneval Verein das Bürgerhaus reserviert. „Wir sind absolut motiviert und optimistisch, dass es was wird“, sagt Vorstandsmitglied Martin Wagner, der mit Blick auf die hohe Impfquote unter den Vereinsmitgliedern auch 2 G für umsetzbar hält, und diesbezüglich etwa auf professionelle Veranstalter und Gastronomen schaut.

Zumindest für eine Prunksitzung hat die Kathuser Karnevals-Vereinigung die Solztalhalle bereits reserviert, wie Schriftführer Mirko Bantle berichtet, der in die Planungen involviert ist. „Wenn die Regeln es zulassen, feiern wir Karneval!“ Dass es klappt, hofft auch Henrik Seel, Präsident des Niederjossaer Karnevals. Denn aktuell öffne die Kommune das Dorfgemeinschaftshaus nur für 77 Personen; allein die 100 Aktiven würden somit nicht alle einen Platz finden. „Wir planen trotzdem erst mal, als würde die Feier stattfinden.“

Beim FC Neukirchen tagen der Damen- und der Herren-Elferrat am Dienstag. „Viele Fragen sind noch offen“, gibt Präsident Dirk Henkel mit Blick auf Einlasskontrollen, 2- oder 3-G sowie den Umgang mit den vielen externen Gruppen zu bedenken. Ebenso noch in Gesprächen ist man beim Kultur- und Carnevalverein Ronshausen und beim Eiterfelder Carneval Verein, zu dessen Rosenmontagsumzug normalerweise zahlreiche Jecken aus dem Umkreis strömen. Beim TSV Sorga will man Ende Oktober eine Entscheidung treffen. Von Personalverlusten sind die Vereine bisher verschont geblieben.

Rosenmontag am 28. Februar 2022

Rosenmontag, um den herum auch die Vereine in der Region ihre Veranstaltungen planen, ist 2022 am 28. Februar. In den bekannten Karnevalshochburgen Köln und Düsseldorf gibt es erste Entscheidungen: Während in Köln unter 3-G-Bedingungen gefeiert werden soll, setzt man in Düsseldorf auf 2G. Bereits abgesagt wurde indes der Fuldaer Rosenmontagsumzug.

Polonaise statt Abstrich: Noch werden im Bürgerhaus in Obersuhl Corona-Schnelltests vorgenommen, im Februar will der Obersuhler Carneval Verein dort wieder für Partystimmung sorgen. Die Gruppen proben jedenfalls schon fleißig, wie Martin Wagner aus dem Vorstand berichtet. Denn Getränke ließen sich auch kurzfristig noch organisieren, ohne Unterhaltungsprogramm aber könne er sich keine Karnevalsveranstaltung vorstellen.

Ähnlich äußern sich andere Veranstalter.

Im vergangenen Jahr gab es in Obersuhl eine Narren-Box für zu Hause – die sei zwar gut angekommen, ersetzen könnten solche Alternativen die persönlichen Zusammenkünfte mit Tanz, Sketchen und Gesprächen aber nicht. Positiv sei jedoch, dass der Verein trotz Zwangspause so gut wie keine Austritte zu beklagen habe. „Wir leben noch, und das soll auch so bleiben“, betont Wagner, der sich eine „Disko mit Maske“ eher schlecht vorstellen kann. Allein deshalb habe die 2-G-Regel durchaus einen Reiz. Denn wenn nur Geimpfte und Genesene dabei sind, entfallen Maskenpflicht und Abstand, zumindest nach der aktuellen Verordnung.

Etwa 500 Gäste und Aufführende kommen in der Regel bei der Prunksitzung der Kathuser Karnevals Vereinigung zusammen. Mit Abstands- und Quadratmeterauflagen wäre eine solche Feier also nicht möglich, da allein die Zahl der Aktiven die erlaubte Anzahl übersteigen würde, wie Schriftführer Mirko Bantle berichtet. Gleichwohl wird auch in Kathus geprobt, personelle Verluste sind bisher ebenfalls ausgeblieben. „Wir sind vorbereitet und könnten jederzeit Karneval feiern“, sagt Bantle und lacht. Persönlich halte er eine Session 2022 auch durchaus für realistisch. Für die Entscheidung, nach welcher Corona-Regel gefeiert wird, sei es noch zu früh. Falls eine große Veranstaltung in der Solztalhalle nicht möglich sein sollte, käme eventuell eine kleinere Alternative am Sportplatz in Frage. Die Absage des großen Rosenmontagsumzugs in Fulda hält er indes für verfrüht.

Auch im eher kleinen Niederjossaer Dorfgemeinschaftshaus herrscht mit 100 Aktiven und 200 bis 300 Gästen in der Regel drangvolle Enge, da aktuell aber nur 77 Personen hinein dürften, käme eine Karnevalsfeier aktuell nicht in Frage. Die Gruppen proben trotzdem, denn die Hoffnung stirbt zuletzt. „Es ist ein bisschen frustrierend und es wäre schade, wenn es wieder nichts wird. Aber das Programm wäre ja auch nicht für die Füße“, sagt Präsident Henrik Seel mit Blick in die Zukunft. „Alle haben Lust!“ In Niederjossa seien ebenfalls noch alle Aktiven an Bord. „Karnevalisten sind eben ein besonderes Völkchen“, so Seel. „Entweder man liebt oder hasst es.“ Um auf der sicheren Seite zu sein, kann sich Seel eine Testpflicht für alle vorstellen. Grundsätzlich sei klar: „Wir richten uns nach den Vorgaben.“ Alternativ-Angebote seien derzeit nicht vorgesehen. Die konkrete Planung beginnt in Niederjossa traditionell mit dem Auftakt am 11. November. „Bis dahin wissen wir vielleicht schon mehr.“

Etwas ratlos ist derzeit auch Mathias Herber, einer von drei Präsidenten des Eiterfelder Carneval Vereins. „Es herrscht große Unsicherheit“, gibt er freimütig zu. Denn natürlich wolle man nicht noch ein Jahr aussetzen, den Verein aber auch nicht in Unkosten stürzen, wenn zum Beispiel teure Garde-Kostüme umsonst angeschafft würden oder nur die Hälfte der Besucher kommen dürfe. Große Tanzveranstaltungen mit vielen externen Gruppen kann sich Herber derzeit ebenfalls nicht vorstellen, auch der Rosenmontagsumzug steht noch auf der Kippe. Motiviert seien aber natürlich auch die Eiterfelder. Auf die Suche nach einem Prinzenpaar macht sich Herber deshalb trotz aller Unwägbarkeiten.

Über digitale Alternativen denkt man beim Kultur- und Carnevalverein Ronshausen nach, Priorität habe natürlich der „echte“ Karneval, für den das Motto des vergangenen Jahres „Einmal um die ganze Welt“ beibehalten werden soll. Zwei Prunksitzungen und Kinderkarneval seien das Ziel. Auch in Ronshausen ist man motiviert, gefühlt sogar noch mehr als sonst, wie Laura Dreer erfreut berichtet, die für die Öffentlichkeitsarbeit zuständig ist. Um die 500 Karnevalsfans kamen bisher pro Veranstaltung im Haus des Gastes zusammen.

Speziell über den Weiberfasching, an dem traditionell zahlreiche externe Gruppen teilnehmen, und den Kinderfasching macht sich Dirk Henkel, Präsident des Elferrats beim FC Neukirchen, zusätzlich zum Kostenfaktor Gedanken. Auch in Neukirchen will man feiern, aber nicht zu jedem Preis und auf Teufel komm raus. (Nadine Meier-Maaz)

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