Bad Hersfelder Festspiele

Eine märchenhafte Karriere: Wie Karen Müller aus dem Westerwald zum Musicalstar wurde

A Star is born: Karen Müller hat geschafft, wovon andere nur träumen.
+
A Star is born: Karen Müller hat geschafft, wovon andere nur träumen.

Von der Rechtsanwaltsgehilfin zum Musicalstar bei den Bad Hersfelder Festspielen: Karen Müller hat geschafft, wovon andere nur träumen.

Bad Hersfeld – Es war einmal ein kleines blondes Mädchen, das wuchs in einer musikalischen Familie in der 6000-Seelen-Gemeinde Hachenburg im Westerwald auf. Sie sang und tanzte für ihr Leben gern, machte Aerobic, Hip-Hop, belegte Tanzkurse, spielte aber auch Fußball und war im örtlichen Musicalverein aktiv. Ihre Eltern begleiteten sie zu den ersten Auftritten und schenkten ihr zur Kommunion Karten für das Musical „Starlight Express“.

Doch die Musical-Darsteller, die so elegant auf ihren Rollschuhen dahinflitzten, schienen damals für die kleine Karen unerreichbar und fern. Sie machte ihren Realschulabschluss, lernte brav Rechtsanwaltsgehilfin und nahm später einen Job bei der Arbeitsagentur in ihrer Heimat an. Doch obwohl ihr die Arbeit im Sozialbereich mit Gesetzen und Hilfsmöglichkeiten eigentlich gefiel, merkte sie schnell, dass dieser Job sie nicht erfüllte ...

Mit 24 Jahren bewirbt sich Karen Müller an der Folkwang Universität in Essen. Ein hartes Auswahlverfahren steht ihr bevor. Doch mit ihren Leistungen, vor allem aber wohl mit ihrer Leidenschaft als „Spätzünderin“ doch noch ihren Traum zu leben, überzeugt sie den Hochschullehrer – Musical-Starregisseur Gil Mehmert – und ihr Leben nimmt einen ganz neuen Lauf.

Karen Müllers blaue Augen strahlen, als sie, mit schwarzer Lederjacke und klobigen Springerstiefeln, in der Festspielkantine an ihrer Bionade nippt und ihre Lebensgeschichte erzählt. Zum dritten Mal ist sie nun schon als Musicaldarstellerin in Bad Hersfeld, tanzt diesmal in Gil Mehmerts Inszenierung von „Goethe!“.

Irgendwie fing in Bad Hersfeld auch ihrer Karriere so richtig an. „Als Schauspielschülerin war ich mit meinen Kommilitonen zum ersten Mal in der Stiftsruine, wir haben „Cabaret“ gesehen und träumten alle davon, hier selbst einmal auf der Bühne zu stehen.“

Im Musical „Hair“ war es dann erstmals soweit. In Bad Hersfeld teilt sie seither zusammen mit ihrer Musical-Kollegin Eva Zamostny eine kleine Wohnung über dem „Naxos“. Der „Sommer in Bad Hersfeld gehört für mich inzwischen fast schon zur Routine“, sagt sie lächelnd. Eigentlich lebt sie mit ihrem Partner, dem Musical-Darsteller Merlin Fargel (er spielte „Berger“ in „Hair) in Düsseldorf. „Eine feste Heimatbasis ist wichtig, wenn man so viel unterwegs ist, wie wir.“ In der für Künstler so schwierigen Corona-Zeit hat Karen Müller tatsächlich kurz überlegt, wieder ins Büro zurückzukehren. Doch die Leidenschaft für Tanz und Musik war stärker. Stattdessen hat sie die Durststrecke als Trainerin im Fitnessstudio überbrückt. „Das ist ja auch eine Art Bühne, auf der man die Leute motiviert.“ Zusammen mit ihrem Freund Merlin schipperte sie zudem mit einem selbst zusammengestellten Programm auf einem Kreuzfahrtschiff rund um die Kanaren. „Wir haben Schlager, Musical-Melodien und Singer/Songwriter-Lieder aufgeführt“, erzählt Karen Müller, deren Musikgeschmack eine große Bandbreite hat. So stand sie auch schon monatelang im Wolfgang-Petry-Musical „Wahnsinn“ auf der Bühne und hat dabei „Wolle“ persönlich kennengelernt.

Wenn am kommenden Freitag die letzte Aufführung von „Goethe!“ über die Bühnen gegangen ist, dann bleibt Karen Müller kaum Zeit zum Verschnaufen. Denn sie spielt die Hauptrolle im neuen Musical „Himmel und Kölle“, in der Volksbühne am Rudolfplatz in Köln und unter Regie von Gil Mehmert. „Das Stück ist von denselben Autoren wie Extrawurst und hat auch dieselbe Note von Humor“, freut sich Karen Müller. Sie spielt darin „die wilde Braut Kathy“, die ausgerechnet bei einem naiven Jungpfarrer Rat in der Liebe sucht.

Von der Rechtsanwaltsgehilfin zum Musicalstar: Karen Müller hat geschafft, wovon andere nur träumen. Das ist der Stoff, aus dem eigentlich Märchen sind – oder vielleicht auch Musicals. (Kai A. Struthoff)

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Kommentare

Hinweise zum Kommentieren:
Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.