Von Land und Leuten

Gäste aus El Salvador berichteten im Weltladen über soziale Projekte

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Haben eine lange Reise hinter sich: Mariza Vela von der Gesundheitsstation, Lehrerin Flor Rodriguez Sosa und ihr Ehemann Gilberto Sosa mit Produkten aus El Salvador, die im Eine-Welt-Laden erhältlich sind, wie Kaffee und bemalte Holz-Kreuze (von links) .

Bad Hersfeld. Der persönliche Austausch  ist ein wichtiger Punkt des Projekts, mit dem Sozialarbeit in der Gemeinde "22 de april" unterstützt wird. Jetzt fand ein Treffen im Weltladen statt.

„Danke an das Leben“, sang Gilberto Sosa aus El Salvador auf Spanisch und die Gäste, die sich im Eine-Welt-Laden eingefunden hatten, summten mit. Wer des Spanischen mächtig war, der versuchte sich sogar im Mitsingen. An dem Begegnungsabend waren neben Gilberto Sosa auch seine Frau Flor und Mariza Vela aus einer Armengemeinde in El Salvador im Eine-Welt-Laden. Organisiert wurde der Abend von Hartmut Futterlieb.

Die Drei berichteten über die sozialen Projekte, die in den 80er Jahren in der Gemeinde „22 de april“ entwickelt wurden. Zu dem Projekt gehört es auch, dass Menschen aus Deutschland für längere Zeit nach El Salvador gehen, um dort mitzuhelfen. Andersherum wird versucht, dass möglichst jedes Jahr Menschen aus dem Land nach Deutschland kommen, um über ihre Projekte zu berichten. Die Finanzierung läuft über Spenden.

Angebot für arme Kinder

Rund 120 Kinder aus zwei Gemeinden besuchen die Schule, in der Lehrerin und Leiterin der Schulprojekte Flor Rodriguez Sosa unterrichtet. Das Angebot richtet sich an arme Kinder. Neben kostenloser Bildung erhalten die Kinder zudem Frühstück und Mittagessen, denn oft fehlt den Familien das Geld für Lebensmittel.

Das Lernkonzept der Schule unterscheidet sich stark von dem der staatlichen Schulen. Die Kinder entscheiden selbst, was sie lernen möchten. Die Lehrer bieten lediglich verschiedene Aktivitäten an. Im Kontext von Armut und Kriminalität soll Schule eine schöne Erfahrung sein. Vor allem die Jugendbanden, die sogenannten Maras, sorgen für Probleme. 15 bis 20 Tote pro Tag gibt es in El Salvador, berichtet die Lehrerin. Meist, weil die Maras Drogen verkaufen und ihr Territorium erweitern möchten und sich dabei umbringen.

Was ihr besonders an Deutschland gefalle? „Dass ich in Deutschland in einen Bus einsteigen kann ohne vorher zu checken, ob mir etwas passieren könnte“.

Für sechs Dollar im Monat können die Kinder der Gemeinde den Kindergarten besuchen. Diese Summe können viele Eltern nicht aufbringen. Aber auch dafür wurde eine Lösung gefunden: Wer nicht bezahlen kann, der kann einen Tag im Kindergarten mitarbeiten. Neben Frühstück und Mittagessen gibt es im Kindergarten sogar einen Nachtisch, was eine Besonderheit ist, erzählt Flor Rodriguez Sosa.

Schule kommt zu den Kindern

Wenn die Kinder nicht zur Schule kommen können, weil die Eltern zu arm sind, und die Kinder zuhause mithelfen müssen, kommt die Schule einfach zu den Kindern. So machen drei Lehrerinnen auf der Straße unter freiem Himmel Unterricht – ohne Tische, Bänke und Stühle. Da kommen dann manchmal bis zu 70 Kinder, die an dem Projekt „Schule unter freiem Himmel“ teilnehmen. Mariza Vela berichtete über die Gesundheitsstation, wo zum Beispiel Heilpflanzen im Garten angebaut werden.

Weihnachtslieder im Oktober? Zum Abschluss sang Gilberto Sosa dann noch „Feliz Navidad“ („Fröhliche Weihnachten“). In dem Lied ginge es um Freiheit, Gerechtigkeit und Liebe. Das seien schließlich Themen, die das ganze Jahr aktuell sind, nicht nur an Weihnachten.

Von Alena Nennstiel

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