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Zwischen den Jahren: Es ist aller höchste Zeit, umzudenken

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Von: Christine Zacharias

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Christine Zacharias
Christine Zacharias © Maaz, Nadine

In ihrer Kolumne „Zwischen den Jahren“ befasst sich Christine Zacharias mit Krieg, Zeitenwende und Klimakrise.

Zeitenwende ist ein Begriff, der in diesem Jahr oft zu hören war. Er wurde von der Gesellschaft für deutsche Sprache zum Wort des Jahres gekürt. In der Tat erleben wir zurzeit eine Zeitenwende, eine Periode, in der sich vieles, was bisher selbstverständlich war, verändert.

Das gilt nicht nur für den russischen Angriffskrieg in der Ukraine, der uns jeden Tag mit neuen Grausamkeiten erschüttert und viele Menschen zu der Erkenntnis gebracht hat, dass „Frieden schaffen ohne Waffen“ möglicherweise im Angesicht eines Aggressors wie Putin nicht der ideale Weg ist. Auch ich, seit den 1980er Jahren friedensbewegt, habe jahrzehntelange Grundüberzeugungen über Bord werfen müssen. Großen Respekt habe ich in diesem Zusammenhang vor unserem Bundestagsabgeordneten Michael Roth, der sehr früh und sehr klar seine inneren Kämpfe und seine Position deutlich gemacht hat.

Die Erkenntnis, dass nach Jahrzehnten des Friedens nun wieder ein Krieg in Europa tobt, der auch unseren Frieden, unsere Sicherheit und unseren Wohlstand bedroht, hat viele Menschen tief erschüttert. Das Bedürfnis ist groß, soweit wie möglich weiterzumachen wie vorher. Schließlich hatte schon die Corona-Pandemie unser aller Leben ordentlich durcheinandergewirbelt und uns mit Gefahren für Leben und Gesundheit und Einschränkungen konfrontiert, die wir so nicht kannten.

Doch Zeitenwende heißt auch, dass es eben nicht so weiter geht wie bisher. Anzeichen dafür sind überall festzustellen: Der Materialmangel bei Medikamenten und in der Industrie ist ein Indiz dafür, dass Handel, Produktion und internationale Beziehungen neu gedacht werden müssen. Der sterbende Wald, der Wassermangel, die sich häufenden Extremwetterereignisse sollten auch dem Letzten deutlich machen, dass der Klimawandel real ist und uns alle bedroht. Konsequentes Handeln ist gefragt, auf allen Ebenen, doch daran hapert’s leider. Tempolimit einführen als billige und wirksame Maßnahme für den Klimaschutz? Nicht für die deutschen Autofahrer. Statt der Flugreise in den Süden lieber in der Rhön wandern? Den Urlaub haben wir uns doch wirklich verdient. Aufs Silvesterfeuerwerk verzichten, weil’s der Umwelt schadet, Tiere quält und bei den Kriegsflüchtlingen aus Syrien und der Ukraine schreckliche Erinnerungen weckt? Wir lassen uns den Spaß von niemandem nehmen.

Die Zeitenwende trifft uns alle. Und wir können nicht mehr sagen, wie noch unsere Eltern und Großeltern: „Die Kinder sollen’s mal besser haben.“ Denn das wird nicht klappen.

Umso schöner ist es, dass trotz alledem Kinder auf die Welt kommen. Bei uns in der Redaktion von HZ und HNA waren es in diesem Jahr Hannah, Paula, Elias und Aaron. Wenn das kein Grund zu Freude und Optimismus ist?

Neben all den Entwicklungen, die Angst und Sorge machen, gibt es zum Glück auch immer wieder Positives auf lokaler Ebene. In der jahrelang von Streit geprägten Kommunalpolitik in Kirchheim gibt es ein offenkundiges Bemühen um Zusammenarbeit, um nur ein Beispiel zu nennen. Und Bad Hersfelds neue Bürgermeisterin Anke Hofmann ist schon vor Beginn ihrer Amtszeit sehr präsent bei vielen Veranstaltungen und zeigt Interesse an den Menschen und ihren Anliegen.

Hoffen wir also auf ein gutes und friedliches Jahr, in dem sich jeder an seiner Stelle darum bemüht, die Welt ein wenig besser zu machen.

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