Erneut Streik am größten deutschen Amazon-Standort in Bad Hersfeld

Bad Hersfeld. Im Streit um einen Tarifvertrag bei Amazon versucht die Gewerkschaft Verdi den Druck wieder zu erhöhen. In Bad Hersfeld und Leipzig wird wieder gestreikt. Den Branchen-Riesen lässt das unbeeindruckt.

Im Kampf um einen Tarifvertrag sind Mitarbeiter des Versandhändlers Amazon am größten deutschen Standort in Bad Hersfeld erneut in den Streik getreten. Der Ausstand solle von Freitagmorgen bis Samstagabend dauern, wie die Gewerkschaft Verdi mitteilte. Auch in Leipzig wurde am Freitag gestreikt.

Laut Verdi nahmen im Tagesverlauf rund 500 Beschäftigte am Streik in Bad Hersfeld teil. Nach Angaben von Amazon sind es hingegen in Bad Hersfeld und Leipzig weniger als 630 Beteiligte gewesen. Der Versandhändler sprach von einer "verhaltenen Streikbeteiligung" in dem seit mehr als zwei Jahren anhaltenden Tarifkonflikt. "Amazon sieht, dass die meisten Beschäftigten arbeiten", erklärte Mechthild Middeke, hessische Verdi-Gewerkschaftssekretärin im Fachbereich Handel, die unterschiedlichen Bewertung. "Wir schaffen es nicht, den ganzen Laden lahmzulegen", sagte sie.

Verdi bezieht Amazon derzeit in die allgemeine Tarifrunde im Einzel- und Versandhandel Hessen ein. Gefordert wird eine Erhöhung der Löhne und Gehälter um 5,5 Prozent, mindestens jedoch 140 Euro. Für die rund 10 000 Amazon-Mitarbeiter in Deutschland will Verdi ebenfalls eine Bezahlung nach dem Einzelhandelstarif durchsetzen. Der Internetversandhändler sieht sich jedoch als Logistiker. "Wir bezahlen am oberen Ende dessen, was für vergleichbare Tätigkeiten üblich ist", sagte Amazon-Sprecherin Anette Nachbar.

Mitarbeiter starten Amazon zufolge mit einem durchschnittlichen Basislohn von umgerechnet 10,09 Euro brutto pro Stunde. Nach zwei Jahren seien es bis zu 12,69 Euro. Hinzu kämen Extras wie Bonus, Sonderzahlung zu Weihnachten, Mitarbeiter-Aktien, Gratis-Versicherungen, ein Pensionsfonds und Mitarbeiterrabatte. "Inklusive dieser Extras verdienen Mitarbeiter nach zwei Jahren durchschnittlich 2265 Euro brutto pro Monat", sagte Nachbar. Gewerkschaftssekretärin Middeke kritisierte aber: "Amazon wendet keine Tarifverträge an und verschafft sich durch niedrigere Löhne Kostenvorteile." (dpa)

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