„Überflüssig und teuer“

Ein Jahr ungeliebte Bonpflicht - Einzelhandel übt Kritik

Juliana Achihai vom Eiscafé Pergola in Bad Hersfeld bietet den Gästen den Kassenbeleg an.
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Möchten Sie den Bon oder kann der weg? Juliana Achihai vom Eiscafé Pergola in Bad Hersfeld bietet den Gästen den Kassenbeleg an. Die meisten nehmen den Zettel jedoch nicht mit.

Die Pflicht, einen Kassenbon herauszugeben, egal wie gering der abgedruckte Betrag ist, jährt sich im Januar zum ersten Mal. Die Kritik daran ist nicht verstummt.

Hersfeld-Rotenburg. Kaum ein Einzelhändler oder Gastronom feiert den ersten Geburtstag der ungeliebten Belegausgabepflicht. Grund sind das Mehr an Bürokratie, zusätzliche Anschaffungskosten für neue Kassensysteme sowie die Wirkungslosigkeit der Maßnahme aus Sicht des Handels.

„Die Belegausgabe ist unnötig, weil die neuen Kassen manipulationssicher sind“, erklärt Martin Schüller vom Einzelhandelsverband Hessen-Nord. Der Geschäftsführer sieht Kassiersysteme, die gemäß dem Kassengesetz mit elektronischen Aufzeichnungssystemen ausgerüstet sind, als verlässliche Sicherheit gegen Betrugsversuche. „Da ist der Bon doppelt und überflüssig“, so Schüller.

Und nicht nur hinter dem Tresen stoßen die Bons auf Gegenwehr. „Gerade einmal ein Prozent der Kunden, die ein Eis auf die Hand mitnehmen, möchten den Beleg auch haben“, erklärt Gino Da Dalto vom Eiscafé Pergola in Bad Hersfeld.

Dabei hat ihn die Einrichtung neuer Kassensysteme bereits 10 000 Euro gekostet. „Und im Sommer kommen an einem Tag noch einmal mindestens 25 Euro für das Thermodruckpapier dazu“, rechnet Da Dalto vor.

Jörg Brack, Bäckerei-Unternehmer

Das sieht auch Jörg Brack so. Der Bebraer Unternehmer, der über den Landkreis verteilt inzwischen sieben Landbäckerei-Filialen betreibt, hält die Bonpflicht für Quatsch. „Durch die ganzen Sicherheitsmodule sind die Kassensysteme so transparent und gegenüber dem Finanzamt auf dem neuesten Stand – zudem kann jeder Kunde sich den Beleg bei uns auch in digitaler Form per QR-Code auf sein Smartphone holen“, sagt Brack.

Hinzu komme, dass die meisten, die sich ihr Frühstücksbrötchen und einen Kaffee kauften, ohnehin keinen Wert auf den gedruckten Zettel legten. In seinen sieben Filialen würden so nur hohe Kosten und Berge von Papier produziert. „Am besten sollte man diese Pflicht wieder abschaffen“, findet Jörg Brack daher. (Kim Hornickel Und Peter Gottbehüt)

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