AMERICAN FOOTBALL

Bei Christoph Wiegand kribbelt´s noch

Christoph Wiegand (Zweiter von rechts) als Trainer der Bad Hersfeld Raiders.
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Einmal Christoph Wiegand (Zweiter von rechts) als Trainer der Bad Hersfeld Raiders ...

Christoph Wiegand (37) erinnert sich fünf Jahre nach der Team-Auflösung noch immer gern an American Football in Bad Hersfeld.

Bad Hersfeld – Berlin, Stuttgart, Frankfurt, Köln: Nicht nur in den USA, sondern auch in vielen deutschen Städten wird mit Begeisterung American Football gespielt. Dabei ist der Sport nicht nur in den Großstädten vertreten, sondern auch im ländlichen Bereich. Bis vor knapp fünf Jahren gab es ihn auch vor Ort: Am Eichhof spielten die Bad Hersfeld Raiders.

Zwei Jahre lang wurde hier die „Pille“ geworfen – eine schöne Zeit, wie Christoph Wiegand findet. Der 37-Jährige war damals Spieler und Trainer und auch Gründungsmitglied des Vereins. Kumpels hätten die Idee gehabt, eine Mannschaft zu gründen, erinnert er sich. Mit vielen Neulingen sei das Team schnell mehr als 50 Spieler stark gewesen.

„Nach zwei Jahren mussten wir leider wieder aufhören, weil uns zu viele Spieler wegen Ausbildung und Co. fehlten. Außerdem war vorgeschrieben, dass ab dem zweiten Jahr eine Jugendmannschaft gestellt werden muss, was vielen Eltern wegen langer Fahrzeiten oder Ausrüstungskosten zu viel Aufwand war“, berichtet er. „Das war schade, denn der Nachwuchs war da und die Jungs der ersten Mannschaft waren wirklich sehr motiviert. Ich glaube, zwei, drei Jahre länger und wir hätten richtig was reißen können.“

Wiegand selbst blickte schon damals auf eine lange Football-Laufbahn zurück. Im Grundschulalter von Eiterfeld in die USA ausgewandert, lernte er dort den Sport kennen und lieben - zunächst als Backyard Football, einer kindgerechten Variante mit vereinfachten Regeln. Zurück in Deutschland besuchte er in Schweinfurt die Middle School: „Da haben wir jeden Tag draußen gespielt, zum Teil auch zusammen mit den Soldaten.“ „Richtig angefangen“ habe dann alles auf der High School, auf die er bis 2001 in Bamberg ging.

Nach hartem Training – beim Bankdrücken stemmte er 160 Kilo, an der Beinpresse schaffte er 350 – war er in seinem letzten Jahr Team Captain der Schule und galt als einer der stärksten Spieler der Region. „In dem Jahr bin ich auch zum All Europe Linebacker ausgezeichnet worden, weil ich in vielen Statistiken vorn lag“, erzählt er. Gern denkt er noch heute an diese Zeit zurück: „Klar wäre ich damals am liebsten Profi geworden, wer träumt in der Jugend nicht davon? Viele US-Soldaten meinten, ich sei talentiert, vielleicht hätte ich eine echte Chance gehabt.“

... und einmal Christoph Wiegand als aktiver Spieler (rechts).

Mit dem Wechsel in die erste Bamberger Herrenmannschaft, die zu diesem Zeitpunkt in der Europa Liga spielte, bot sich nach der Schule eine gute Perspektive - doch das Nicht-Verlängern der Green Card für die USA machte den Traum von einer College-Karriere zunichte. Statt in die USA kehrte er also in unsere Region zurück und ließ nach einigen erfolgreichen Jahren in Fulda am Eichhof die Bad Hersfeld Raiders entstehen. Nach weiteren drei Jahren bei den Wetzlar Wölfen machte er schließlich mit dem aktiven Football Schluss – mit Schichtarbeit und einem kleinen Sohn sei der Sport immer schwieriger zu vereinbaren gewesen.

Sein Sohn ist es auch, der in diesen Tagen in Wiegands Freizeitgestaltung die größte Rolle spielt. Daneben ist Football nach wie vor ein Thema, vor dem Fernseher verfolgt er oft die Spiele der US-Liga NFL. Aktiv ist er inzwischen nur noch im eigenen Keller: Gewichte stemmen steht da auf dem Programm. „Damit ich noch ein bisschen in Form bleibe und die Gelenke in meinem Alter nicht so wehtun“, sagt er und lacht.

Ob das Thema Football komplett abgeschlossen ist? Der Kontakt zu alten Teamkameraden sei nach wie vor vorhanden, konkrete Pläne gebe es jedoch nicht. „Es kribbelt aber schon noch“, gibt er zu. „Ich würde gerne noch mal spielen.“

... und einmal Christoph Wiegand als aktiver Spieler (rechts).

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