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Flucht, Vorurteile und Integration: Syrer haben in Hersfeld neue Heimat gefunden

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Von: Laura Hellwig

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Sie sind in Deutschland zuhause: Anas, Hanadeh Ibrahem, Abdulrahman und Mohammed Salim Abou Hamed.
Sie sind in Deutschland zuhause: Anas, Hanadeh Ibrahem, Abdulrahman und Mohammed Salim Abouhamed. © Laura Hellwig

Familie Abouhamed ist aus Syrien nach Deutschland geflüchtet. Anlässlich des Weltflüchtlingstags erzählen sie ihre Geschichte und wie Integration gelingen kann.

Bad Hersfeld – Über zwei Wochen waren Anas und Hanadeh Ibrahem Abouhamed mit ihren drei Kindern Abdulrahman (12), Mohammed Salim (19) und Jouna (20) auf der Flucht von Damaskus (Syrien) nach Europa.

Von Menschenhändlern wurden sie schlecht behandelt, sie wurden bestohlen, hatten tagelang nichts zu essen und zu trinken und sie hatten Angst, vor allem um die Kinder.

Anlässlich des Weltflüchtlingstages haben wir uns mit der Familie getroffen, um mit ihr über ihre Flucht, ihr Ankommen in Deutschland und Bad Hersfeld sowie über das Gelingen von Integration zu sprechen.

Bereits vor rund sieben Jahren kam Familie Abouhamed in den Landkreis Hersfeld-Rotenburg. Sie hat zunächst in Beiershausen und nun in Bad Hersfeld eine sichere Heimat gefunden. Jetzt warten sie darauf, dass sie die deutsche Staatsbürgerschaft erhalten. Die notwendigen Voraussetzungen haben sie erfüllt, der Antrag ist gestellt.

Hanadeh Abouhamed kommen bei den Erinnerungen und den Erzählungen über die Flucht noch immer die Tränen. Sie geht kurz in die Küche, wechselt ein paar Worte mit ihrem Sohn.

Vom Flüchtlingslager nach Beiershausen

Zuflucht hatte die Familie in Deutschland zunächst in einem Lager in Neu-Isenburg gefunden. Gemeinsam mit 700 weiteren Menschen. Nach einigen Wochen konnten sie dann in ihre eigene kleine Wohnung in Beiershausen ziehen. Dort gab es, genau abgezählt, für jeden ein Glas, eine Gabel, ein Messer, erinnert sich Hanadeh Abouhamed. Und dann begann der Prozess der Integration.

Genau genommen begann dieser Prozess erst zehn Tage nach der Ankunft in dem kleinen Dorf. Vorher hatte man sich offenbar nicht getraut, der fremden Familie zu begegnen, gar mit ihr zu sprechen, schildert die Familie. Irgendwann stand die Nachbarin mit einem Brot und Salz in den Händen vor der Tür. Ein Willkommensbrauch, der auch in Syrien verbreitet ist. Nach und nach knüpfte man Kontakte, auch zum CVJM.

Unser Gespräch findet im Wohnzimmer der Familie statt, Anas und Hanadeh Abouhamed und die beiden Söhne sind dabei. Jouna, die älteste Tochter, muss arbeiten. Hannadeh schenkt Kaffee ein, arabischen Kaffee, mit Kardamon.

Schließlich waren es auch die Nachbarn, die der Familie bei der Anmeldung der Kinder in Schule und Kindergarten geholfen haben. Anas Abouhamed sagt: „Integration funktioniert nicht allein durch den Besuch im Jobcenter und im Sozialamt, sondern durch den gegenseitigen Kontakt zu den Mitmenschen“.

Familie ist mit Vorurteilen konfrontiert

Nach Bad Hersfeld zog es die Abouhamends, weil sie dort auch ohne Auto selbstständiger sein konnten und es mehr Aktivitäten für die Kinder gab. „Wenn wir zu Fuß unterwegs waren, hatten die Menschen auf der Straße Angst vor uns“, berichtet Hanadeh Abouhamed.

In den vergangenen sieben Jahren hatte die dreifache Mutter verschiedene Jobs. Sie erzählt davon, dass sie immer und überall einhundert Prozent gibt, immer nett sein will, um bei den Deutschen einen positiven Eindruck von sich zu hinterlassen, denn sie sah sich oft als Stellvertreterin für „die Syrer“.

Immer wieder gab und gibt es Menschen, die der Familie mit Vorurteilen begegnen, allein aufgrund äußerlicher Merkmale. „Wir zahlen Steuern, gehen arbeiten, zahlen unsere Miete von unserem eigenen Gehalt“, sagt Anas Abouhamed.

Er wünscht sich, dass nicht mehr zwischen Menschen und Flüchtlingen unterschieden wird. „Wir atmen alle dieselbe Luft“.

Weltflüchtlingstag

Zum Weltflüchtlingstag macht der UNHCR (Flüchtlingskommissariat der Vereinten Nationen) jährlich am 20. Juni auf die Situation der 100 Millionen Geflüchteten weltweit aufmerksam. Nicht nur aus Syrien oder der Ukraine flüchten Menschen vor dem Krieg. Auch an vielen anderen Orten weltweit geraten Menschen in Not, werden verfolgt oder versuchen, den Folgen von Naturkatastrophen zu entkommen.

(Laura Hellwig)

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