Vertraute Personen bleiben zunächst

Fusion ist vollzogen: Rotenburg und Hersfeld sind nun ein Kirchenkreis

Die evangelischen Kirchenkreise Hersfeld und Rotenburg haben sich zu Jahresbeginn zu einem gemeinsamen Kirchenkreis zusammengeschlossen. 

Auf die Arbeit der Kirchengemeinden soll das jedoch relativ wenige Auswirkungen haben, wünschen sich die beiden Dekane Gisela Strohriegl (Rotenburg) und Dr. Frank Hofmann (Hersfeld). „Wenn wir die Fusion gut hinkriegen, dann merken die Gemeinden relativ wenig davon“, sagt er. Von „einem Kirchenkreis mit zwei Dekanaten“ spricht Gisela Strohriegl.

Denn auch die vertrauten Personen bleiben zunächst. Bis Ende des Jahres 2021 wird der neue Kirchenkreis Hersfeld-Rotenburg von einer Doppelspitze geleitet. Dann geht Gisela Strohriegl in den Ruhestand und Hofmann übernimmt. Die beiden Dekane haben bereits einen Geschäftsverteilungsplan aufgelegt und sich abgesprochen, wer welche Aufgaben in dem neuen Kirchenkreis übernimmt.

So soll Hofmann Vorsitzender im neuen Kirchenkreisvorstand werden, während Strohriegl den geschäftsführenden Ausschuss des regionalen diakonischen Werkes leiten wird. Beide Dekane bleiben zunächst die Dienstvorgesetzten der Pfarrer in den ehemaligen Kirchenkreisen, sagt Strohriegl.

Am 7. Februar konstituiert sich dann die neue, gemeinsame Kreissynode, das Kirchenparlament. Die Synode wird 105 Mitglieder haben, 35 Pfarrerinnen und Pfarrer und 70 Nichttheologen. Derzeit gibt es noch 43 Pfarrstellen im Kirchenkreis, also werden nicht alle Pfarrerinnen und Pfarrer in der Synode vertreten sein.

Die Fusion der beiden Kirchenkreise ist Teil einer grundsätzlichen Umstrukturierung der evangelischen Kirche von Kurhessen-Waldeck, die dem demografischen und dem gesellschaftlichen Wandel geschuldet ist. Bis zum Ende des Jahres 2026 sollen in allen Bereichen der Landeskirche 30 Prozent der Kosten eingespart werden. Deshalb werden unter anderem Pfarrstellen reduziert, Kirchengebäude aufgegeben oder das kirchenmusikalische Angebot zurückgefahren.

In allen Bereichen soll gespart werden

Die Menschen werden weniger, die Fläche bleibt – mit diesem grundlegenden Problem müssen sich auch die Kirchen auseinandersetzen. Die Evangelische Kirche von Kurhessen-Waldeck hat bereits im Jahr 2015 einen Reformprozess auf den Weg gebracht, der bis Ende 2026 abgeschlossen sein soll. Damit soll die kirchliche Arbeit den finanziellen Rahmenbedingungen angepasst werden. Alle kirchlichen Bereiche leisten ihren Beitrag zu dieser Konsolidierung. Dabei gilt es das grundsätzliche Problem zu lösen, wie die Kirche auch mit weniger Personal in der Fläche präsent bleiben kann. Denn während des Umstrukturierungsprozesses werden nicht nur Kirchenkreise zusammengelegt (außer Hersfeld und Rotenburg haben sich auch Fritzlar-Homberg, Melsungen und Ziegenhain zum Kirchenkreis Schwalm-Eder, -Hofgeismar und Wolfhagen zum Kirchenkreis Hofgeismar-Wolfhagen und Eschwege und Witzenhausen zum Kirchenkreis Werra-Meißner zusammengeschlossen), sondern auch Pfarrstellen gestrichen und Pfarrhäuser aufgegeben. 

43 Pfarrstellen gibt es bisher im Kirchenkreis, 36 sollen es nach Ende der Umstrukturierung sein. Die sieben Stellen sollen möglichst sozial verträglich, zum Beispiel in Verbindung mit dem Ruhestand, abgebaut werden, hatten die Dekane Hofmann und Strohriegl bereits in einem früheren Gespräch erläutert. Um die Arbeit in den Gemeinden neu zu organisieren und zu strukturieren, sind bereits Kooperationsräume gebildet worden. Assistenzen in der Verwaltung sollen die Pfarrerinnen und Pfarrer entlasten und mehr Zeit für Gemeindearbeit ermöglichen. Reduziert werden soll auch die Anzahl der Gemeindehäuser und Gemeinderäume. Dabei gilt die Regel, dass je 1700 Gemeindeglieder 200 Quadratmeter Gemeinderaum zur Verfügung stehen sollen (Quelle: ekkw.de/unsere_kiche/reformprozess.html). Pfarrhäuser werden nur noch da vorgehalten, wo es eine volle Gemeindepfarrstelle gibt. 

Das bedeutet, dass im Kirchenkreis zehn Pfarrhäuser aufgegeben werden. Gekürzt werden soll auch bei der Kirchenmusik. Viele Details sind noch nicht bekannt, es ist aber davon auszugehen, dass die Kirchenmusik im Kreis Hersfeld-Rotenburg massiv betroffen sein wird, unter anderem, weil es keine A-Kantoren-Stelle mehr geben wird. Die sind nur noch in den Städten Marburg, Kassel und Hanau vorgesehen. Der Bad Hersfelder Kantor Sebastian Bethge hat bisher eine geteilte Stelle und ist als Kirchenmusiker mit 60 Prozent seiner Arbeitszeit an der Stadtkirche Bad Hersfeld tätig, wo er Orgel spielt, große und kleine Konzerte organisiert, die Kantorei und den Kinderchor leitet und mit 40 Prozent als Bezirkskantor, zum Beispiel als Chorleiter oder mit Orgelunterricht. Wie die Kirchenmusik im Ostteil des Kreises, wo bisher zwei Kantoren aktiv sind, aussehen wird, ist noch nicht bekannt. Ausgebaut werden soll dagegen die Arbeit mit Kindern und Jugendlichen. Für jeden fusionierten Kirchenkreis soll eine weitere Stelle bereitgestellt werden. 

Quelle: Hersfelder Zeitung

Rubriklistenbild: © Christine Zacharias

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