Musische Bildungsstätte in Bad Hersfeld

Arbeitskreis für Musik hat „Schwung geholt“

Das Bild zeigt Vorstandsmitglieder des AfM:  Ardawan Rastan, dem neuen Chorleiter Christof Becker, Dörte Gassauer, Gisela Zimmermann, Ute Braun, Vera Rastan, Eva Be Yauno-Janssen und Musa Be Yauno.
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Aufbruchstimmung herrscht beim Vorstand des Arbeitskreises für Musik mit (von links.) Ardawan Rastan, dem neuen Chorleiter Christof Becker, Dörte Gassauer, Gisela Zimmermann, Ute Braun, Vera Rastan, Eva Be Yauno-Janssen und Musa Be Yauno.

Der Arbeitskreis für Musik in Bad Hersfeld hat in diesem Sommer mit vielen Angeboten für Furore gesorgt.

Bad Hersfeld - Der Arbeitskreis hat nicht nur mit der Operngala auf sich aufmerksam gemacht, sondern auch mit einem umfangreichen und vielfältigen Konzertangebot. Wir haben mit dem Vorstand über bisherige Erfahrungen und neue Pläne gesprochen.

Sie haben in diesem Sommer und Herbst fast jedes Wochenende ein Konzert organisiert. Wie wird dieses Angebot angenommen?

Dörte Gassauer: Relativ gut. Wir haben zwischen 40 und 70 Gäste und neben unseren treuen Besuchern auch durchaus neues Publikum erreicht. Natürlich würden wir uns wünschen, dass noch mehr junge Menschen kommen. Als Musische Bildungsstätte haben wir einen Bildungsanspruch für alle Altersgruppen und gewähren deshalb Schülerinnen, Schülern, Auszubildenden freien Eintritt in die Konzerte. Junge Zuhörer sind also gerne willkommen.

Ist es nicht das grundsätzliche Problem, dass Jugendliche schwer für Klassik zu begeistern sind?

Gassauer: Das stimmt und ist ein deutschlandweites Phänomen. Aber es gibt in Bad Hersfeld die Musikschule des Landkreises, die Schüler auch klassisch ausbildet und öffentliche Schulen, wie z.B. die am Obersberg sind musisch orientiert. Von daher wünschte ich mir, dass der Besuch etwas reger wäre. Natürlich denken wir auch von Vereinsseite darüber nach, wie wir mit speziellen Formaten auch junge Menschen und Kinder besser erreichen und für klassische Musik interessieren können.

Was könnte man tun, um Jugendliche zu interessieren – außer dem freien Eintritt?

Gassauer: Je nach Altersgruppe kann Musik durch spezielle Gesprächs- und Familienkonzerte, Konzerte mit Instrumentenkunde oder gemeinsamem Singen vermittelt werden. Man muss auch auf die Schulen zugehen. Natürlich hat das Ganze auch mit Werbung zu tun. Hier arbeiten wir vonseiten des AfM weiter daran, über unsere neue Website, aber auch über die sozialen Medien noch mehr auf unsere Konzerte aufmerksam zu machen.

Jahrzehntelang gab es teilweise heftige Konflikte zwischen dem AfM und der Stadt bzw. den Festspielen, die sogar vor Gericht geklärt werden mussten. Wie gestaltet sich die Zusammenarbeit aktuell?

Vera Rastan: Wir wollen gerne die Vergangenheit ruhen lassen. Wir sind heute so, wie wir sind. Ardawan Rastan: Wir sind im Zuge der kulturellen Neuausrichtung seit 2018 in einen konstruktiven Dialog mit der Stadt und auch der Festspielintendanz getreten, und das hat gerade durch die gemeinsamen Ziele bei der Umsetzung des „Anderen Sommers“ im letzten Jahr, aber auch in diesem Jahr mit dem „Kultursommer“ sehr gut gefruchtet. Wir haben sehr viel Interesse für Zusammenarbeit gespürt und das hat Spaß gemacht. Letztlich haben wohl alle Verantwortlichen verstanden, dass wir Bad Hersfeld nur durch gemeinsame Anstrengungen kulturell attraktiv und vielfältig gestalten können. Vor wenigen Wochen durften wir zudem unsere Arbeit und die zukünftigen Konzeptionen im Kulturausschuss der Stadt vorstellen. Auch hier haben wir vonseiten der Lokalpolitik aufrichtige Unterstützung wahrgenommen.

Gassauer: Ich habe ebenfalls sehr viele positive Erfahrungen gemacht. Meine Ansprechpartnerinnen sind vorrangig Frau Lochhaas, Frau Hendrich und auch Frau Hehr von der Kartenzentrale. Ardawan Rastan: Und auch mit Herrn Heide und Herrn Wolf, dem Bühnenmeister der Festspiele, klappt die Zusammenarbeit ausgesprochen gut.

Wie läuft die Kooperation mit den anderen Anbietern klassischer Musik in Bad Hersfeld, also zum Beispiel dem Chorverein oder der Kantorei?

Gassauer: Es gab im Frühjahr von der Stadt organisierte Online-Meetings im Rahmen der gemeinsamen Kultursommeraktivitäten, aber mit wenig terminlichen Austausch. Aber ich habe mich, als ich den Konzertplan für das Bachhaus zum Hersfelder Sommer 2021 erstellt habe, mit Kantor Sebastian Bethge unterhalten und auch online die Konzerte recherchiert, sodass es möglichst nicht zu Terminüberschneidungen kommt. Mit Helgo Hahn steht der AfM ohnehin für gemeinsame Konzertprojekte im Austausch und wir sehen uns gemeinsam als Unterstützer der Hersfelder Festspiele.

Gibt es jetzt auch wieder einen Chor im Bach-Haus?

Ardawan Rastan: Die Chorarbeit unseres Vereins war ja durch die Corona-Pandemie zum Erliegen gekommen, wie bei allen Chören. Viele unserer älteren Sänger hatten signalisiert, dass sie durch diese Zäsur ganz aufhören wollten. Daher haben wir uns ganz bewusst bei dem Neuanfang für einen ambitionierten Kammerchor entschieden, neben dem wir perspektivisch auch ein gutes Kammerorchester etablieren möchten. Wir sind sehr froh, dass wir für dieses Vorhaben Herrn Becker als Leiter gewinnen und begeistern konnten.

Christof Becker: Wir sind gerade intensiv dabei, den Kammerchor aufzubauen. Einige Sänger, die auch vorher schon hier im Chor gesungen haben, sind wieder mit dabei, aber im Prinzip ist das eine Neuaufstellung. Wir wollen dabei insbesondere gut ausgebildete Stimmen ansprechen. Zurzeit sind wir etwa 18 Sängerinnen und Sänger.

Ist der Kammerchor erst mal der Anfang, um dann weiter aufzubauen?

Gassauer: Wir wollen nicht in Konkurrenz treten mit den anderen Chören, die es hier schon gibt. Deshalb hat der Arbeitskreis sich jetzt bewusst für einen Kammerchor entschieden. „Tonart“ ist zwar auch ein kleineres Chorensemble, fokussiert aber ein anderes Repertoire. Vera Rastan: Bisher fehlte in Bad Hersfeld ein Kleinod für Kammermusik. Kammerchor und Kammerorchester auf hohem Niveau für fortgeschrittene Chorsänger und Instrumentalisten sind das, was man im Bach-Haus sehr gut anbieten kann.

Becker: Auch der Probentermin am Freitagabend ist so gewählt, dass es keine Kollisionen mit anderen Chören gibt. Wer möchte und es sich zutraut, könnte so in mehreren Chören mitsingen.

Wie lange proben Sie schon?

Becker: Wir haben im September gestartet. Man kann noch nicht viel sagen, außer dass es ein ganz verheißungsvoller Start war. Wir studieren jetzt gerade das Weihnachtsprogramm ein mit Motetten und a capella Stücken verschiedener Epochen. Das erste Konzert ist für den 19. Dezember geplant..

Wie sehen die weiteren Planungen des AfM aus?

Vera Rastan: Wir haben ein umfangreiches Konzertprogramm mit Angeboten an fast jedem Wochenende. Und das wird durchaus positiv und mit einem gewissen Erstaunen wahrgenommen. Aktuell wurde die Konzertplanung für den Rest des Jahres und das Neujahrskonzert veröffentlicht worden. Für das Jahr 2022 werden wir weiter regelmäßig Konzerte aus vielen Bereichen der Musik anbieten auch passend in der Passions-, Sommer- und Weihnachtszeit.

Wie kommen Sie an die Künstler, die hier auftreten?

Gassauer: Die Künstler, die dieses Jahr auftraten, ergaben sich vorwiegend über Kontakte aus dem Netzwerk des AfM. Maria Khokhlova war eine Ausnahme. Sie habe ich in Kassel gehört und spontan für ein Konzert im Bachhaus angesprochen. Inzwischen kommen auch externe Anfragen von Künstlern, die gehört haben, dass es hier einen schönen Konzertsaal mit sehr guten Instrumenten gibt.

Wie schätzen Sie die Zukunft des AfM ein?

Vera Rastan: Natürlich sehr gut (lacht). Wir haben ordentlich Schwung geholt. Zurzeit ist unser Programm sehr ambitioniert. In Zukunft wird es einen ca. zweiwöchigen Rhythmus bei den Konzerten geben. Das müssen wir in den kommenden Wochen konkret sehen. Wir haben beschränkte finanzielle Mittel und müssen hiermit verantwortungsvoll umgehen. Wir als Vorstand arbeiten neben unserem Beruf gerne ehrenamtlich und konnten uns mit Dörte Gassauer und Christof Becker zwei professionelle Mitarbeiter an die Seite holen. Das macht großen Spaß, weil es eine schöne Gemeinschaft ist Becker: Es ist deutlich eine Aufbruchstimmung zu spüren, auch im Chor, der sich relativ schnell formiert hat und etwas bewegen möchte.

Was wünschen Sie sich für die Zukunft?

Vera Rastan: Kultur ist kein Selbstläufer. Dafür muss man in seiner Stadt etwas tun. Das steigert die Attraktivität der Stadt, gerade für junge Familien mit kulturellem Interesse. Und die Bad Hersfelder können durch den Besuch der Konzerte, durch passive oder aktive Vereinsmitgliedschaft und natürlich durch Sponsoring zeigen, dass ihnen die Kultur etwas wert ist. Das würde uns einfach freuen. Die Stadt kann das gar nicht alles alleine finanzieren. Das geht nur mit privater Unterstützung.

Christine Zacharias

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