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Trotz Corona und Ukraine-Krieg: Georgische Sänger und Ulli-Meiß-Chor halten an ihrer Freundschaft fest

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Von: Kim Hornickel

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Freunde geblieben: (v.l.) Der Leiter des Obersberg-Schulchors Ulli Meiß, Sängerin Mariam Kekelia aus Georgien mit Chorleiterin Tamar Buadze und Maja Ziehn.
Freunde geblieben: (v.l.) Der Leiter des Obersberg-Schulchors Ulli Meiß, Sängerin Mariam Kekelia aus Georgien mit Chorleiterin Tamar Buadze und Maja Ziehn. © Kim Hornickel

Rund 200 Musikerinnen und Musiker werden am Wochenende auf der Bühne der Stiftsruine stehen: Die Sänger des Ulli-Meiß-Chores und des befreundeten Chores aus Georgien.

Bad Hersfeld – Wenn am Wochenende der Ulli-Meiß-Chor und 37 Sängerinnen und Sänger aus Georgien auf der Bühne der Stiftsruine stehen, wird mit Liedern wie „Die Freiheit“ auch der Ukraine-Krieg ein wenig mitschwingen.

Die Veranstalter haben sich jedoch bewusst gegen ein politisches Konzept bei den Konzerten entschieden – auch, weil das Zusammentreffen der Chöre an sich bereits eine Geschichte von Völkerfreundschaft erzählt.

Und das nicht nur, weil Deutsche und Georgen zusammen singen. Bei ihrem mittlerweile zweiten Besuch in Bad Hersfeld treffen sich auch alte Freunde wieder. Allen voran die Chorleiter Ulli Meiß und Tamar Buadze. Den deutschen Musiklehrer und die georgische Musikschulleiterin verbindet eine jahrelange Freundschaft. Am Wochenende stehen die beiden nach fünf Jahren wieder zusammen auf der Bühne in der Stiftsruine.

An ihr letztes Treffen vor der Corona-Pandemie erinnert sich Buadze mit einem strahlenden Lächeln auf den Lippen. „Als wir das letzte Mal 2017 in Bad Hersfeld waren, das war unvergesslich“, sagt sie glücklich. Die Frau in dem leuchtend pinken Shirt erklärt in fließendem Deutsch, wie die georgischen Sänger vor fünf Jahren in der Region um Waldhessen aufgetreten waren und sich außerdem Städte und Dörfer anschauten.

Freundschaft riss nicht ab

Auch zurück in Georgien riss die Freundschaft mit Chorleiter Ulli Meiß nicht ab. „Wir schreiben über Whatsapp und rufen uns immer mal an, um die Verbindung nicht zu verlieren“, sagt der Chorleiter. Und Tamar Buadze schiebt hinterher: „Ich schaue in den Sozialen Medien, wo Ullis Chor auftritt und es freut mich jedes Mal, das zu verfolgen.“

Durch die Freundschaft der Chorleiter und die gemeinsamen Auftritte von Deutschen und Georgen haben sich auch Studentin Maja Ziehn und die 22-jährige Mariam Kekelia kennengelernt. „2017 waren wir Mariams Gastfamilie und seitdem sind wir in Kontakt geblieben“, erklärt die 19-jährige Bad Hersfelderin.

Auf Englisch schrieben sich die Mädchen in den vergangenen Jahren. „Über den Alltag, nicht über politische Themen“, erzählt Maja. Die werden aber nicht völlig ausgeblendet, ergänzt Ulli Meiß. Obwohl der Chor und die Sänger das Thema Ukraine-Krieg nicht direkt ansprechen, schwinge es dennoch mit.

Die Nähe zu Russland und die Angst vor einem Überfall der Russen auf Georgien seien zuhause stets ein Thema, sagt Chorleiterin Buadze und ergänzt: „Freiheit ist so wichtig.“ Bewegt und betroffen erzählt sie, wie aggressiv einige Georgen seit Beginn des Ukraine-Krieges auf russische Mitbürger reagierten.

Botschaft von Frieden und Freundschaft ist wichtig

Für die Chorleiterin ist die Botschaft von Frieden und Völkerfreundschaft, die sie zusammen mit Ulli Meiß in Bad Hersfeld fördert, auch deshalb so wichtig. Singen macht Mut, erklärt Buadze.

Das weiß die Chorleiterin aus eigener Erfahrung, denn als sie ab 2004 mit einem Frauenchor Männerlieder singt, bricht sie mit den starren Rollenbildern in Georgien. Doch ihr Mut wird belohnt. Ein Film über die beherzten Frauen brachte ihre Geschichte auch nach Deutschland.

Bald meldeten sich deutsche und schweizer Chorleiter bei Buadze. „Seitdem habe ich Deutsch gelernt, bin Leiterin einer Musikschule geworden und trete jetzt mit meinen Schülern zum Beispiel in Bad Hersfeld auf“, erzählt die mutige Vorreiterin fröhlich. Der Funke sei auch auf ihre Schüler übergesprungen. „Manche sprechen jetzt Deutsch“, erklärt sie.

Am Wochenende zeigen die georgischen Gäste und der Ulli-Meiß-Chor ihr Können. Lieder auf Deutsch, Italienisch und Slowenisch stehen auf dem Plan. „Mit fast 200 Musikern wird es eng auf der Bühne“, sagt Ulli Meiß.

Restkarten gibt es für die Konzerte am Samstag um 19:30 Uhr und am Sonntag um 15:30 Uhr in der Kartenzentrale am Markt oder an der Abendkasse.

(Kim Hornickel)

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