Einer, der weiß, was er will

Festspielstar Karsten Speck hat keine Berührungsängste

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Fühlt sich wohl in Bad Hersfeld: Karsten Speck, der in „A long way down“ am Eichhof spielt.

Karsten Speck ist ein vielseitiger Künstler. Bei den Festspielen steht er im Eichhof in "A long way down" auf der Bühne. Wir erlebten ihn als einen, der weiß, was er will. 

Schauspieler, Moderator, Komponist, Entertainer: Karsten Speck macht vieles und lässt sich in keine Schublade stecken. Er spielt auf kleinen Bühnen ebenso wie auf großen, und sagt auch über sein Engagement bei den 69. Bad Hersfelder Festspielen: „Ich nehme das sehr, sehr ernst.“ Speck spielt im Eichhof-Stück „A long way down.“

In Bad Hersfeld ist Speck meist mit dem Rad unterwegs, untergebracht ist er privat. „Hotel geht nicht“, sagt der Schauspieler, der seiner verschiedenen Engagements wegen oft genug aus dem Koffer lebt. „Ich mache mir morgens gern selbst meinen Kaffee und mein Müsli, und mich muss auch niemand bedienen.“ Auch seine Wäsche wasche er selbstverständlich selbst, nur bügeln liege ihm nicht so, wie er lachend verrät.

Speck hat kein Problem damit, beim Einkaufen angesprochen zu werden, sein Gesicht und seine Stimme seien eben bekannt. Er schwärmt von der herzlichen Atmosphäre und hat festgestellt: „Man wird hier auf angenehme Weise begrüßt.“

Oft mit dem Rad unterwegs

Mit dem Rad ist er auch vor Probenbeginn schon zum Schloss Eichhof gefahren, wo er sich ganz allein auf die bereits vorhandene Bühne gestellt und die Akustik getestet habe. Die Arbeit mit Christian Nickel als Regisseur schätze er sehr. Auch er selbst sei keiner, dem es reicht, zu wissen, ob er von links oder rechts auftreten soll. Voll des Lobes ist Speck zudem für Martin Kinzlmaier, der für Bühne und Kostüm verantwortlich ist.

Die immerhin 30 Aufführungen schrecken den Profi nicht. Er sei Tourneeproduktionen mit 100 bis 150 Vorstellungen gewöhnt, zuletzt moderierte er in München Alfons Schuhbecks Dinner-Show Teatro.

In der Tragikomödie „A long way down“ spielt Speck Martin, einen prominenten ehemaligen Talkmaster, der im Gefängnis saß, Familie und Karriere ruiniert hat und in der Silvesternacht von einem Londoner Hochhaus springen will. Ob er in seiner Rolle gewisse Parallelen zu seinem eigenen Leben sieht? Jein. „Die Figur hat nichts mit mir zu tun. Man muss kein Mörder sein, um einen Mörder zu spielen“, betont Speck, sagt aber auch: „Ich kann mir vorstellen, wie er sich fühlt und das sehe ich positiv. Ich glaube, es ist uns gelungen, die entscheidenden Charaktere herauszuarbeiten, und wir werden sie hoffentlich mit Leben füllen.“

Kein Schaden für die Karriere

Seiner eigenen Karriere hat seine Biografie offensichtlich nicht geschadet, er sei für die nächsten zwei Jahre ausgebucht. „Wie heißt es so schön: Lebenserfahrung ist die Summe der Fehler, die man, Gott sei Dank, macht. Ich bin robuster und gelassener geworden.“

Karsten Speck, so der erste Eindruck, ist jemand, der weiß, was er will, und der es nicht nötig hat, sich anzubiedern, wenngleich einiges dann doch nicht zum Mitschreiben ist. Im Gespräch gibt er bereitwillig kleine Kostproben seines Könnens, ob als Sänger oder „Dialekt-Experte“.

Schmunzeln kann Speck heute über einen kurzen Ausflug in die Schlagerwelt vor vielen Jahren. Doch für das eine oder andere entscheiden will er sich auch in Zukunft nicht. Die Vielseitigkeit mache den Reiz seines Berufs aus. Generalisten kritisch gegenüberzustehen, ist für ihn typisch deutsch („Jetzt turnt der auch noch.“) Nach Bad Hersfeld würde er jedenfalls gern wiederkommen.

Zur Person

Karsten Speck hat schon mit fünfeinhalb Jahren Klavierspielen gelernt, ab dem elften Lebensjahr folgte Gesangsunterricht. Nach einem zweijährigen Gesangsstudium an der Hochschule für Musik Hanns Eisler wechselte er an die Hochschule für Schauspielkunst Ernst Busch Berlin. Sein erstes Engagement führte ihn an das Berliner Kabarett Die Distel. Einem Millionenpublikum wurde er in den 90er-Jahren durch seine TV-Show Ein Kessel Buntes bekannt. Seit 1997 widmet er sich auch wieder mehr dem Schauspielerberuf. 

Er wirkte in über 90 TV- und Filmproduktionen mit. Man kennt ihn etwa aus Freunde fürs Leben, Drei Mann im Bett, Hallo Robbie und Das Traumschiff. Speck ist immer wieder auch als Entertainer und Moderator zu erleben, er komponiert regelmäßig Theater- und Filmmusiken und hat Engagements in diversen Theater- und Musicalproduktionen. In den 2000ern machte der TV-Star Schlagzeilen, weil er wegen Betrugs zu einer Freiheitsstrafe verurteilt wurde.

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