Kolumne: Am Ende eines Annus horribilis

Zwischen den Jahren: Es kann nur besser werden

In seiner Kolumne „Zwischen den Jahren“ lässt Kai A. Struthoff die zurückliegenden Monate im Zeichen der Corona-Pandemie Revue passieren.

Was für ein Jahr! Corona, Corona, Corona – aber ein Ende ist vielleicht endlich in Sicht. Wie gern hätten wir in diesem Jahr über andere, über „normale“ Themen berichtet. Aber leider können wir uns das nicht aussuchen. In unserem Jahresrückblick, der heute der HZ beiliegt, haben wir versucht, dieses Jahr unter verschiedenen Gesichtspunkten einzuordnen. Aber das Oberthema ist immer das Gleiche: Corona. Was bleibt also am Ende dieses Annus horribilis?

Vielleicht die Erkenntnis, dass wir fortschrittsgläubigen Menschen doch nicht allmächtig sind? Etwas Demut vor unserem Dasein? Und möglicherweise Mitgefühl für all jene, denen es – nicht nur in Corona-Zeiten – viel schlechter geht als uns.

Auf jeden Fall ist da Dankbarkeit für die stillen Helden dieses Jahres: Krankenschwestern und -pfleger, Notfallsanitäter, die Mitarbeiterinnen von Senioreneinrichtungen, aber auch für Physiotherapeuten, Verkäuferinnen, Logistikmitarbeiter, für Busfahrer und all jene, die sonst nie genannt werden und deren Arbeit uns erst dann schmerzlich fehlt, wenn sie nicht mehr geleistet werden darf. Wenn uns dieses Jahr etwas gezeigt hat, dann ist es die Ungerechtigkeit eines Systems, das plötzlich Menschen als „relevant“ erklärt hat, die sonst zu oft vergessen werden. Sie alle verdienen mehr als Applaus vom Balkon. Hoffentlich vergessen wir das nicht, wenn die Pandemie vorüber ist.

Ein Dank gebührt aber auch jenen, die sonst stets gescholten werden: Unseren Politikern, allen voran denen in Berlin und Wiesbaden, aber ganz besonders auch den Ehrenamtlichen hier vor Ort, die in dieser schweren Zeit eine große Verantwortung auf sich genommen und dafür gesorgt haben, dass es trotz allem weiter läuft, obwohl sie vermutlich auch nicht immer wussten, ob sie auf dem richtigen Weg sind. Klar, man kann manche Entscheidung kritisieren. Und natürlich wird auch mir Angst und Bange ob der Milliarden, die jetzt auf Pump rausgehauen werden und die wir, vor allem aber unsere Kinder, zurückzahlen müssen. Dennoch sollte jeder, der „die da oben“ kritisiert, sich in deren Lage versetzen. Es ist aller Ehre wert, Verantwortung zu übernehmen und unbequeme Entscheidungen zu treffen. Davor habe ich großen Respekt.

Vielleicht hat dieses Corona-Jahr aber doch etwas Gutes, dann nämlich, wenn wir wieder zu schätzen wissen, was uns selbstverständlich vorgekommen ist. Die Umarmung von guten Freunden, das gemeinsame Essen in unseren gastlichen Restaurants, den Einkaufsbummel in unserer Fußgängerzone, Kunst und Kultur – und hier vor allem unsere Festspiele mit den Schauspielern, die in diesem Jahr hart gebeutelt wurden. Unsere Kliniken mit ihren engagierten Mitarbeitern, die trotz aller (finanziellen) Probleme gerade in der Krise funktioniert haben. Aber auch die Wertschätzung für die Natur vor unserer Haustür, obwohl ich mich auch nach Reisen „zum anderen Ende der Welt“ sehne.

Es ist alles eine Frage der Perspektive. Aber es hilft, mal nicht von oben herab auf die Welt zu sehen, sondern hilflos und klein von ganz unten. Nur dann kann man wachsen. Ich wünsche Ihnen, liebe Leserinnen und Leser, im Namen der ganzen HZ-Redaktion, einen guten Rutsch ins Jahr 2021. Es könnte auch bei uns viel schlechter sein, uns härter treffen. Trotzdem glaube ich ganz fest: 2021 kann nur besser werden. (Kai A. Struthoff)

Rubriklistenbild: © Ludger Konopka

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