Noch keine Genehmigung für Heim in ehemaliger Hoechst-Kantine

Flüchtlingsunterkünfte: Kreis steht unter Druck

Hersfeld-Rotenburg. Während die Zahl der Flüchtlinge aus Krisengebieten ständig zunimmt, steht der Kreis Hersfeld-Rotenburg zunehmend unter Druck, die geflohenen Menschen unterzubringen. Für den Bau der geplanten Gemeinschaftsunterkunft in der ehemaligen Hoechst-Kantine gibt es noch keine Genehmigung. Ein anderes Projekt in Rotenburg hat der Kreis nun abgelehnt.

Erste Kreisbeigeordnete Elke Künholz (SPD), die für die Flüchtlinge zuständig ist, bestätigte auf Anfrage unserer Zeitung, dass es beim Bad Hersfelder Projekt Probleme mit der Kanalisation und anderen Leitungen gibt, sodass die Stadt noch keine Baugenehmigung erteilt habe. Künholz geht aber davon aus, dass das Projekt noch dieses Jahr in Angriff genommen wird.

Währenddessen hat sie einem anderen Vorschlag eine Absage erteilt: Das Bebraer Unternehmen Horo von Architekt Helmut Holzhauer wollte im ehemaligen Kreisaltenzentrum am Rotenburger Kratzberg Wohnraum für bis zu 360 Flüchtlinge schaffen.

Horo wollte das Heim mit eigenem Personal betreiben und für Betreuung und Bildung der Flüchtlinge sorgen. Das Konzept sei grundsätzlich gut, sagte Künholz. Aber es entspreche nicht der Philosophie des Kreises, Flüchtlinge von Dritten betreuen zu lassen. Einen weiteren langfristigen Mietvertrag wie in Bad Hersfeld wolle der Kreis nicht eingehen.

Das Projekt wäre nur umgesetzt worden, wenn in der Alheimer-Kaserne Rotenburg keine Erstaufnahmeeinrichtung für Flüchtlinge geschaffen wird. Die Entscheidung, ob dort bis zu 800 Menschen untergebracht werden, soll demnächst fallen. Eine weitere Gemeinschaftsunterkunft will Künholz in Rotenburg nicht. Man dürfe Orte nicht überfrachten wie in Kirchheim, wo Flüchtlinge in Wohnungen, einer Gemeinschaftsunterkunft und einer Außenstelle der Gießener Erstaufnahmeeinrichtung untergebracht sind.

Das Bebraer Unternehmen Horo hat das ehemalige Kreisaltenzentrum in Rotenburg vor knapp einem Jahr für einen symbolischen Euro gekauft. Es plante nach Auskunft von Architekt Helmut Holzhauer eine Gemeinschaftsunterkunft für Flüchtlinge, die deren ethnischen und religiösen Hintergrund sowie Familienstand berücksichtige. Die Flüchtlinge sollten professionell betreut werden - auch psychologisch. Geplant waren Sprach- und Bildungsangebote sowie eine Hinführung zur Berufstätigkeit. Bei Horo spricht man von einem Leuchtturmprojekt und neuer Willkommenskultur. Vier Millionen Euro sollten investiert werden.

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