59-Jähriger angeklagt

Gericht in Bad Hersfeld: Dolmetscher soll zwei Asylbewerberinnen sexuell belästigt haben

Skulptur der Justitia mit Waage und verbundenen Augen
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Symbolbild Justiz

Ein 59 Jahre alter Bad Hersfelder soll in seiner Funktion als Dolmetscher zwei Asylbewerberinnen sexuell belästigt haben.

Bad Hersfeld – Seit Dienstag muss sich der 59-Jährige vor dem Schöffengericht am Amtsgericht in Bad Hersfeld verantworten. Der aus Afghanistan stammende Mann, der seit 26 Jahren in Bad Hersfeld lebt, bestreitet die Vorwürfe. Mittlerweile lebt er von Sozialhilfe. Zwischen Oktober 2019 und Februar 2020 soll er eine aus dem Iran stammende 39 Jahre alte Asylbewerberin, die im nördlichen Kreisteil lebt, – bei Fahrten im Auftrag des Sozialamts – unsittlich angefasst und berührt haben. Einmal sei sie sogar mit dem Zug gefahren, um dem Angeklagten aus dem Weg zu gehen.

Zunächst habe sie sich nicht getraut, sich jemandem anzuvertrauen. „In unserem Kulturkreis beschwert sich eine Frau nicht über einen Mann“, erklärte die 39-Jährige.

Bei Terminen mit der Ausländerbehörde habe der Angeklagte Dinge zu ihr gesagt, die er eigentlich nicht übersetzen sollte. So habe er sie als schön bezeichnet. Und das er nicht verstehen könne, warum sie alleine sei.

Ähnliche Vorkommnisse schilderte eine 26 Jahre alte aus Afghanistan stammende Asylbewerberin, die derzeit in Bad Hersfeld lebt. Auch sie soll der Angeklagte bei Fahrten mit dem Auto am Arm, dem Oberschenkel und der Brust angefasst haben. Zum Schutz habe sie ihr Handy in den Schritt gelegt.

Einmal sei er mit ihr in ein Waldstück bei Tann gefahren. Dort habe er versucht, sie zu entkleiden. Das sei ihm aber nicht gelungen. Der Angeklagte habe von ihr abgelassen, als sie ihm den Vorschlag unterbreitete, sich ihm hinzugeben, wenn er ihr neue Bekleidung und Turnschuhe kaufen würde. Daraufhin habe er sie gehen lassen.

Die 26-Jährige brach mehrmals in Tränen aus. Sie sei in ihrem Heimatland sehr streng erzogen worden und habe sich dort nie unverschleiert gezeigt. Es falle ihr schwer, jetzt all diese Dinge ganz exakt schildern zu müssen. Kurzzeitig lieferte sie sich ein Wortgefecht mit dem Angeklagten, der nun endlich sagen solle, was er mit ihr angestellt habe. Der ließ sich auf den verbalen Austausch ein und sagte, dass er nichts getan habe. Die Verhandlung wird heute fortgesetzt. (Mario Reymond)

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