Untypischer Fall

Für Vergewaltigung verurteilt: 26-Jähriger zwang Mutter seiner Kinder zum Sex

Ein Mann wurde vom Schöffengericht am Amtsgericht Bad Hersfeld wegen Vergewaltigung verurteilt (Symbolbild). Justitia mit Waagschalen
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Ein Mann wurde vom Schöffengericht am Amtsgericht Bad Hersfeld wegen Vergewaltigung verurteilt (Symbolbild).

Weil ein 26-Jähriger die Mutter seiner Kinder zum Sex gezwungen hat, ist er vom Amtsgericht Bad Hersfeld wegen Vergewaltigung verurteilt worden.

Bad Hersfeld – Zu einer Freiheitsstrafe, ausgesetzt zur Bewährung ist ein 26-Jähriger aus Bebra vom Schöffengericht am Amtsgericht Bad Hersfeld verurteilt worden, der freimütig zugab, vor knapp anderthalb Jahren die Mutter seiner beiden Kinder vergewaltigt zu haben.

Die beiden waren damals kurzzeitig getrennt, sind seit etwa einem Jahr aber wieder zusammen und wohnen nun mitsamt den kleinen Kindern auch unter einem Dach.

Zu der Vergewaltigung war es am 1. September 2019 in der damaligen Wohnung der jungen Frau gekommen, die sich nur mit T-Shirt und Slip bekleidet gegen Mittag ins Bett gelegt hatte, als der Mann plötzlich dazugekommen sei, sie angefasst habe und für wenige Minuten vaginal in sie eingedrungen sei, obwohl sie dies offenkundig nicht wollte. Während der Tat trug der Mann ein Kondom. Die ebenfalls 26-Jährige, die in der Verhandlung als Nebenklägerin auftrat, zeigte ihn später bei der Polizei an, wollte die Anzeige allerdings auch schon am nächsten Tag wieder zurücknehmen. Was ihr Partner gemacht habe, sei nicht in Ordnung gewesen, er habe sich aber sehr oft dafür entschuldigt, er sei ein guter Vater und es habe auch keine weiteren Vorfälle dieser Art gegeben. Keinesfalls wolle sie deshalb sein Leben zerstören und ihn im Gefängnis sehen, so die Geschädigte.

All das berücksichtigten auch der Staatsanwalt, die Nebenklagevertreterin und das Gericht unter Vorsitz von Richterin Christina Dern, die sich bei der Bewertung im Wesentlichen einig waren. Von einem „untypischen Fall einer Vergewaltigung“ sprach der Verteidiger des Angeklagten, sein Mandant habe zudem nichts in Abrede gestellt oder beschönigt. Gleichwohl handele es sich nun mal um ein Verbrechen, so der Staatsanwalt, „nein heißt nein, auch in einer Beziehung.“ Die Vertreterin des Opfers äußerte sich ähnlich: „Es ist etwas passiert, das nicht hätte passieren dürfen“, stellte sie fest.

Mit der Freiheitsstrafe in Höhe von einem Jahr, ausgesetzt zur Bewährung über einen Zeitraum von drei Jahren, fiel das Urteil dann auch vergleichsweise mild aus. Es soll dem jungen Mann als Warnung dienen. Außerdem muss er seiner Partnerin ein Schmerzensgeld in Höhe von 300 Euro zahlen. Dies könne zwar die Tat nicht aufwiegen, so Dern, habe aber Symbolcharakter und berücksichtige die wirtschaftliche Situation.

Ausschluss der Öffentlichkeit ist Ausnahme

Gerichtsverhandlungen in Deutschland mit Ausnahme von Strafsachen gegen Jugendliche und Familiensachen sind grundsätzlich öffentlich. So soll eine Kontrolle durch Bürger oder die Presse möglich sein. In bestimmten Fällen allerdings kann oder muss die Öffentlichkeit ausgeschlossen werden. Das gilt etwa, wenn Details über den Gesundheitszustand, die Intimsphäre oder das Familienleben zur Sprache kommen, es um Geschäftsgeheimnisse geht oder Lebensgefahr befürchtet wird. Auch in diesem Fall hatte der Verteidiger den Ausschluss beantragt, das Gericht lehnte dies nach Beratung aber ab.  (Nadine Maaz)

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