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Er liebt das Tragikomische: Oliver Urbanski spielt den Phöbus in Notre Dame

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Von: Christine Zacharias

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Frühstück mit Oliver Urbanski bei schwarzem Kaffee und Croissants.
Frühstück mit Oliver Urbanski bei schwarzem Kaffee und Croissants. © Christine Zacharias

Oliver Urbanski spielt in Victor Hugos „Notre Dame“ bei den Bad Hersfelder Festspielen den Hauptmann Phöbus de Châteaupers.

Bad Hersfeld – Wenn Oliver Urbanski Zeit hat, dann darf es gerne ein ausführliches Frühstück im Bett sein und dazu die Zeitung. Dass dabei piksende Krümel im Bett landen oder auch mal der Kaffee, nimmt er in Kauf. Allzu oft kommt er aber nicht dazu, den Start in den Tag so zu zelebrieren. An diesem Vormittag gibt es zum Gespräch schwarzen Kaffee und Croissants – ganz französisch, passend zum Stück und der Rolle.

Oliver Urbanski spielt in Victor Hugos „Notre Dame“ den Hauptmann Phöbus de Châteaupers – einen echten Widerling. Seine gute Tat ist, dass er Esmeralda rettet, als Quasimodo sie entführen will. Als er dann merkt, dass sie in großer Liebe zu ihm entbrannt ist, will er diese Gefühle bedenkenlos ausnutzen, um die junge Frau ins Bett zu bekommen. Gleichzeitig macht er der jungen Fleur de Lys den Hof – seine Chance für den gesellschaftlichen Aufstieg. Dabei findet er sie und ihr Umfeld eigentlich unerträglich.

„Es gibt keine nur böse Figur“, ist Oliver Urbanski überzeugt. Deshalb fragt er bei jeder seiner Rollen nach der Motivation der Figur, nach ihren Hintergründen, ihrer Lebensgeschichte. Phöbus habe sicher schlimme Erfahrungen im Krieg gemacht. Er sei traumatisiert und suche eigentlich eine Gefährtin, könne das aber nur durch den Wunsch, mit Esmeralda ins Bett zu gehen ausdrücken. „Ich glaube, er empfindet wirklich etwas für Esmeralda, ist berührt von ihrer völligen Hingabe“, sagt Urbanski, auch wenn seine Figur sich feige zurückziehe, als Esmeralda an den Pranger gestellt werde.

Oliver Urbanski als Phöbus de Châteaupers in „Notre Dame“.
Oliver Urbanski als Phöbus de Châteaupers in „Notre Dame“. © Steffen Sennewald

Oliver Urbanski spielt besonders gerne tragikomische Rollen. „Die Absurdität des Lebens zu spielen macht am meisten Spaß. Da weiß man manchmal nicht, ob man lachen oder weinen möchte. Dieses Gefühl ist mir nah“, erklärt der Schauspieler.

Bei der Entscheidung für eine Rolle ist ihm aber auch wichtig, wer Regie führt und wer sonst noch mitspielt. „Eine Rolle gestaltet man nicht alleine, das ergibt sich im Austausch mit den Kollegen“, sagt Urbanski. Die Zusammenarbeit mit Regisseur Joern Hinkel und dem Ensemble in Bad Hersfeld hat er als besonders positiv erlebt. „Da ist keine Diva dabei“, sagt er. Und auch die Qualität der Gewerke, also Bühnenbild, Technik, Kostüm oder Maske, erlebt er in Bad Hersfeld als beeindruckend. „Es ist ein großes Glück, in einer so großen Produktion mitwirken zu dürfen. Hier wird gute Arbeit ermöglicht“, lobt Urbanski.

Er freut sich, dass das Publikum bereit ist, sich auf diese Version von Victor Hugos Roman einzulassen, die nicht so romantisch und verkitscht ist, wie die bekannten Filme. Für ihn ist es nicht nur wichtig, das Publikum zu unterhalten, sondern es zu berühren, zum Nachdenken zu bewegen, die Probleme von Ausgrenzung, Vorurteilen und Rassismus deutlich zu machen. Oliver Urbanskis Leidenschaft gehört nicht nur dem Theater, sondern auch der Musik. Schon als Kind hat er angefangen Saxofon zu spielen und hat sich mit Auftritten in einer Jazz-Band während seines Studiums an der Ernst-Busch-Hochschule seinen Lebensunterhalt verdient. Seine Familie – der Vater Rohrleger, die Mutter Friseurin – habe das nie wirklich verstanden, sagt er. Inzwischen hat Urbanski, der auch komponiert, mehr als 50 Theaterstücke vertont. Neben seinem Engagement in Bad Hersfeld steht er in Berlin als Conferencier im Musical „Cabaret“ auf der Bühne – „eine Traumrolle“, findet er. Er ist Gastdozent an der Ernst-Busch-Hochschule und arbeitet auch viel als Sprecher. (Christine Zacharias)

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