Einer, der nicht die Klappe hält

Jorias Bach (23) aus Sontra will für die FDP in den Bundestag

Er will aus Sontra nach Berlin: Der 23-jährige Student Jorias Bach kandidiert für die FDP im Wahlkreis 169 für den Bundestag. Das
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Er will aus Sontra nach Berlin: Der 23-jährige Student Jorias Bach kandidiert für die FDP im Wahlkreis 169 für den Bundestag. Das

Zehn Frauen und Männer kandidieren im Wahlkreis Werra-Meißner/Hersfeld-Rotenburg für den Bundestag. In unserer Porträtreihe stellen wir heute den FDP-Kandidaten Jorias Bach vor.

Aktualisiert am Donnerstag, 9. September, 11.17 Uhr - Sontra – Mit jungenhaftem Charme, aber auch mit gesundem Selbstvertrauen und klaren politischen Vorstellungen bewirbt sich Jorias Bach als FDP-Kandidat für den Bundestag. „Wenn die Liberalen 35 Prozent holen, dann bin ich drin“, sagt der 23-jährige Student aus Sontra schmunzelnd, denn natürlich weiß er, wie unwahrscheinlich das ist. Ihm geht es bei seiner Kandidatur daher vor allem um die Erfahrung, „aber ich will schon auch ein gutes Ergebnis holen.“

Ohnehin findet er, dass mehr junge Leute sich politisch engagieren sollten. Ihm wurde die Politik quasi in die Wiege gelegt, denn sein Großvater war in der CDU aktiv, seine Eltern in der FWG. Daheim wurde immer schon viel diskutiert, als Jüngstes von fünf Kindern ist er zudem in allen Auseinandersetzungen „abgehärtet“, erzählt Jorias Bach augenzwinkernd.

Er findet sein „Wertebild“ am ehesten in der FDP wieder. „Ich will selbst für mein Handeln verantwortlich sein, der Staat soll so wenig wie möglich eingreifen“. Schon jetzt gebe es viel zu viel Bürokratie.

Jorias Bach: FDP ist die „Aufstiegspartei“

Das habe er erstmals selbst erfahren, als er lieber in Eschwege und nicht in Sontra aufs Gymnasium gehen wollten, später auch, als er ein Kleingewerbe anmelden wollte. Und auch die BAföG-Anträge seien viel zu kompliziert.

Das alte Bild der FDP als „Zahnarztpartei“ und „Partei der Besserverdienenden“ sei längst überholt. „Inzwischen sind wir die Aufstiegspartei“, meint Jorias Bach. Deshalb versucht nun er den Aufstieg in den Bundestag: „Demokratie heißt, dass jeder kandidieren kann“, in seinem Bekanntenkreis käme seine Kandidatur gut an. „Politik kann auch jung sein“, ist Jorias Bach überzeugt. Deshalb sitzt er in Sontra in der Stadtverordnetenversammlung. Dort hat die FDP eine gemeinsame Liste („Bürger für Sontra“) mit der FWG gebildet, bei der seine Mutter Fraktionsvorsitzende ist.

Seine Heimat ist Jorias Bach wichtig, wegen des wilden Großstadtlebens ziehe es ihn jedenfalls nicht nach Berlin. „Ich mag es, wenn ich die Kiste Bier vor der Garage stehen lassen kann und sie am nächsten Morgen noch dort ist“, erklärt er die Vorzüge des ländlichen Raums.

Jorias Bach ist ein Junge vom Land, er spielt seit seinem 8. Lebensjahr Waldhorn bei den Ulfener Jungs und ist Handball-Hallensprecher. „Es fällt mir eben schwer, die Klappe zu halten, nicht nur politisch.“ Er engagiert sich auch beim Open-Flair und für das Breitwiesenfest. Bei so viel Heimatverbundenheit bleibt wenig Zeit – etwa zum reisen. Wenn er unterwegs ist, verbindet Jorias Bach das meist mit Besuchen bei Verwandten und Freunden.

Auch der Bergbau-Geschichte seiner Heimatstadt Sontra fühlt sich Jorias Bach verbunden und arbeitet deshalb als Schatzmeister im Knappenverein Kupferschiefer-Bergbau Sontra mit. „Es gibt zwar keine familiäre Beziehung, aber der Bergbau ist prägend für unsere Region.“ Auch deshalb hat er das Rathaus mit dem Bergbau-Museum für das Treffen in der Mittagspause ausgewählt. Davor steht die Skulptur eines Bergmanns und eine Lore mit Kupferschiefer – zugleich die Verbindung zu den Kali-Kumpeln im Werratal. „K+S hat sich in den vergangenen Jahren sehr bemüht, die Umweltbelastung zu reduzieren, und das wird sich dank technischer Weiterentwicklungen noch fortsetzen“, ist Jorias Bach überzeugt. Skeptischer ist er bei der Windkraft: „Wir sollten nicht um jeden Preis unsere Wälder für neue Windräder abholzen.“

Jorias Bach ist zwar mit Abstand der jüngste Bundestagskandidat im Wahlkreis 169, aber beileibe nicht naiv. Er hat Ansichten und Überzeugungen und ist dabei fest verwurzelt in der Region. Falls es am 26. September nicht mit dem Sprung nach Berlin klappen sollten, bleibt ihm vielleicht etwas mehr Raum für Privates. Denn für eine Freundin fehlt Jorias Bach momentan einfach die Zeit. (Kai A. Struthoff)

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