Kolumne zum Jahreswechsel

Zwischen den Jahren: Einfach mal die Perspektive wechseln

Kai A. Struthoff
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Kai A. Struthoff

Es war nicht alles schlecht - zu dieser Erkenntnis kommt Kai A. Struthoff in seiner Kolumne „Zwischen den Jahren“ beim Blick auf 2021.

Am Silvestertag, vielleicht in den Stunden vor Mitternacht, hat wohl mancher von uns in einem stillen Moment innegehalten und sich gefragt: War das nun ein gutes oder ein schlechtes Jahr? Zugegeben: Bei den meisten wird auch an Silvester 2021 die Bilanz wohl eher negativ ausfallen. Corona, Corona – und kein Ende in Sicht. Wir alle sind müde und des Homeoffice, der Einschränkungen, der immer unversöhnlicher geführten Diskussion überdrüssig.

Wir alle wollen unser Leben zurück, so wie es früher war ...

Und doch wird es viele geben, die vielleicht doch mit positiven Erinnerungen aus diesem anstrengenden Jahr in ein neues wechseln: Zum Beispiel diejenigen, die in diesem Jahr Eltern oder auch Großeltern eines gesunden Kindes geworden sind. Oder jene, die in diesem Jahr endlich ihre Liebe mit dem Ja-Wort besiegeln konnten. Diejenigen, die trotz vieler Einschränkungen im Urlaub waren und dabei vielleicht sogar die eigene Heimat ganz neu entdeckt haben. Und ganz sicher alle, die jetzt, zwischen den Jahren, im Kreise ihrer Lieben, die sie vielleicht schon lange nicht mehr sehen durften, zusammensaßen, gut gegessen, gelacht, gemeinsam gespielt haben. Es hilft ja manchmal, wenn wir, so wie Lehrer John Keating im Festspiel-Stück „Club der toten Dichter“, einfach mal auf unser Pult steigen oder uns auf den Boden legen und so gleichsam die Perspektive wechseln. Und dann stellen wir fest, dass wir eigentlich immer noch ganz gut dastehen – zumindest hier in unserer Region.

Auch wenn es Einzelhandel, Hotels und Gastronomie leider weiterhin schwer haben, so geht es der Wirtschaft insgesamt noch erstaunlich gut – trotz oder teilweise sogar wegen Corona. Die Arbeitslosigkeit ist niedrig, unsere Kliniken, Ärzte, Pfleger, Rettungsdienste – sie arbeiten alle hart am Limit, aber sie funktionieren. Das hat zuletzt der Impf-Endspurt auch dank des großen Einsatzes einzelner eindrucksvoll gezeigt. Aus dieser Perspektive betrachtet war auch das ablaufende Jahr gar nicht nur schlecht.

Nun kommt ein neues Jahr, voller Hoffnungen, Wünsche, aber auch Ängste. Dabei gibt es durchaus Grund, optimistisch zu sein, es sei denn, man sieht Gläser grundsätzlich als halb leer, denn als halb voll an. Wir haben eine neue Bundesregierung, mit der laut Wahlergebnis weit über die Hälfte der Menschen hier grundsätzlich einverstanden sein sollte. Sie geht mit viel Elan und – wie üblich – großen Versprechen an den Start. Natürlich muss sie jetzt liefern, aber die Chance dazu sollte man ihr auch geben. Eine Klimawende oder mehr soziale Gerechtigkeit wird es nicht zum Nulltarif geben, das muss dabei allen klar sein.

Auch der nicht mehr ganz neue Landrat Torsten Warnecke und sein frisch ins Amt dazustoßender Erster Beigeordneter Dirk Noll müssen jetzt Gas geben. Besonders spannend wird sein, ob es denn nun einen Kurswechsel in Sachen Radikalumbau des Klinikums geben wird, auf den so viele hoffen. Die Corona-Pandemie hat uns gezeigt, wie wichtig ein funktionierendes Gesundheitssystem ist, aber auch dessen Grenzen aufgezeigt. Vielleicht führt das zu neuen Denkansätzen?

In Hauneck, Friedewald, Heringen und Bad Hersfeld stehen im neuen Jahr Bürgermeisterwahlen an, und wir können dankbar sein für jeden, der bereit ist, Verantwortung für unsere Gemeinschaft zu übernehmen.

Denn das wird immer schwieriger – und undankbarer. Der Ton wird noch rauer, der gesellschaftliche Diskurs bleibt auf der Strecke. Zuweilen ersetzt sogar Handgreiflichkeit die Argumente. Hier könnten wohl wir alle uns ein paar gute Vorsätze für das neue Jahr fassen: Mehr zuhören, auch andere Meinungen gelten lassen und Fakten statt Vorurteile kennen. Meist hilft es schon, erst mal nachzudenken und sich zu informieren, bevor man redet oder gleich weltweit ins Internet postet.

Das alles ist leicht gesagt und schwer getan. Das neue Jahr wird uns wieder fordern. Dabei wünsche ich Ihnen, liebe Leserinnen und Leser, Glück, Gelassenheit und Gesundheit – rutschen Sie gut rüber ins Jahr 2022! (Kai A. Struthoff)

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