WOCHENENDPORTRÄT „Eine lebende Legende“

Sängerin Anna Mwale aus Sambia lebt nun in Asbach

Sängerin Anna Mwale spielt Gitarre und lächelt in Richtung Kamera.  Im Vordergrund sind Platten von früher zu sehen.
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Greift immer noch gern zur Gitarre: Sängerin Anna Mwale. Im Vordergrund sind Platten von früher zu sehen.

Anna Mwale aus Sambia stand mit den Weather Girls, James Brown, Boney M. und Udo Jürgens auf der Bühne. In ihrer Heimat ist sie selbst ein Star. Inzwischen lebt sie in Asbach.

Wenn Anna Mwale ihre Gitarre ansetzt, kurz die Augen schließt, lächelt und zu singen beginnt, ist ihre Leidenschaft für die Musik deutlich zu spüren. Die heute 59-Jährige hat in den 80er- und 90er-Jahren nicht nur mit Stars wie den Weather Girls, James Brown, Boney M. oder auch Udo Jürgens und Otto Waalkes auf einer Bühne gestanden. Sie ist vor allem in ihrer Heimat auch selbst eine bekannte Persönlichkeit. Seit gut anderthalb Jahren lebt sie im Bad Hersfelder Stadtteil Asbach, und plant nach einer musikalischen Auszeit nun eine neue „Platte“.

Aufgewachsen ist Anna Mwale in einer wie sie erzählt musikalischen Großfamilie im südafrikanischen Sambia. Dass Musik auch ein Beruf sein könnte, sei anfangs aber kein Thema gewesen, erzählt sie, obwohl sie schon mit 14 Jahren einen Song für eine Kinderserie geschrieben habe, der fortan jahrelang im Fernsehen gelaufen sei. „Mein Vater war Politiker, meine Mutter Lehrerin“, so Mwale. Doch das gewünschte Jura-Studium brach sie ab und ging nach Deutschland. Über ihren ersten Ehemann kamen erste entscheidende Kontakte in die Musikbranche zustande. Anfangs stand Mwale mit verschiedenen Bands auf der Bühne und schließlich als Solosängerin. Es folgte ein Vertrag bei Sony Music beziehungsweise CBS Records, sie nahm ihre erste Platte mit poppigen afrikanischen Songs auf und landete überraschend einen Top-Ten-Hit in Spanien.

In den folgenden Jahren lebte Mwale in München und London, die meiste Zeit aber war sie unterwegs. „Ich hatte viele schöne Auftritte“, sagt Mwale, zeitweise mehr als 20 pro Monat, in verschiedenen Ländern. Sie schrieb Film- und Werbemusik, trat bei diversen Veranstaltungen und Shows auf – einige Bilder und Videos sind heute im Internet zu finden. Ihr wohl größtes Konzert habe sie vor 80 000 Menschen gegeben. Nach Asbach verschlagen hat sie schließlich die Liebe. 2006 lernte Mwale nach einem Auftritt in München ihren heutigen Mann Michael Hahn kennen, der aus Asbach kommt, als Projektentwickler beruflich aber ebenfalls viel unterwegs war und ist. Inzwischen machen beide auch beruflich gemeinsame Sache und haben in den vergangenen Jahren für Projekte gemeinsam in Sambia, Nigeria, Ruanda, Katar und in Berlin gelebt, wo auch Mwales erwachsene Tochter wohnt.

Sängerinnen unter sich: Anna Mwale (Mitte) mit den Weather Girls.

Seit gut anderthalb Jahren haben sie ihren Lebensmittelpunkt in Hahns Elternhaus und Pfarrer Simon Leinweber ist ihr „heimlicher Manager“. Auch die Nachbarn kommen regelmäßig in den Genuss ihres Gesangs. „Asbach hat Charme und ist zentral gelegen“, schwärmt Mwale von ihrem neuen Wohnort.

2010 hat die Sängerin eine musikalische Pause eingelegt, doch inzwischen vermisse sie die Auftritte und das Tonstudio. „Tief in mir drinnen bin ich Künstlerin“, erklärt Mwale und lacht. „Das ist mein Job und was ich liebe.“ Wenngleich sie im stressigen Musikbusiness nicht nur gute Erfahrungen gemacht habe. Sobald wie möglich möchte sie neue Songs aufnehmen, und zwar mit einem Produzenten, für den sie einst so etwas wie eine Ziehmutter gewesen sei und der in der Zwischenzeit mit Pop-Größen wie Beyonce und Christina Aguilera zusammengearbeitet habe. Seine Finger im Spiel hatte dabei auch Michael Hahn, der heimlich Kontakt aufnahm, als seine Frau noch zögerte. Etwas weniger poppig und dem Mainstream angepasst sollen die neuen Singer-Songwriter-Lieder sein. „Ich möchte authentisch sein“, betont Mwale.

„In Sambia ist Anna eine lebende Legende und bekannter als der Präsident“, sagt Mwales Mann stolz. „Sie steht in den Geschichtsbüchern und im Musikunterricht werden ihre Lieder gelehrt.“ Er selbst sei in der Heimat seiner Frau „nur Annas Mwales Mann“, berichtet er schmunzelnd. Dabei heißt diese inzwischen offiziell eigentlich Hahn und auch die deutsche Staatsbürgerschaft besitzt sie. Irgendwann möchten die Jetzt-Asbacher aber wieder nach Afrika zurückgehen und den Lebensabend in Sambia verbringen, wo sie Land besitzen.

Den Kontakt hat Anna Mwale nie verloren, die sich in ihrer Heimat unter anderem für eine Klinik engagiert. „Ich habe viel Glück gehabt im Leben und möchte etwas zurückgeben“, sagt die 59-Jährige. Heute Abend steht aber erst mal ein Konzert im Asbacher Pfarrgarten an, organisiert natürlich von Pfarrer Leinweber.

Konzert im Asbacher Pfarrgarten

Am Samstag, 27. Juni, tritt Anna Mwale im Pfarrgarten an der Schulstraße in Asbach auf. Veranstaltet wird das Konzert von der Kirchengemeinde Asbach-Eichhof. Mwale wird Welthits und Evergreens der Genres Pop, Soul und Gospel sowie selbst komponierte Songs vortragen. Beginn ist um 20.30 Uhr, Einlass ab 20 Uhr. Bei Gewitter muss die Freiluft-Veranstaltung kurzfristig abgesagt werden. Es gibt nur noch wenige Restkarten, Infos und Anmeldung unter Telefon 0 66 21/14 86 2. Die Teilnehmerzahl ist auf 100 Personen begrenzt. Auf der Pfarrwiese werden Flächen von je zehn Quadratmetern markiert. Der Eintritt pro Fläche beträgt zehn Euro, egal ob eine oder bis zu vier Personen aus einem Hausstand darin Platz nehmen. Klappstühle, Decken und Getränke können sich die Gäste selbst mitbringen.

Der Eintritt pro markierter Fläche beträgt zehn Euro. Stühle, Decken und Getränke mitbringen!

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