Fragen & Antworten zur geplanten Unterkunft in Ransbach

60 Flüchtlinge sollen in Sportgasthof unterkommen

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Soll ab Oktober Flüchtlingsunterkunft werden: Der Sportgasthof Deis im Hohenrodaer Ortsteil Ransbach.

Ransbach. Die geplante Unterbringung von bis zu 60 Flüchtlingen im Ransbacher Sportgasthof Deis beschäftigt die Einwohner. Wir beantworten die wichtigsten Fragen.

Längst nicht jeder Zuhörer fand am Montagabend im Bürgersaal einen Sitzplatz, als die erste Kreisbeigeordnete Elke Künholz und der Leiter des Fachdienstes Migration, Frank Hildebrand, über das Vorhaben informierten.

Sind die Verträge schon unter Dach und Fach? 

Nein. Eigentümer und Landkreis sind sich aber über die Konditionen einig. Am kommenden Donnerstag gibt es einen Besichtigungstermin mit Brandschutz, Veterinäramt und Bauaufsicht, die überprüfen, ob der Spotgasthof allen Regelungen für die Unterbringung und Verpflegung entspricht. Danach sollen die Verträge unterzeichnet werden. Die ersten Flüchtlinge treffen voraussichtlich Anfang Oktober ein.

Wie viele Flüchtlinge kommen nach Ransbach? 

Laut Elke Künholz ist die Unterkunft für bis zu 60 Einzelpersonen ausgelegt. Das entspreche bei rund 1300 Einwohnern einer Quote bon 2,1 Prozent. Sollten Familien in Ransbach untergebracht werden, reduziere sich diese Zahl. Durchschnittlich werden sich laut Künholz 40 Flüchtlinge zeitgleich in Ransbach aufhalten.

Aus welchen Ländern kommen die Flüchtlinge? 

Dazu konnten Künholz und Hildebrand keine Angaben machen. Der Kreis erhalte erst am Tag vor Ankunft eine Liste mit Name, Herkunft und Geschlecht. Ein Großteil der Asylsuchenden komme derzeit aus Syrien, dem Iran, Äthiopien und Afghanistan. Asylanträge von Flüchtlingen aus den als sicher eingestuften Balkanstaaten bearbeite das Land Hessen vordringlich. Dieser Personenkreis werde deshalb in der Regel nicht auf die Landkreise verteilt.

Wie lange bleiben die Flüchtlinge in Ransbach? 

Die Flüchtlinge, die dem Kreis vom Land aus Erstaufnahmeeinrichtungen wie Gießen oder Rotenburg zugewiesen werden, sollen zunächst im Sportgasthof untergebracht und dann auf geeignete Wohnungen im Kreisgebiet weiterverteilt werden. Die Flüchtlinge halten sich deshalb laut Künholz jeweils nur etwa zwei Wochen in Ransbach auf.

Wie werden die Asylbewerber vor Ort betreut? 

Künholz plant, vier Betreuer einzustellen. Ein Ansprechpartner soll an jedem Tag, allerdings nicht rund um die Uhr, vor Ort sein. Ferner werde ein Hausmeister gebraucht, der auch für Wohnungen in Heringen zuständig ist. Eine Hausdame soll vom Hotelbetreiber übernommen werden. Die Flüchtlinge sollen zentral mit Essen versorgt werden, das angeliefert wird. Dafür würden Ausgabekräfte benötigt. Über die Einstellung des Personals entscheidet der Kreisausschuss. Wegen der kurzen Aufenthaltsdauer sind in Ransbach keine Sprachkurse vorgesehen, wohl aber Orientierungskurse für richtiges Verhalten im Gastland.

Gibt es einen Sicherheitsdienst? 

Nein. Bisher sei das in den Unterkünften des Kreises auch nicht nötig gewesen, argumentierte Künholz. Garantieren könne sie für die Sicherheit der Ransbacher natürlich nicht – das gelte allerdings auch für Straftaten, die von Einheimischen begangen werden.

In den Heimatländern der Flüchtlinge gibt es Krankheiten, die hier als ausgerottet galten. Sind die Asylbewerber bei ihrer Ankunft bereits ärztlich untersucht? 

Im Normalfall würden die Flüchtlinge bereits in den Erstaufnahmeeinrichtungen der Länder auf ansteckende Krankheiten wie Tuberkulose untersucht, erläuterten Künholz und Hildebrand. Wegen des großen Zustroms komme es aber vor, dass vereinzelt auch Menschen vor einer ärztlichen Untersuchung den Kreisen zugeteilt werden. Deshalb untersuche und impfe das Gesundheitsamt alle im Kreis Ankommenden, berichtete Frank Hildebrand. Eine Gesundheitsgefahr oder die Notwendigkeit einer Tuberkuloseimpfung für die Bevölkerung sah Hildebrand nicht.

Wie ist die medizinische Versorgung geregelt? 

Die Flüchtlinge würden in der Regel von den örtlichen Ärzten betreut, erläuterte die erste Kreisbeigeordnete. „Es sei denn, der Arzt ist nicht bereit dazu“. Beim Arztbesuch würden die Flüchtlinge von – teils ehrenamtlichen – Übersetzern begleitet.

Bleibt es bei 60 Flüchtlingen oder kann diese Zahl noch steigen? 

Laut Künholz versuche der Kreis, den sozialen Frieden eines Dorfes nicht durch einen übermäßig hohen Flüchtlingsanteil zu gefährden. Wegen des weiter anhaltenden Zustroms und drohender Sonderzuweisungen durch das Land schloss sie aber nicht aus, dass weitere Wohnungen für Flüchtlinge auch in Ransbach oder einem anderen Hohenrodaer Ortsteil angemietet werden.

Wie reagierten die Ransbacher auf die Pläne? 

Die Stimmung im Bürgersaal war angespannt, die Diskussionen teils emotional. Dabei gab es im wesentlichen zwei Lager. Ein Teil der Anwesenden übte vehemente Kritik an den Plänen. Genauso vehement sprachen sich andere Ransbacher dafür aus, das beste aus der Situation zu machen und offen auf die neuen Mitbewohner zuzugehen. Für beide Positionen gab es Applaus aus dem Publikum.

Welche Bedenken wurden geäußert? 

Geäußert wurden Sorgen um die Sicherheit und gesundheitliche Risiken. Kritisiert wurde auch die kurze Aufenthaltszeit und die damit verbundene hohe Fluktuation der Asylbewerber. Zudem äußerten die Anwesenden globale Kritik, etwa an den Beweggründen zur Flucht, der Dauer der Asylverfahren oder an der Höhe des den Asylbewerbern zustehenden Taschengeldes im Vergleich zu anderen staatlichen Leistungen. In diesen Fällen konnte Künholz nur auf die Bundes- und Landespolitik verweisen.

G ab es weitere Kritikpunkte? 

Für Unruhe im Saal sorgte die Ankündigung der Kreisbeigeordneten, einen Fahrdienst für die Flüchtlinge zum Einkaufen in die Nachbargemeinden einzurichten, um den einzigen kleinen Laden im Ort nicht zu überfordern. Viele Ransbacher sprachen sich dafür aus, die Kaufkraft im Ort zu halten. „Das erleichtert uns die Arbeit“, kommentierte Künholz, die außerdem zusagte zu überprüfen, ob dennoch notwendige Fahrten auch von den örtlichen Senioren mitgenutzt werden können.

Wie kann das Zusammenleben erleichtert werden? 

Ehrenamtliches Engagement ist laut Künholz in Absprache mit den Betreuern ausdrücklich erwünscht. Wegen des kurzen Aufenthalts seien langfristige Angebote ebenso unpraktikabel wie größere Sachspenden. Denkbar seien aber Sprachkurse oder Sportangebote wie Joggen oder Fußballspiele.

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