Politischer Streit um Zeitpunkt der Vertragsverlängerung

Festspiel-Intendant Joern Hinkel wird in Bad Hersfeld zum Wahlkampfthema

Das Foto zeigt den Festspiel-Intendanten Joern Hinkel mit einem Mikrofon auf der Bühne.
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Alle wollen Joern Hinkel: An der Verlängerung des Anstellungsvertrags mit dem erfolgreichen Intendanten der Bad Hersfelder Festspiele gibt es eigentlich keinen Zweifel. Nur der Zeitpunkt – kurz vor der Kommunalwahl – ist umstritten.

Kurz vor der Kommunalwahl ist in Bad Hersfeld politischer Streit um die Verlängerung des Anstellungsvertrags mit Festspiel-Intendant Joern Hinkel entbrannt.

Bad Hersfeld - Obwohl ihn alle loben und sich einig sind, dass Joern Hinkel auch künftig das Theaterfestival in Bad Hersfeld leiten soll, dringen FDP, FWG und UBH darauf, den Vertrag jetzt umgehend zu verlängern.

CDU, SPD und Grüne hingegen meinen, „städtische Personalverhandlungen haben in der Öffentlichkeit nichts zu suchen und dürfen schon gar nicht auf dem Rücken des Betroffenen in den Wahlkampf gezerrt werden“. Sie wollen die Vertragsverlängerung von einem neu gewählten Stadtparlament im Mai beschließen lassen. Es bestehe keine Eile, da sich ohnehin alle einig sind.

Vorgeprescht war trotzdem die FWG-Fraktion, die in einer Pressemitteilung die bislang im Magistrat geführte Auseinandersetzung öffentlich gemacht hatte.

Der Vertrag mit Joern Hinkel läuft bis September 2022, heißt es im Rathaus auf Anfrage der HZ. Sollte der Vertrag mit dem amtierenden Intendanten nicht verlängert werden, müsste jetzt die Suche nach einem Nachfolger beginnen, weil ein neuer Intendant für die Saison 2023 in der Spielzeit 2021 die Abläufe und Gegebenheiten kennenlernen und spätestens im Frühjahr 2022 mit eigenen Planungen für 2023 beginnen müsste. „Dieser Planungsvorlauf von eineinhalb bis zwei Jahren ist auch mehrfach in den politischen Gremien dargelegt worden“, erklärt Bürgermeister Thomas Fehling.

„Ich stehe einer Vertragsverlängerung mit Joern Hinkel sehr positiv gegenüber. Er ist der richtige Mann an der richtigen Stelle. Ich bin eindeutig für eine Vertragsverlängerung mit Joern Hinkel als Intendant der Bad Hersfelder Festspiele“, stellt Fehling klar. Auch die FWG hatte in einer Pressemeldung die „umgehende Vertragsverlängerung“ gefordert und Hinkel als „Juwel im Amt“ bezeichnet. „Damit jetzt für Joern Hinkel und das gesamte Team Planungssicherheit geschaffen und zusätzlich ein klares Zeichen der Politik gesetzt wird, muss umgehend der Intendantenvertrag verlängert werden“, so die klare Aussage von Jürgen Richter.

Für die FDP spricht sich Bernd Böhle für die sofortige Vertragsverlängerung aus. „Für eine Verschiebung der Entscheidung auf einen Zeitpunkt nach den Kommunalwahlen sehen wir keinen Grund“. Böhle fürchtet, „dass sich Herr Hinkel möglicherweise woanders hin bewirbt.“

Für die UBH fordert deren Vorsitzender Hans-Jürgen Schülbe SPD, CDU und Grüne auf, ihre „ablehnende Entscheidung“ umgehend zu korrigieren und der Vertragsverlängerung des Intendantenvertrages zuzustimmen. „So darf man nicht mit einem erfolgreichen Intendanten umgehen.“ Das schade den wichtigen Festspielen.

„Niemand hat sich gegen eine Vertragsverlängerung mit Joern Hinkel ausgesprochen – wir vertrauen ihm“, stellt Karsten Vollmar (SPD) klar. „Doch welcher Arbeitnehmer möchte sein Arbeitsverhältnis in der Öffentlichkeit diskutiert sehen?“

Andrea Zietz von den Grünen moniert, dass mangels eigener Ideen von FWG, FDP und UBH „jetzt wieder die Festspiele ins Kreuzfeuer gestellt werden“. Für die CDU betont Fraktionschef Andreas Rey: „Auch wir schätzen Joern Hinkel sehr. Er ist nicht nur für die Festspiele da, sondern auch als Mensch für Bad Hersfeld ein Gewinn.“

Man wehre sich jedoch dagegen, „den Magistrat von außen zu bedrängen“, meint Rey mit Blick auf die Pressemeldung der FWG. Es liege am Verhandlungsgeschick des Bürgermeisters, einen für Stadt und Festspiele guten Vertrag vorzulegen.

Der FWG werfen CDU, SPD und Grüne vor, Joern Hinkel zwar überschwänglich zu loben, aber das Lob werde gleichzeitig mit dem Verzicht auf Vertraulichkeit gegenüber seinem Arbeitsverhältnis vergiftet. „Wir machen hier nicht mit. Die Festspiele und der Intendant sind zu wichtig für unsere Stadt, als dass wir sie zum willkürlichen Spielball des bald endenden Wahlkampfs machen lassen“, stellen Rey, Vollmar und Zietz klar.

Joern Hinkel reagiert gelassen

Festspiel-Intendant Joern Hinkel selbst reagiert gelassen auf die Debatte um die Verlängerung seines Anstellungsvertrags. „In Bad Hersfeld kann mich so leicht nichts mehr überraschen“, sagt er mit Blick auf die oft hitzig geführten Debatten in der Stadtpolitik über die Bad Hersfelder Festspiele. Gleichzeitig stellt er klar: „Alle Fraktionsvorsitzenden hatten und haben mir ihre Unterstützung zugesichert, es waren sehr positive Gespräche. Deswegen sehe ich die Debatte gelassen, es gibt für mich aktuell keinen Grund, an der Unterstützung durch die Politik zu zweifeln“, so Hinkel auf Anfrage unserer Zeitung.

Er habe bereits Ende des vergangenen Jahres angeregt, über eine mögliche Verlängerung zu sprechen. „Es ist ein normales Prozedere, sich zwei Jahre vor Vertragsende darüber Gedanken zu machen, wie es weitergehen soll. In der Regel brauchen Gespräche und Bewerbungen um Intendantenposten eine Laufzeit von zwei Jahren“, erklärt Hinkel. Er selbst arbeite mit seinem Team an der kommenden Spielzeit. „Wir konzentrieren uns gerade im Lockdown auf unsere nächste Festspielsaison, das ist Herausforderung genug.“ (Kai A. Struthoff)

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