Die Rede von Klaus Otto im Original

Feuermeister kritisiert „traurige Lollswoche“ in Bad Hersfeld

Feuermeister Klaus Otto am gelöschten Fierche.
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Feuermeister Klaus Otto am gelöschten Fierche.

Obwohl das Lullusfest in diesem Jahr ausgefallen ist, hat Feuermeister Klaus Otto trotzdem eine Rede verfasst, die diesmal auf Video aufgezeichnet wurde.

Wir dokumentieren die Rede des Feuermeisters im Original. Das Video findet sich hier.

Liebe Lollsgemeinde, Bürgerinnen und Bürger der Stadt Bad Hersfeld und alle, die unser Fest im Herzen tragen!

Ich denke, dass sich wohl wieder eine traurige „Lollswoche“ nun dem Ende neigt!

Wer hätte je gedacht, dass wieder einmal ein Virus es schafft, unser geliebtes Fest ausfallen zu lassen!

Selbst die Kriegsjahre haben dies nicht vermocht!

Corona hin, Corona her, klar müssen wir uns alle an die vorhandenen Regeln und Verordnungen halten, aber für das älteste deutsche Volksfest wäre auch in diesem Jahr viel mehr drin gewesen!

So denke ich an die Versammlungen der Lullusfestkommission, in deren Verlauf unzählige Vorschläge und Alternativen besprochen und diskutiert wurden ... jedoch ohne Erfolg!

Ob es an der immer wieder auftauchenden Aussage lag, „es ist nicht genehmigungsfähig“ oder einfach nur am fehlenden Wille einiger, die am liebsten wiedermal alles abgesagt hätten. Oder lag es einfach nur daran, dass niemand bereit war, in irgendeiner Form eine Verantwortung zu übernehmen? Sehr schade!

Das, was letztendlich übrig blieb von unserem Fest, ist der andere Oktober, der uns zumindest ein wenig Lolls-Feeling ins Herz brachte und auch unser Fierche hat drei Tage gebrannt.

A Tribute to Lolls und auch alles vorher genannte sind lieb gemeinte Erinnerungen an unser Fest, aber sie spiegeln niemals die Tradition und auch nicht die Würde und den Stellenwert des Lullusfests wieder.

Unseren Schaustellern danke ich an dieser Stelle, dass sie trotz aller Widrigkeiten nach Bad Hersfeld gekommen sind, und ich bin froh, dass der andere Oktober gut angenommen wird.

So mancher der Stadtoberen sollte sich an dieser Stelle fragen, wie viel Stellenwert und Tradition das Lullusfest für ihn hat!

Ganz außergewöhnlich für mich persönlich ist die Tatsache, der Feuermeister zu sein, der beim Löschen des Feuers seine Ansprache alleine gehalten hat und das Feuer ohne irgendein städtisches Oberhaupt gelöscht hat.

Jedoch lasse ich mir es nicht nehmen, eine Ansprache zu halten und diese Worte an alle Lolls-Fans zu entrichten, wenn auch diesmal wieder in ganz anderer Art und Weise!

Lollsmontag, der wieder traurig genug war, war ich aber trotzdem angenehm überrascht, wie viele Menschen auf den Markt und Linggplatz kamen und friedlich ein wenig Lollsmontag feierten.

Lasst uns hoffen, dass diese Menschen weiterhin ihre Verbundenheit und Liebe zu unserem Fest nicht verlieren und uns weiterhin die Treue halten!

Nun mal ein paar Worte zu dem unrühmlichen Shitstorm, der im Zuge der Absage über unsere Verwaltung hereingebrochen ist: Liebe Leute, da habt Ihr die falschen gescholten. Weder Julia Scholz noch Helge Assi oder irgendein Anderer in der Verwaltung hat die erneute Absage befürwortet oder gar gewollt. Im Gegenteil: Sie haben für unser Fest gekämpft!

Diejenigen, die unser Fest – ja man kann sagen abgekanzelt haben – sitzen im Magistrat und in der Friedloserstraße, im Gesundheitsamt.

Sie haben alles dafür getan, die düstersten Szenarien zu malen ohne ein bisschen guten Willen und den Mut, zu unserem Fest zu stehen. Den Klopfer obendrauf hat dann noch schnell der Magistrat geliefert. Man hat nach der Sitzung der Lullusfestkommission, da man festgestellt hatte, dass man ja beschlussfähig ist, schnell eine Magistratssitzung anberaumt, um prompt die Absage des Lullusfests zu beschließen.

Besonderen Dank sag ich an dieser Stelle unserem Schaustellerpfarrer Volker Drewes und auch den Schaustellern und dem Lullusfestverein für die wirklich wunderschöne Ausgestaltung des Gottesdienstes am Sonntagabend!

Ein ganz besonderer Dank auch noch mal an alle, die das ganze Jahr mit uns versucht haben, zu retten, was zu retten ist. Das war trotz Allem eine tolle Leistung!

Lasst uns hoffen, dass wir im nächsten Jahr unser geliebtes Lullusfest wieder so feiern können, wie es unserem Fest gerecht wird: fröhlich, friedlich und gesund!

Lollsgemeinde, Bürgersleute,

Unsre schönste Lullusfreude,

die uns heilig ist und teuer.

Unser einzig Lullusfeuer,

konnte dieses Jahr nicht entzündet werden,

es blieb bedeckt mit Blumen und mit Erden.

Sollst nun weitere 361 Tage,

ruh’n im dunklen Schoss der Erde.

Die es hüte, die es trage,

bis dass hoffentlich bald ein neuer Lollstag

werde!

Begraben blieben Feuer und verkohltes Holz

und trotzdem rufen wir stolz:

unser Bruder Lolls

Enner, zwoon, dräi –

Bruder Lolls!

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