70. BAD HERSFELDER FESTSPIELE

Tänzerin auf der Weltbühne: Musical-Profi Eva Zamostny fühlt sich in Bad Hersfeld zu Hause

Das Bild zeigt Eva Zamostny in Yoga-Pose auf dem Rasen vor der Stiftsruine.
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Top-fit und sehr charmant: Die Weltbürgerin Eva Zamostny aus Wien, hier in Yoga-Pose auf dem Rasen vor der Stiftsruine. Das komplette Bild sehen Sie, wenn Sie auf das Kreuzchen oben rechts klicken.

In jungen Jahren gab Eva Zamostny Nachhilfe, um Geld für Tanzkurse zu verdienen. Inzwischen steht sie seit 16 Jahren auf den Musicalbühnen in Deutschland und Österreich.

Bad Hersfeld – Die Festspielstadt ist für Eva Zamostny längst schon ein Stück Heimat. Und das ist ein Kompliment. Denn die blonde Wienerin führt ein rastloses Leben und ist eigentlich ständig unterwegs. „Bad Hersfeld ist mein zweites Zuhause, inzwischen habe ich hier ja auch schon Jahre verbracht“, erzählt sie in charmantem Wienerisch.

Zum sechsten Mal steht Eva Zamonstny auf der Bühne in der Stiftsruine. Sie tanzte in „Cabaret“, „My Fair Lady“, „Hair“ und jetzt in „Goethe!“. Ihre Leidenschaft für das Musical hat sie früh entdeckt. Sie sang im Kinderchor und tanzte, was das Zeug hielt. „Es hat mich gepackt, deshalb habe ich als Zwölfjährige bei der Caritas geholfen und später Nachhilfe gegeben, um Geld für Tanzkurse zu verdienen. Meine Eltern haben mich zwar immer unterstützt. Aber wir waren ja drei Schwestern zu Hause.“

Nach ersten Auftritten in Kindermusicals, nach Schauspielworkshops und Privatstunden bei einer Tanzlehrerin bestand Eva Zamostny nach dem Abitur die Aufnahmeprüfung zur Tanz-, Gesangs- und Schauspielausbildung an den Performing Arts Studios Vienna. „Mit 21 war ich fertig und habe in ,Mamma Mia‘ gespielt.“ Seit 16 Jahren steht sie inzwischen auf den Musicalbühnen in Deutschland und Österreich.

Musical-Tanz ist wie Hochleistungssport und zuweilen auch Raubbau am eigenen Körper. Deshalb arbeitet Eva Zamostny täglich hart dafür, um fit zu bleiben. Allein die Proben dauern oft mehr als acht Stunden täglich, nebenbei geht sie auch joggen oder macht Yoga – und sie gönnt ihrem Körper regelmäßige Auszeiten zwischen den einzelnen Engagements.

Ohnehin ist Eva Zamostny nicht allein „nur“ Musical-Darstellerin, sondern auch ausgebildete Yoga-Lehrerin und gelernte Masseurin. Das kommt vor allem bei ihren Kollegen gut an, denen sie bei kleineren Blessuren helfen kann. „Tanzen auf der nassen Bühne ist wie Holiday on Ice“, sagt Eva Zamonstny. Hinzukommen etwa beim Musical „Goethe!“ schwere Requisiten, „Kleider noch und nöcher“ und der Stress hinter der Bühne beim Umziehen. „Tanzen ist nach außen gekehrte Energie pur, Yoga und Massage hingegen sind Meditation. Man spürt in sich hinein, verharrt im Moment, ohne die äußeren Einflüsse zu spüren“, erzählt sie. In diesen stillen Momenten der inneren Einkehr spürt sie dann auch ihr Fernweh.

Sie spricht Englisch, ein wenig Spanisch und ganz gut Portugiesisch, „was bei den Eisverkäufern in Bad Hersfeld gut ankommt“, wie sie lachend erzählt. Ihre Abenteuerlust lebt sie meist in fernen Ländern aus. „Je weniger in meinem Rucksack ist, desto freier fühle ich mich.“ So reiste sie sieben Monate durch Südostasien, war ein halbes Jahr in Südamerika und machte Inselhüpfen zwischen La Reunion, Mauritius und Madagaskar.

Dabei engagiert sich Eva Zamostny gern auch vor Ort für soziale Projekte. Sie hat Schlammhäuser in Laos gebaut, mit Schulkindern in Indonesien beim Projekt „Plastic Heros“ Plastikmüll gesammelt oder einfach nur in Schulen in entlegenen Ecken der Welt ein paar Englisch-Stunden gegeben. „Mir liegt vor allem die Natur am Herzen, aber ich bin auch Feministin und gegen Rassismus.“

Auf ihren Reisen ist sie meist allein unterwegs. Ihre oberste Maxime lautet deshalb: Sei nicht dumm! Und sie sucht Kontakt und Rat bei den Einheimischen. Dabei hilft ihr das Netzwerk der „Couch-Surfer“, eine Internetplattform, die Übernachtungsmöglichkeiten vermittelt. „Man trifft dabei Menschen aller Schichten, mit denen man sonst keinen Kontakt hätte und die sich oft selbst keine Reisen leisten können.“

In Brasilien schlief sie so beispielsweise mit drei anderen Leuten auf dem Boden in einem Zimmer, ein anderes Mal übernachtete sie in einer Werkstatt. „Diese Menschen haben meist selbst nicht viel und doch teilen sie alles“, erzählt die Weltenbummlerin.

Nach ihrem Engagement in Bad Hersfeld hat Eva Zamostny erst mal etwas Pause, bevor sie an der Volksoper in Wien in „Cabaret“ auf der Bühne steht. Corona schränkt die Reisemöglichkeiten immer noch stark ein. „Jetzt ist nicht die Zeit zum Couchsurfen in fernen Ländern“, sagt sie wehmütig und überlegt, „vielleicht nach Portugal zu fahren, um dort Surfen zu lernen“.

Egal wohin der Wind sie weht. Eine Botschaft trägt sie dabei immer in ihrem leichten Gepäck: „Jeder kann etwas tun, um die Welt besser zu machen. Wir müssen aber damit anfangen, und nicht nur darüber reden.“ (Kai A. Struthoff)

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