DER LUTHER-MOMENT I: Gebunden an Gottes Wort

Vor 500 Jahren: Martin Luther vor dem Reichstag in Worms

Der Luther-Moment: Vor dem 500. Jahrestag von Martin Luthers Verteidigungsrede auf dem Wormser Reichstag wird für die Multimedia-Show „Der Luther-Moment“ geprobt – hier Schauspieler Isaac Dentler als Martin Luther.
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Der Luther-Moment: Vor dem 500. Jahrestag von Martin Luthers Verteidigungsrede auf dem Wormser Reichstag wird für die Multimedia-Show „Der Luther-Moment“ geprobt – hier Schauspieler Isaac Dentler als Martin Luther.

Vor 500 Jahren schrieb Martin Luther zunächst auf dem Wormser Reichstag Weltgeschichte – und predigte dann in Bad Hersfeld. 

Bad Hersfeld- Wir begleiten das Jubiläum mit einer Serie. Heute: Die Verteidigungsrede des Reformators.

Martin Luther ist in Bad Hersfeld bis heute sehr präsent: Nicht nur die Gedenktafel an der Stiftsruine und das „Lutherzimmer“ im Schloss Eichhof machen den Reformator im Stadt- und Umgebungsbild sichtbar, auch der Luther-Weg, der seit einigen Jahren durch Bad Hersfeld verläuft, ist ein wichtiges Element.

Am 17. und 18. April jährt sich das Ereignis zum 500. Mal, das Luthers Besuch in Hersfeld unmittelbar vorausging: Das Verhör Martin Luthers durch Kaiser Karl beim Reichstag in Worms. Dieses Jubiläum ist nicht nur Anlass zum Rückblick auf die Vergangenheit, sondern soll vor allem Inspiration für die Gegenwart sein.

Im Januar 1521 verhängte Papst Leo X. einen Kirchenbann über Martin Luther. Normalerweise folgte darauf unmittelbar die Reichsacht. Aber die Reichsfürsten und Stände setzten bei Kaiser Karl V. ein Verhör Luthers auf dem Wormser Reichstag durch. Karl sicherte freies Geleit zu. Luther machte sich am 2. April 1521 auf die Reise nach Worms.

Schon die Anreise zum Reichstag wurde nicht zu dem von der Kirche erhofften Bußgang, sie glich eher einem Triumphzug, bei dem Luther an vielen Orten – wie auch auf seiner Rückreise Anfang Mai in Hersfeld – mit Begeisterung empfangen wurde. Er predigte in Erfurt, Gotha und Eisenach. Auch in Worms, wohin er am 16. April gelangte, wurde er vom Volk umjubelt. Das Verhör fand am 17. und 18. April 1521 im Wormser Bischofshof statt. Luther weigerte sich, zu widerrufen, daraufhin kündigte der Kaiser die Reichsacht an, die am 8. Mai erlassen wurde (Wormser Edikt). Das bedeutet, dass Luthers Schriften nun verboten waren, dass niemand ihn beherbergen durfte und jedermann aufgerufen war, ihn an Rom ausliefern. „Hier stehe ich – ich kann nicht anders“, diesen Satz, der dem Reformator auf Denkmälern und in zahlreichen Schriften in den Mund gelegt wurde, hat Martin Luther vermutlich so nicht gesagt. Überliefert ist folgende Antwort: „Ich kann und will nicht widerrufen, weil weder sicher noch geraten ist, etwas wider das Gewissen zu tun. Es sei denn, dass ich mit Zeugnissen der Heiligen Schrift oder mit öffentlichen, klaren und hellen Gründen und Ursachen widerlegt werde, denn ich glaube weder dem Papst noch den Konzilen allein, weil es offensichtlich ist, dass sie oft geirrt und sich selbst widersprochen haben. Gott helfe mir. Amen.“ Luther wusste bei seinem Auftritt vor dem Wormser Reichstag weder, wie das Ganze ausgehen würde, noch ob er seine Weigerung zum Widerruf überleben würde. Er stand als Einzelner vor den Mächtigen seiner Zeit, widerstand ihren Einschüchterungen und folgte allein seinem Gewissen. Für Luther war seine Gewissensentscheidung an Gottes Wort gebunden.

Der historische Lutherweg von Worms zur Wartburg führt durch Bad Hersfeld und die Region.

Die Stadt Worms feiert zusammen mit der Evangelischen Kirche den Auftritt Martin Luthers auf dem Reichstag, bei dem der Wittenberger Reformator Weltgeschichte geschrieben hat. Am 16. April 2021, genau 500 Jahre nach seinem Einzug in Worms, beginnt dort das Jubiläumsjahr. Vieles wird pandemiebedingt via Internet und Fernsehen übertragen.

Multimedia-Inszenierung: Der Luther-Moment

Die Evangelische Kirche in Hessen und Nassau präsentiert zum 500. Jahrestag des Verhörs von Martin Luther vor dem Reichstag in Worms die Multimedia-Inszenierung „Der Luther-Moment“, die der SWR am 17. April um 23 Uhr live aus Worms überträgt. Der Festakt zur Eröffnung des großen Lutherjubiläums am 16. April um 16 Uhr mit Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier wird aufgrund der Corona-Pandemie in digitaler Form stattfinden. Die Veranstaltung wird vom SWR auf swr.de live übertragen. Am Sonntag, 18. April, überträgt das ZDF um 9.30 Uhr einen Festgottesdienst, in dem unter anderem der hessen-nassauische Kirchenpräsident Volker Jung und der Mainzer Bischof Peter Kohlgraf mitwirken. (Ute Janßen)

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