Festspiel-Momente

Ein Fünkchen Hoffnung: Helen Schneider lebt jetzt in Hamburg

Bad Hersfelds Festspiel-Star der Herzen: Helen Schneider, hier auf einem Foto aus dem Jahr 2017, als sie zuletzt auf der Bühne der Stiftsruine stand.
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Bad Hersfelds Festspiel-Star der Herzen: Helen Schneider, hier auf einem Foto aus dem Jahr 2017, als sie zuletzt auf der Bühne der Stiftsruine stand.

Die Corona-Zwangspause hat auch Helen Schneider, die zweifache Trägerin des Großen Hersfeldpreises, kalt erwischt.

Helen Schneider ist einzigartig. Und unverkennbar – selbst am Telefon. Niemand springt so schnell vom Deutschen ins Amerikanische und zurück. Die Corona-Zwangspause hat auch die zweifache Trägerin des Großen Hersfeldpreises kalt erwischt. „Anyway, life goes on“, sagt sie tapfer.

Paraderolle in Bad Hersfeld: Helen Schneider 1999 als Evita Perón, die Verlockungen der Macht und des Reichtums erlegen ist, in Haute-Couture-Robe als große Dame.

Helen Schneider, der Rock ‘n Roll-Gypsy, ist immer in Bewegung. Seit zwei Jahren lebt sie nicht mehr in Berlin-Wilmersdorf, sondern in Hamburg-Blankenese. An der renommierten „Stage-School“, einer der größten, privaten Schauspielschulen, unterrichtet sie Liedinterpretation, das ist „Schauspiel im Rahmen von Musik“, erklärt sie. „Es ist super für mich.“

Außerdem steht sie für die ZDF-Serie „Ku’damm 63“ vor der Kamera. Die Serie spielt in Berlin kurz nach dem Mauerbau im Jahr des legendären Besuchs von John F. Kennedy in der Mauerstadt. „Ich bin natürlich eine alternde Diva – das ist leider die Realität in letzter Zeit“, erzählt sie selbstironisch und schwärmt von einer grandiosen Serie und tollen Kollegen. Corona stoppte die Dreharbeiten, aber im September soll es weitergehen.

Ebenso auf Eis liegt eine Serie von Konzerten mit den Bremer Philharmonikern. Auf dem Programm standen die großen amerikanischen Komponisten George Gershwin, Stephen Sondheim und Richard Rodgers. „Ein schöner American-Cross-Over-Abend. Ich hoffe, das können wir irgendwann realisieren“. Unterdessen arbeitet sie mit ihrer Freundin aus Kindertagen, Linda Uruburu, mit der sie auch in Hamburg zusammenlebt, an Kinderbüchern, für die Helen Schneider die Illustrationen macht.

Immer schön lächeln: Helen Schneider als Conférencier in „Cabaret“ in den Jahren 2015/16.

Sie genießt die Hansestadt. „Mein Leben in Hamburg ist superschön. Nur zehn Minuten bis zur Elbe. 20 Minuten bis zur Schule, sehr grün, super toll“, schwärmt sie. Sogar ihren Entdecker Udo Lindenberg, der auch in Hamburg lebt, hat sie wiedergetroffen. „Er ist toll, süß und lieb, aber leider sehen wir uns nicht so oft, wie wir möchten.“ Ob sie Berlin vermisst? „Jede Stadt hat ihre Stärken“, sagt die gebürtige New Yorkerin, die auch in den Bergen Connecticuts und in Südfrankreich gelebt hat. „Jetzt ist Hamburg meine Heimat, aber jede Stadt hat ihr Flair.“

Mit Sorge blickt Helen Schneider in diesen Tagen in ihre amerikanische Heimat. „Ich lese zu viel für meine Seele“, sagt sie traurig. Sie ist immer noch US-Staatsbürgerin, Teile ihrer Familie leben verstreut zwischen Boston, New York und Washington DC. „Was die jetzt durchgemacht haben: Die Angst, die dort herrschte, ist unvergleichbar.“

Doch nicht nur die Folgen der Corona-Pandemie, auch die Rassenunruhen und die US-Politik „brechen mein Herz.“ Aus ihrer Abneigung für US-Präsident Trump macht sie kein Hehl: „Noch ist dort das Monster im Amt“, sagt sie. Sie hofft auf einen Machtwechsel bei der Wahl im Oktober, obwohl sie auch Trumps Herausforderer Joe Biden kritisch sieht und als zu konservativ empfindet. Sie setzt darauf, dass die derzeitigen Demonstrationen eine Veränderung bringen. „Es gibt ein Fünkchen Hoffnung.“

Auch auf ein Wiedersehen in Bad Hersfeld? In ihrem Alter ergäben sich ganz neue Rollenangebote, meint Helen Schneider. „Vielleicht habe ich bald mal wieder die Möglichkeit, einen Sommer mit Euch zu verbringen.“

Und sie verabschiedet sich mit den Worten: „Liebe Grüße an alle, die ich so lange nicht mehr gesehen habe.“

Helen Schneider als Mückenstürmerin auf dem Linggplatz in Bad Hersfeld im Jahr 2016.

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