Jugendschöffengericht

Frauen in der Stadt belästigt - Bad Hersfelder zu Jugendstrafe und Warnschussarrest verurteilt

Die Statue einer Frau ist vor blauen Himmel zu sehen, sie hält eine Waage in der linken Hand.
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Symbolbild: Eine Statue der Justitia hält eine Waage in ihrer Hand.

Zu einer Jugendstrafe in Höhe von sechs Monaten ist ein heute mutmaßlich 21-Jähriger aus Bad Hersfeld wegen mehrerer Straftaten verurteilt worden.

Hersfeld-Rotenburg - Vorgeworfen wurden dem jungen Mann eine exhibitionistische Handlung, Nötigung, Beleidigung, sexuelle Belästigung und Körperverletzung im Zustand verminderter Schuldfähigkeit. Die Strafe wurde auf drei Jahre zur Bewährung ausgesetzt, während der der 21-Jährige unter die Aufsicht und Leitung eines Bewährungshelfers gestellt wird. Zudem soll er einen zweiwöchigen Warnschussarrest absitzen. Weitere Auflagen bleiben bis nach dem Arrest vorbehalten.

Dass die Verhandlung vor dem Jugendschöffengericht am Amtsgericht Bad Hersfeld stattfand, lag daran, dass der Angeklagte den Großteil der ihm vorgeworfenen Taten noch als Jugendlicher oder Heranwachsender begangen hatte. Sechs Anklagen und neun Straftaten hatte Staatsanwältin Heike Meeuw-Wilken zunächst vorgetragen. Weil ein Teil im weiteren Verlauf der Hauptverhandlung eingestellt wurde, blieben letztlich aber nur noch fünf Taten zwischen 2017 und 2020 übrig.

Demnach soll der laut Zeugenaussagen stadtbekannte und vor Gericht zumindest teilgeständige 21-Jährige vier Frauen belästigt haben, indem er sie auf obszöne Art und Weise ansprach, einer bewusst den Weg versperrte, einer ans Gesäß fasste und vor der vierten provozierend an seinem Geschlechtsteil spielte. Die Körperverletzung war ein Tritt in den Rücken-/Beckenbereich eines Mädchens, das den Angeklagten zuvor aufgefordert haben soll, sich zu „verpissen“.

Eingestellt wurden neben einem Handydiebstahl 2015 in Rheine indes eine weitere Belästigung in Lauterbach sowie zwei weitere Vorfälle in der Bad Hersfelder Innenstadt, bei denen der Angeklagte Männer ähnlich obszön ansprach und in einem Fall ebenfalls vor dem Geschädigten onaniert haben soll. An dieses Geschehen in einer öffentlichen Toilette konnte sich der Zeuge zwar auch noch sehr gut erinnern, allerdings vermochte er den Angeklagten im Gerichtssaal nicht mehr zweifelsfrei zu identifizieren.

Eigentlich hätte sich der Angeklagte schon im April 2019 vor Gericht verantworten sollen, damals war er jedoch unentschuldigt nicht erschienen. Beim zweiten Versuch im Oktober 2019 mit Vorführung durch die Polizei wurde dann entschieden, ein Gutachten über den geistigen Zustand des jungen Mannes in Auftrag zu geben.

Ein ungewöhnlicher Fall

Als durchaus außergewöhnlichen Fall bezeichnete Richterin Michaela Kilian-Bock die Verhandlung gegen einen 21-Jährigen aus Bad Hersfeld, wobei schon das Alter und der Ausweis des Angeklagten für Irritationen gesorgt hatten.

Um keine weiteren Verzögerungen zu riskieren, war er auch diesmal in Handschellen vorgeführt worden und musste die Pausen zum Teil in der Zelle des Gerichts verbringen. Dafür erschienen drei Zeugen unentschuldigt nicht, was dazu führte, dass zwei Anklagepunkte schließlich eingestellt wurden.

Immer wieder grinste der Angeklagte im Laufe der Beweisaufnahme – vermutlich ein Ausdruck seiner verminderten Auffassungsgabe und keine Boshaftigkeit, so die Einschätzung des beauftragten Gutachters, Dr. Helge Laubinger aus Kassel. Der Psychiater hatte den jungen Mann lediglich im Beisein des Bruders untersuchen können, war aber zu dem Schluss gekommen, dass bei dem 21-Jährigen eine als Verhaltensstörung geltende Intelligenzminderung sowie Entwicklungsverzögerungen vorliegen. Auf weitere schwerere Straftaten, die eine Unterbringung rechtfertigen würden, deute allerdings nichts hin.

Negativ fiel jedoch die Prognose der Vertreterin der Jugendhilfe im Strafverfahren aus, die bei dem Angeklagten ebenso wie die Staatsanwältin schädliche Neigungen erkannte und am Erfolg erzieherischer Maßnahmen zweifelte, zumal er auch bisher keine Gesprächstermine wahrgenommen habe.

Mit dem Urteil folgte das Gericht schließlich weitgehend dem Antrag der Staatsanwaltschaft. Pflichtverteidiger Christian Kusche hatte für eine Verwarnung plädiert. „Wir haben es mit einem schwer kranken Mann zu tun, um den sich bisher niemand gekümmert hat.“

Richterin Kilian-Bock hofft, dass der „Stubenarrest“ den beschäftigungslosen Wiederholungstäter ohne Ausbildung und mit unklarer Schulbildung beeindruckt und mithilfe eines Bewährungshelfers auch eine sinnvolle Beschäftigung für ihn gefunden werden kann. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig. (Nadine Maaz)

Warnschussarrest soll Bewährungsstrafe ergänzen

Den Warnschussarrest gibt es seit 2013 als Ergänzung zu einer auf Bewährung ausgesetzten Jugendstrafe. Er soll jungen Straftätern die Konsequenz weiterer Gesetzesverstöße vor Augen führen. Von Bedeutung ist auch dabei der generelle Erziehungsgedanke des Jugendstrafrechts. Vor 2013 konnte entweder Arrest oder eine Jugendstrafe angeordnet werden. Die zentrale Jugendarrestanstalt für Hessen ist in Gelnhausen im Main-Kinzig-Kreis. (Quelle: bundesregierung.de / justizministerium.hessen.de)

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