Auf Gegenspur geraten

Nach Unfallflucht: Junger Mann zu fünf Monaten Fahrverbot verurteilt

Vor dem Amtsgericht musste sich ein junger Mann aus Heringen verantworten.
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Vor dem Amtsgericht musste sich ein junger Mann verantworten.

Wegen einer Unfallflucht in Heringen musste sich jetzt ein 23-Jähriger vor dem Strafrichter am Amtsgericht Bad Hersfeld verantworten.

Bad Hersfeld – Für den jungen Mann war es nicht das erste Verkehrsdelikt – er wird nun erneut eine Zeit lang aufs Auto verzichten müssen.

Laut Anklageschrift wollte der junge Mann am 17. Mai 2020 gegen 21 Uhr auf die Leimbacher Straße abbiegen, verlor dabei aber aufgrund von überhöhter Geschwindigkeit die Kontrolle über sein Auto und geriet auf die Gegenspur. Ein ihm dort entgegenkommender Autofahrer musste deshalb ausweichen, der Angeklagte selbst riss das Lenkrad herum und prallte mit seinem Fahrzeug gegen eine Straßenlaterne. Anschließend machte sich der 23-Jährige zunächst aus dem Staub. Später meldete er sich jedoch noch telefonisch bei der Polizei. Auch vor Gericht räumte er die Vorwürfe nun vollumfänglich ein.

Er habe an dem Abend „etwas schneller nach Hause“ gewollt – wie schnell genau er unterwegs war, blieb allerdings unklar. Laut seines Verteidigers steckte der 23-Jährige damals in einer Lebenskrise, seine Flucht erklärte der Angeklagte selbst mit Panik. Er habe in dem Moment Angst gehabt, sich ohne Führerschein nicht mehr um seine nicht bei ihm lebende Tochter kümmern zu können. Zeugen waren keine geladen. Von einem „werthaltigen“ Geständnis sprach Staatsanwalt Dr. Jan Peter Hofmann in seinem Plädoyer. Zulasten des Angeklagten müsse man neben dem hohen Sachschaden, den dieser verursacht habe, allerdings vor allem eines beachten, so Hofmann: Wegen Trunkenheit im Verkehr hatte der Angeklagte schon einmal eine Geldstrafe zahlen müssen und nach einer einjährigen Führerscheinsperre die Fahrerlaubnis erst gut vier Monate vor dem Unfall in Heringen zurückbekommen. Der Staatsanwalt beantragte deshalb eine erneute Entziehung des Führerscheins samt einjähriger Sperrfirst sowie mit Blick auf die schlechte finanzielle Situation eine Geldstrafe von 60 Tagessätzen à 15 Euro.

Zumindest der Höhe der Geldstrafe schloss sich Richter Elmar Schnelle in seinem Urteil an. Zudem darf der Angeklagte fünf Monate lang kein Kraftfahrzeug mehr führen. Dass dieser sich gedanklich schon mal aufs Fahrradfahren im Sommer einstellen solle, hatte der Richter bereits zu Beginn der mündlichen Beweisaufnahme verlauten lassen. Die 900 Euro seien für einen solchen Unfall indes als Schnäppchen zu bewerten, so Schnelle, der davon ausgeht, dass der Angeklagte nun hoffentlich die Kurve gekriegt hat.

Rund 3500 Euro beträgt der Schaden an der Laterne. Diesen stottert der Angeklagte inzwischen in Raten bei den Stadtwerken ab. Sein Auto war nach dem Unfall ebenfalls „Schrott“.

Das Fahrverbot wird spätestens einen Monat nach Rechtskraft des Urteils wirksam. Der 23-Jährige muss seinen Führerschein dann in sogenannte amtliche Verwahrung geben, das heißt, ihn zum Beispiel bei der Staatsanwaltschaft Fulda abgeben. Diese schickt das Dokument nach Ablauf der fünf Monate unaufgefordert zurück, erklärte der Richter dem Betroffenen. Das Urteil wurde von allen Beteiligten sofort akzeptiert. (Nadine Maaz)

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