Menschen verschiedener Herkunft lernen voneinander

20 Jahre Interkulturelles Zentrum: Ein Stück Heimat in der Fremde

20 Jahre Interkulturelles Zentrum (IkuZ) in Bad Hersfeld: Iris Plass-Geißler (Deutschland), Natascha Weber (Ukraine), Susan Bernstein (England) und Aysegül Tas-Dogan (Türkei) sind von Anfang an bzw. seit vielen Jahren dabei.
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20 Jahre Interkulturelles Zentrum (IkuZ) in Bad Hersfeld: Iris Plass-Geißler (Deutschland), Natascha Weber (Ukraine), Susan Bernstein (England) und Aysegül Tas-Dogan (Türkei) sind von Anfang an bzw. seit vielen Jahren dabei.

Vor 20 Jahren wurde das Interkulturelle Zentrum in Bad Hersfeld gegründet. Die Idee: Menschen verschiedener Herkunft lernen dort voneinander.

Bad Hersfeld – In diesem Haus ist jeder willkommen – ganz egal, wo er oder sie herkommt, wie alt er ist oder welche Sprache sie spricht. Das Interkulturelle Zentrum (IkuZ) in Bad Hersfeld ist ein Ort, an dem Menschen aus ganz verschiedenen Ländern einander begegnen, voneinander lernen und ein Stück Heimat finden können. Vor 20 Jahren, im November 2001, wurde es gegründet.

Anfangs war das Zentrum mehr eine Idee als ein Ort. Hamit Tas war der Liebe wegen aus dem Ruhrgebiet nach Bad Hersfeld gekommen und hatte von dort die Idee eines gleichberechtigten Austausches von Menschen verschiedener Herkunft mitgebracht. Er war überzeugt, dass so ein interkultureller Verein auch in Bad Hersfeld funktionieren könnte. Aysegül Dogan, seine Partnerin, war skeptisch.

Schließlich gab es schon verschiedene Vereine und Gruppierungen, die sich die Integration von Ausländern auf die Fahnen geschrieben hatten. Aber das war nicht das, was Hamit Tas sich vorstellte, weil immer auch ein patriarchalischer Ansatz dabei war, ein „wir sagen euch, wo’s lang geht.“

„Wir können so viel voneinander lernen“, ist Aysegül Tas-Dogan überzeugt. Natürlich sei es von entscheidender Bedeutung, dass Menschen, die neu in Deutschland ankommen, zunächst die Sprache lernen und erfahren, wie der Alltag funktioniert. Aber es sei auch wichtig, den Menschen als ganzen mit all seinen Fähigkeiten zu sehen. Deshalb gab es im Ikuz nicht nur Deutsch-, sondern auch Türkisch-, Französich oder Englisch-Kurse.

Regelmäßig einmal im Monat fanden interkulturelle Abende statt, bei denen Menschen ihr Land und ihre Kultur vorstellten und auch Kostproben ihre Speisen anboten. So konnte jeder Gastgeber sein und jeder Lernender.

Doch zurück zur Gründung: 30 Frauen und Männer aus zwölf Nationen ließen sich von Hamit Tas anstecken und gründeten schließlich am 29. November 2001 das IkuZ als Verein.

Die ersten Jahre der interkulturellen Arbeit waren geprägt von Raumnot. Die Veranstaltungen des Interkulturellen Zentrums wurden gut angenommen, Treffen in Privatwohnungen sprengten bald deren Rahmen. Der DGB stellte dem Ikuz für größere Veranstaltungen kostenlos den Multifunktionsraum in an der Klausstraße zur Verfügung. Es dauerte nicht lange, und das Zentrum mit seinen Aktivitäten war auch hier herausgewachsen.

Nächste Station war die Arbeiterwohlfahrt mit Räumen in der Webergasse. Dort boten Hamit Tas und Susan Bernstein nun zweimal in der Woche einen offenen Begegnungsraum an, der sich bald zu einem Stück Heimat in der Fremde für immer mehr Menschen entwickelte.

Glücklich war der junge Verein, als ein Hauseigentümer seine Räume in der Rittergasse kostenlos zur Verfügung stellte – es sollte nur renoviert werden. Jetzt war der Begegnungsraum viermal in der Woche geöffnet, es fanden interkulturelle Abende und viele weitere Aktivitäten statt. Auch eine Musikgruppe, das Angklung-Orchester gründete sich.

Doch auch hier wurde es bald zu eng. 2005 ergab sich die Möglichkeit, die Räume einer ehemaligen Gaststätte in der Burggasse zu übernehmen. Viele Freiwillige halfen, beim renovieren und seitdem werden hier vielfältige Aktivitäten angeboten. Es wurden Feste gefeiert, es wurde gesunden und musiziert, es wurden Ausflüge veranstaltet, um die nähere Umgebung zu erkunden und auch, um die jüngste deutsche Geschichte verstehen zu können. Begegnungen gab es nicht nur zwischen Deutschen und Migranten, sondern eben auch zwischen all den Menschen ganz unterschiedlicher Herkunft. „Menschen aus mindestens 30 verschiedenen Ländern waren hier schon aktiv“, erzählt Susan Bernstein.

Das Angebot richtete sich immer auch nach dem dem Bedarf und danach, welche Fähigkeiten Mitglieder und Gäste mitbrachten. Neuestes Angebot ist ein Treff zum Handarbeiten und Plaudern (Sträkeln und Schnuddeln) von Sizilia Feik. „Wir haben immer flexibel auf aktuelle Bedingungen reagiert und das Konzept angepasst“, erklärt Aysegül Tas-Dogan. Ganz wichtig seien, so betont Iris Plass-Geißler, die drei Säulen: Sprachunterricht, Begegnungen und interkulturelle Abende.

Ein wenig schmerzlich war es für die Aktiven festzustellen, dass viele Menschen eine Zeit lang kamen und dann wieder gingen. Die Hoffnung, dass einige bleiben und mitarbeiten, habe sich nicht erfüllt, bedauern Natascha Weber und Susan Bernstein. Sie haben inzwischen akzeptiert, dass das IkuZ für viele eben ein Wegbegleiter auf Zeit ist, eine wichtige Anlaufstelle und Orientierungshilfe in der Anfangszeit, die aber zurückgelassen wird, wenn man angekommen ist. Freiwillige werden aber immer gerne gesehen – ebenso wie Spenden. Denn es gibt immer viel zu tun. (Christine Zacharias)

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