Wochenendporträt

Engagiert an Topf und Löffel: Abas Rezaie kocht nun im Hotel „Stern“ in Bad Hersfeld

Abas Rezaie aus Afghanistan hat im Rahmen des Projekts „Wirtschaft integriert“ eine Ausbildung zum Koch absolviert und arbeitet nun im „Stern“ in Bad Hersfeld.
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Kochen ist seine Leidenschaft: Abas Rezaie aus Afghanistan hat im Rahmen des Projekts „Wirtschaft integriert“ eine Ausbildung zum Koch absolviert und arbeitet nun im „Stern“ in Bad Hersfeld.

Vor rund fünf Jahren kam Abas Rezaie aus Afghanistan als Flüchtling nach Deutschland. Jetzt ist der 24-Jährige Koch im Bad Hersfelder Romantik Hotel Zum Stern.

Bad Hersfeld - „Ich koche einfach gern und habe auch schon immer gekocht“, sagt er. „Kochen ist meine Leidenschaft.“ Der Stress in der Küche sei für ihn Spaß. Die Verständigung mit den Kollegen im Team ist kein Problem. „In der Küche ist das eigentlich ziemlich einfach“, erklärt Chefkoch Constantin Kaiser lachend. „Und zur Not wird mit Händen und Füßen kommuniziert.“ Wobei Abas Rezaie schon gut Deutsch spricht. Den Kontakt in die alte Heimat hält der junge Mann, der zunächst  eine Zeit lang in der Rotenburger Unterkunft lebte, per Telefon.

Von seinen Küchenchefs bekommt Abas Rezaie viel Lob. „Man sieht bei vielen schon am ersten Tag, ob es was wird oder nicht“, so Toni Schoch. Bei ihm habe es gleich gepasst. „Er ist sehr interessiert und engagiert“, und das sei schon die halbe Miete. Auch Hoteldirektor Markus Heinze ist zufrieden mit dem noch recht neuen Mitarbeiter. Einen besonderen Platz in der Küche hat Abas Rezaie nicht, er wird laut Schoch eingesetzt, wo er gebraucht wird.

Ob demnächst vielleicht mal ein afghanisches Gericht serviert wird? „Wer weiß, er darf gerne Ideen einbringen“, ermutigt Toni Schoch den 24-Jährigen. Im „Stern“ ist der Afghane über Umwege gelandet. Nach einer dreimonatigen Berufsorientierung im Rahmen des Projekts „Wirtschaft integriert“ in Kooperation mit der Lehrbaustelle Bebra und einer betrieblichen Einstiegsqualifizierung im Landgasthaus Gundlach in Heinebach begann er dort die Ausbildung zum Koch.

Der Betrieb musste jedoch Insolvenz anmelden. Im Sommer 2020 absolvierte Abas Rezaie daraufhin ein Praktikum im Bad Hersfelder Stadthotel, um den Anschluss nicht zu verlieren und Erfahrungen für die praktische Prüfung zu sammeln. Im September wechselte er zum „Stern“, wo er schließlich auch die Lehre fortsetzen konnte.

Auf die theoretische folgte im Januar dieses Jahres die praktische Prüfung, bei der es ein Menü aus Wildkraftbrühe mit kleinen Windbeuteln, geschmorten Rinderbäckchen mit Schwarzwurzel und Salzkartoffeln sowie Grießpudding mit Apfelkompott zu kochen galt. Für den 24-Jährigen offenbar kein Problem – und für seine Chefs ein Grund, ihn im Anschluss zu übernehmen.

Weit zur Arbeit hat er es nicht. Erst vor Kurzem ist Abas Rezaie von Heinebach nach Bad Hersfeld gezogen, wo er noch dabei ist, die Wohnung einzurichten. Dass er für Fußball und Feuerwehr nun wohl keine Zeit mehr hat, ist zu verschmerzen. Wie seine Kollegen hofft der 24-Jährige jetzt vor allem, bald wieder mehr als nur To-Go-Angebote für möglichst viele Gäste kochen zu können.

Unterstützung von „Wirtschaft integriert“

Abas Rezaie aus Afghanistan hat mit Hilfe des Projekts „Wirtschaft integriert“ eine Ausbildung zum Koch absolviert und arbeitet nun im Stern in Bad Hersfeld, von links Omar Iraki (Wirtschaft integriert), Toni Schoch (Chefkoch), Markus Heinze (Hoteldirektor Stern), Abas Rezaie, Constantin Kaiser (Chefkoch)

Unterstützung erhielt Abas Rezaie in den vergangenen Jahren im Rahmen des Projekts „Wirtschaft integriert“ über das Bildungswerk der nordhessischen Wirtschaft (BNW). Das landesweite Projekt des Hessischen Wirtschaftsministeriums unterstützt Flüchtlinge bei der beruflichen Orientierung bis hin zum erfolgreichen Ausbildungsabschluss.

„Wir begleiten die Frauen und Männer kontinuierlich und bieten unter anderem Stütz- und Förderunterricht an“, erklärt der pädagogische Mitarbeiter Omar Iraki, der die letzten sieben Monate mit Abas Rezaie gearbeitet hat und sich über dessen Erfolg nun auch entsprechend freut. Neben der Arbeit im Betrieb und dem Besuch der Berufsschule noch am Unterricht beim Bildungswerk teilzunehmen, sei durchaus eine Leistung. (Nadine Maaz)

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