Ein anderer Sommer

Gänsehaut zur Geisterstunde: Konzert mit Bettina Mönch und Gil Mehmert in der Krypta

Singing in the Chapel: Bettina Mönch, ihr Ehemann Gil Mehmert an der Gitarre und zur Verstärkung bei einigen Songs auch Armin Kahl (
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Singing in the Chapel: Bettina Mönch, ihr Ehemann Gil Mehmert an der Gitarre und zur Verstärkung bei einigen Songs auch Armin Kahl hatten sich einen ganz besonderen Ort für ihr „Unplugged“-Konzert ausgesucht – die Krypta der Stiftsruine. 

Die Krypta der Bad Hersfelder Stiftsruine bot die Kulisse für ein außergewöhnliches Konzert mit Bettina Mönch und Gil Mehmert

Bei diesem Ehepaar wäre jeder gern mal Untermieter. Obwohl zu bezweifeln ist, dass das Power-Duo Bettina Mönch und Gil Mehmert bei sich daheim auch einen so tollen Keller hat, wie er an diesem Abend die Kulisse für ein außergewöhnliches Konzert im Rahmen des „anderen Sommers“ in Bad Hersfeld bot.

Es war schon nach Mitternacht als der Musicalstar und ihr als Musical-Regisseur nicht minder erfolgreicher Ehemann zum Konzert in die Krypta der Stiftsruine baten. Knapp 70 Zuschauer erlebten dabei eine geradezu intime Nachtmusik „unplugged“ an einem magischen Ort – der sonst zur Festspielzeit stets unter der Hauptbühne verborgen liegt. Stimmungsvoll ins rechte Licht gesetzt, leuchteten die uralten Mauern in rötlichem Schein, und zwei Fackeln loderten neben der improvisierten Bühne unter einem der Rundbögen.

Gänsehaut zur Geisterstunde – dazu trug aber nicht nur dieser ganz besondere Veranstaltungsort, sondern vor allem die wunderbare Stimme Bettina Mönchs bei. Begleitet wurde sie von Gil Mehmert auf der Gitarre, dessen gefühlvollem Spiel man anmerkte, dass er vor seiner Regieausbildung Musik und Gitarrenspiel studiert hatte. „Aber die tollen Frauen gucken den Gitarristen mit dem Arsch nicht an“, erzählte Mehmert schmunzelnd. Bei seiner tollen Ehefrau war das glücklicherweise anders.

Vielleicht funkte es bei einem Vorsingen aber auch deshalb, weil beide ähnliche musikalische Wurzeln haben und vor ihrer Bühnenkarriere als Straßenmusiker durch Europa tingelten. Für Bettina Mönch war ihr Berufswunsch da aber schon lange vorgezeichnet, seit sie als Elfjährige bei einer Schultheateraufführung zum ersten Mal „Jesus Christ Superstar“ hörte. Jetzt, Jahre später, hörte Jesus Christ ihr zu, denn hinter der Bühne erinnerte ein Kruzifix an den sakralen Ursprung des Veranstaltungsorts.

Bettina Mönch absolvierte eine Ausbildung am Konservatorium in Wien, war Preisträgerin des Bundeswettbewerbs Gesang und war der Star unzähliger Musicals, viele davon in der Regie ihres Ehemanns Gil Mehmert. Zuletzt brillierte Bettina Mönch in der Rolle der Sheila im Hippie-Musical „Hair“ in Bad Hersfeld. Hier stand sie auch als Sally Bowles in „Cabaret“ auf der Bühne, womit sie auch den Abend in der Krypta eröffnete.

Man musste schon sehr genau hinhören, um zu bemerken, dass Bettina Mönchs Stimme „etwas angeschlagen“ war, wie Gil Mehmert erzählte, denn auch Gesangsmuskeln müssen trainiert werden, was wegen des Corona-Stillstands derzeit nicht ganz einfach ist. Das etwas rauchige Timbre in Bettina Mönchs Stimme passte indes hervorragend zur besonderen Stimmung dieser eindrucksvollen Nacht.

Es war ein Streifzug durch die Musical-Karriere von Bettina Mönch: „Jesus Christ“, „Cabaret“, „Evita“, „Hair“, „Jeckyll & Hyde“, „Aida“ und „Shrek“ – und dazu auch noch einige Chansons. Verstärkung erhielt das Power-Paar für einige Songs von Armin Kahl mit dem sie gemeinsam am kommenden Wochenende in dem Kammermusical „Die letzten fünf Jahre“ in der Stiftruine zu hören sein werden.

Selbst ein paar Regentropfen konnte die magische Stimmung nach Mitternacht nicht stören, zumal sich der Wettergott dann doch gnädig zeigte und sich das Gewitter erst nach dem Ende dieses ganz besonderen Konzerts entlud. kai

Weitere Fotos vom zweiten Wochenende gibt es hier: Fotostrecke: Ein anderer Sommer“ in Bad Hersfeld.

Bettina Mönch und ihr Ehemann Gil Mehmert an der Gitarre.

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