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Ein Jahr mit Notre Dame: Mathias Schlung spielt bei den Festspielen den Pierre Gringoire

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Von: Christine Zacharias

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Mathias Schlung schätzt die sonnige Naivität seiner Figur Pierre Gringoire.
Mathias Schlung schätzt die sonnige Naivität seiner Figur Pierre Gringoire. © Christine Zacharias

Mathias Schlung spielt bei den Bad Hersfelder Festspielen den Pierre Gringoire im Stück Notre Dame.

Bad Hersfeld – Dieses Jahr steht für Mathias Schlung ganz im Zeichen von Notre Dame. In der Stiftsruine steht er den ganzen Sommer über als Pierre Gringoire auf der Bühne, ein wenig erfolgreicher Dichter, den Esmeralda zum Mann nimmt, um ihn vor der Hinrichtung zu retten, der sich aber schließlich für ein Leben mit der Ziege Djali entscheidet.

Danach führt ihn das nächste Engagement nach Wien, wo er im Ronacher für ein Jahr in einer Produktion des Disney-Musicals den Clopin Trouillefou spielen wird, den Anführer der Gauner und Bettler und – so Schlung – „eine Mischung aus Entertainer und Schwerstkrimineller“. Dort wird Mathias Schlung übrigens mit Abla Alaoui auf der Bühne stehen, die im vergangenen Jahr die Lotte in „Goethe!“ spielte und in Wien als Esmeralda zu sehen sein wird. Die Rolle des Pierre Gringoire gibt es in der Musical-Fassung dagegen nicht, die konzentriere sich ganz auf die Hauptfiguren, erzählt Schlung, der allerdings auch in der Disney-Version viele Elemente des Romans von Victor Hugo wiedergefunden hat.

Pierre Gringoire sei ein „sonniges Gemüt, ein Opportunist, der mit strahlender Naivität durchs Leben geht“, beschreibt der Schauspieler seine Rolle. Das sei ihm privat ganz fremd, er habe aber versucht, dieser Persönlichkeit nachzuspüren und „das ist mir auch gelungen. Ich erlebe diesen Sommer auch sehr staunend und froh“, erzählt Mathias Schlung. „Diese naive Sonnigkeit macht mir Spaß.“

Völlig entspannt lässt er sich derweil sein Frühstück schmecken, obwohl Croissant mit Marmelade und Nutella und die Apfelschorle die Wespen scharenweise anziehen. Er sei ein Genussmensch, sagt Schlung. Die Freude am Essen wolle er sich nicht durch Zeitdruck nehmen lassen. Deshalb komme es vor, dass er erst abends esse, wenn er das mit Ruhe und Genuss tun könne.

Bad Hersfeld kennt Mathias Schlung schon seit seiner Kindheit. Seine Mutter habe lange hier gewohnt, bevor sie nach Göttingen gezogen sei, wo Schlung geboren wurde, erzählt er. Seine Oma in Bad Hersfeld habe er oft besucht. Schon damals seien die Festspiele immer wieder Thema gewesen. Heute ist es vor allem die Zusammenarbeit mit Joern Hinkel, die ihn immer wieder in die Stiftsruine bringt, die seiner Überzeugung nach „schönste Bühne in Deutschland“.

An seinem Beruf liebt Mathias Schlung die Vielseitigkeit. Er ist als Musical-Darsteller und als Schauspieler unterwegs, als Sprecher, Vorleser und Moderator. „Doch Schauspiel mache ich am liebsten“, sagt er. Er liebt es, gemeinsam mit dem Regisseur und den Kollegen Rollen zu erarbeiten und hat schon mehrfach die Erfahrung gemacht, dass auch kleine Rollen überraschend gut sein können: „Man findet in jeder Rolle etwas, was eine Herausforderung ist, wo ich mich selber neu kennenlernen kann und was auch das Publikum interessiert.“

Für Ihn wendet sich alles zum Guten: Pierre Gringoire in „Notre Dame“.
Für Ihn wendet sich alles zum Guten: Pierre Gringoire in „Notre Dame“. © Steffen Sennewald

Angst hat Mathias Schlung dagegen vor der Routine, davor, auf der Bühne faul zu werden. Der Vorteil am Theater sei jedoch, dass es jeden Tag eine neue Chance gebe, es besser zu machen.

Zur Vielseitigkeit und Abwechslung, die sein Beruf mit sich bringt, gehört auch das ständige Umziehen – neue Städte, neue Menschen, neue Projekte. Und die Anspannung, ob es nach dem Engagement weiter gehen wird. „Bisher hatte ich Glück, da kam immer etwas“, sagt Schlung, dem Existenzangst nicht fremd ist.

Manchmal wünscht der Schauspieler sich auch, irgendwo sesshaft werden zu können. Andererseits: „Jede Abreise bedeutet die Möglichkeit, woanders neu anzufangen.“ (Christtine Zacharias)

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