Wo der Funke überspringt

Hersfelder Wirtsfamilie half Heinz Hoenig, griechischen Schmied zu finden

Gemeinsam am Werk: Heinz Hoenig mit Schmied Stelios Alexakis (links). Foto: nh

Bad Hersfeld / Chania. Wenn Heinz Hoenig von seinem jüngsten Projekt „Schmieden für Frieden“ erzählt, dann sprühen seine Augen vor Begeisterung fast Funken.

Gemeinsam mit den Schmieden Alfred Bullermann und Tom Carstens hat der Festspiel-Schauspieler, der in der „Komödie der Irrungen“ noch bis zum Sonntag als Kaufmann Kamal in der Stiftsruine zu sehen ist, das Friedensprojekt aus der Taufe gehoben. Schmiede aller Länder beteiligen sich an der weltweiten Aktion, die über viele Jahre laufen soll – siehe Hintergrund.

Das Zustandekommen seines eigenen Friedensnagels hat Heinz Hoenig auch der Bad Hersfelder Wirtsfamilie Dingiloudis zu verdanken. Denn Restaurantbetreiber Costas hat den Kontakt nach Kreta vermittelt, wohin Hoenig vor wenigen Wochen zum Schmieden gereist war.

„Ich suche einen Schmied auf Kreta – Du kannst sicher helfen“, war die kurze Anfrage. Costas Dingiloudis hängte sich ans Telefon und zehn Minuten später war über Verwandte der Schmied Stelios Alexakis in der 55 000-Einwohner-Stadt Chania ausfindig gemacht. Ein weiteres Telefonat später war auch dieser bereits Feuer und Flamme für die Idee. „Ich freue mich schon, den alten Germanen Heinz kennenzulernen, hat er gesagt“, berichtet Costas.

Doch wie verständigen? Alexakis spricht weder Englisch noch Deutsch. Auch dieses Problem wurde fix gelöst: Ute Linarakis, eine gute Bekannte, die aus Heringen stammt, in Rotenburg wohnte und inzwischen mit ihrem Mann auf Kreta lebt, wurde kurzerhand als Dolmetscherin verpflichtet. „Sie kam mit ihrem Motorroller auf den Marktplatz von Chania und schon ging’s los – wir sind dann direkt zum Schmied gefahren – und der war echt gut drauf“, berichtet Hoenig.

Stelios Alexakis hatte ein 30er-Eisen für den Nagel und die Schmiedehämmer schon parat gelegt und gemeinsam ging es zur Sache. Und Hoenig stellte unter Beweis: Als gelernter Betriebsschlosser ist er nicht unerfahren im Umgang mit dem Hammer. Auf das, was dabei herausgekommen ist, ist er stolz. „Der Nagel ist der Nenner, der uns alle verbinden wird“, sagt er.

Wissen, wie’s gemacht ist

Als Dankeschön für die Vermittlung haben auch die Naxos-Wirtsleute einen selbst geschmiedeten Nagel von Hoenig bekommen. Dort speist der Schauspieler jetzt auch wieder regelmäßig, denn „ohne etwas Gutes im Bauch geht kein Theater“, ist er sich sicher. „Die machen hier die geilsten Lammkoteletts – und wenn mir etwas besonders gut schmeckt, dann will ich auch wissen, wie’s gemacht ist“, sagt Hoenig.

Auf seine Nachfrage habe es „kein Rumdrucksen“ gegeben – das Geheimnis wurde ihm offenbart und Hoenig freut sich, dass er für eines seiner Lieblingsgerichte wie das Lammcarrée nun eine weitere leckere Variante kennt.

Aus den Wirtsleuten sind für ihn Freunde geworden. „Wenn ich im nächsten Jahr wieder zum Essen ins Naxos gehe, werden wir mal sehen, was schon alles passiert ist, mit den Friedensnägeln“, sagt er und lächelt schelmisch. Denn die eine oder andere aufsehenerregende Aktion habe man schon in der Hinterhand.

Nachdem er zum Festspielstart im Juni nur trockene Vorstellungen erleben durfte, hatte Hoenig sich für die zweite Runde der „Komödie der Irrungen“ auch mal eine Regenvorstellung gewünscht. „So langsam ist’s aber gut damit“, findet er. Denn in den vergangenen Tagen wurden die Schauspieler doch häufiger mal „pitschnass“. Das schweiße zwar die Truppe zusammen – „meine frierenden Mädels in den leichten Kostümen taten mir aber schon sehr leid“, sagt der 63-Jährige.

Projekt für Waisenkinder

Als Kamal steht er am Sonntag zum Festspiel-Finale zum vorerst letzten Mal auf der Bühne der Stiftsruine. Dann geht es für Hoenig zurück in die Heimat, er wohnt in einem Ort in der Nähe von Schleswig an der Schlei. Dort startet auch sein nächstes Projekt. Hoenig, der sich schon seit vielen Jahren für Kinder einsetzt, organisiert ein Abenteuer-Zeltcamp für Waisenkinder.

„Die Kinder sollen das Gefühl bekommen, ein Zuhause gefunden zu haben – zur Stabilisierung ihres ersten Lebensmeters, den sie verloren haben“, sagt Hoenig, der hofft, dass auch auf sie ein Funke seiner Zuversicht überspringt.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das alte HNA-Login anmelden.

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.